„Eine Billion Dollar werden wir erreichen“: Was der Iran-Krieg jeden US-Haushalt wirklich kostet
Iran-Krieg kostet jeden US-Haushalt fast 2000 Dollar – und Trump nennt es „einen geringen Preis“
Stand: 15.10.2026, 08:01 Uhr
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Iran-Krieg kostet jeden US-Haushalt fast 2.000 Dollar – durch Benzinpreise, Zinsen und Militärausgaben. Die Gesamtkosten gehen in die Billion.
Acht Monate nach Beginn des Krieges im Iran steht der durchschnittliche amerikanische Haushalt nach Angaben des Ökonomen Mark Zandi finanziell um fast 2.000 Dollar schlechter da. Das sorgt im Vorfeld der Zwischenwahlen für zusätzlichen wirtschaftlichen Druck. „Fast 2.000 Dollar. Nach meiner Berechnung hat der Iran-Krieg den durchschnittlichen amerikanischen Haushalt seit seinem Beginn vor fast acht Monaten so viel gekostet. Landesweit summiert sich das auf 265 Milliarden Dollar“, schrieb Zandi, Chefökonom von Moody’s Analytics, in den sozialen Medien.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.
Das ist siebenmal so viel wie die Summe, die Verteidigungsminister Pete Hegseth dem Kongress als Kosten des Krieges für das Land zwischen dem 28. Februar, als die USA und Israel gemeinsame Angriffe auf den Iran starteten, und Ende Juli genannt hatte. Auf eine Frage des demokratischen Senators Dick Durbin zu den Kriegskosten bezifferte Hegseth diese vor dem Bewilligungsausschuss des Senats auf rund 37,5 Milliarden Dollar. Außerdem erklärte er, das Pentagon hätte für weitere Operationen im Nahen Osten zusätzliche 67 Milliarden Dollar benötigt – fast das Doppelte der bisherigen Kosten.

Hegseths Zahl umfasst allerdings nur die direkten militärischen Kosten des Krieges. Für amerikanische Haushalte ist der Preis deutlich höher, weil die Auswirkungen des Konflikts auf die globalen Märkte, insbesondere den Ölmarkt, die Inflation und die alltäglichen Ausgaben in die Höhe getrieben haben.
Höhere Energiekosten – darunter die Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen – tragen am stärksten zu den zusätzlichen Ausgaben bei, die den Amerikanern durch den Krieg im Iran entstehen. „Eine Gallone Normalbenzin kostet 4,37 Dollar, gegenüber knapp drei Dollar vor dem Krieg. Diesel liegt bei über sechs Dollar, und Kerosin ist fast doppelt so teuer geworden. Mit dem nahenden Winter erhöht auch der deutlich gestiegene Heizölpreis die Kosten“, schrieb Zandi auf X.
Am Dienstagmorgen lag der landesweite durchschnittliche Benzinpreis nach Angaben der American Automobile Association (AAA) bei 4,34 Dollar pro Gallone, während Diesel 6,28 Dollar pro Gallone kostete. Vor Beginn des Iran-Krieges, der die weltweite Ölversorgung beeinträchtigte und dadurch die Energiepreise rund um den Globus in die Höhe trieb, waren die Benzinpreise endlich unter die Marke von drei Dollar pro Gallone gefallen: Der landesweite Durchschnitt lag bei 2,98 Dollar pro Gallone. Der durchschnittliche Dieselpreis betrug weniger als vier Dollar pro Gallone.
Höhere Kraftstoffpreise belasten die Haushalte
Ölanalysten erklärten gegenüber Newsweek, dass sich die Benzin- und Dieselpreise erst wieder normalisieren würden, wenn die Straße von Hormus wieder geöffnet werde, durch die früher ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wurde. Und selbst dann würde es lange dauern, bis Verbraucher in den USA an den Tankstellen wieder Preise wie vor dem Krieg sähen. Zandis Berechnungen zufolge gibt der durchschnittliche amerikanische Haushalt seit Beginn des Iran-Krieges aufgrund höherer Benzin- und Dieselpreise sowie höherer Heizkosten 1.100 Dollar mehr aus.
Auch die Watson School of International and Public Affairs der Brown University erfasst die Gesamtbelastung der Verbraucher durch kriegsbedingt höhere Benzin- und Dieselpreise. Laut den Forschern haben Amerikaner seit dem 28. Februar zusätzlich 133,3 Milliarden Dollar bezahlt, nachdem die Benzinpreise um mehr als 46 Prozent und die Dieselpreise um mehr als 70 Prozent gestiegen sind. Höhere Benzinpreise haben die amerikanischen Verbraucher zusätzlich mit 73,5 Milliarden Dollar belastet, höhere Dieselpreise mit weiteren 59,8 Milliarden Dollar. Insgesamt ergibt das zusätzliche Kosten von 1.017,76 Dollar pro US-Haushalt.
Höhere Zinsen
Die steigende Inflation, die vor allem durch höhere Benzinpreise angetrieben wird, hat zur Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve beigetragen, ihren Leitzins im September erstmals seit drei Jahren anzuheben, von 3,5 Prozent auf 3,75 Prozent. Die meisten Analysten erwarten in den kommenden Monaten weitere Erhöhungen – trotz des heftigen Widerstands von Präsident Donald Trump, der schon lange Zinssenkungen fordert. Die Federal Reserve kontrolliert die Hypothekenzinsen zwar nicht direkt, ihre Maßnahmen beeinflussen jedoch die Entwicklung der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, die sich wiederum auf die Hypothekenzinsen auswirken.
Nach der September-Entscheidung der Federal Reserve stiegen die Hypothekenzinsen erstmals seit Januar 2025 auf über sieben Prozent. In der Woche bis zum 8. Oktober lag der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Festzinshypothek, den beliebtesten Immobilienkredit amerikanischer Kreditnehmer, laut Freddie Mac bei 7,40 Prozent, gegenüber 6,30 Prozent ein Jahr zuvor. „Auch die langfristigen Zinsen sind stark gestiegen – die festen Hypothekenzinsen sind von unter sechs Prozent vor dem Krieg auf 7,5 Prozent geklettert“, sagte Zandi. „Nach unseren Berechnungen haben die höheren Zinsen die Wirtschaft etwa 540 Dollar pro Haushalt gekostet.“
Militärische Kosten
Auf Grundlage der vom Pentagon eingeräumten Zahlen schätzt Zandi, dass die militärischen Kosten des Krieges jeden Haushalt zusätzlich mit 360 Dollar belasten. Experten gehen davon aus, dass die militärischen Kosten höher ausfallen könnten als vom Pentagon geschätzt. Dabei berücksichtigen sie, dass auch Reparaturen, Wartung und Ersatzbeschaffungen bezahlt werden müssen, die in den zunächst bekannt gegebenen Kosten nicht enthalten waren.
„Ich bin sicher, dass wir beim Iran-Krieg eine Billion Dollar erreichen werden“, erklärte Linda Bilmes, Expertin für Kriegsbudgets und Daniel Patrick Moynihan Senior Lecturer für Public Policy an der Harvard Kennedy School, in einer Stellungnahme. „Vielleicht haben wir diesen Betrag bereits angehäuft.“
Die menschlichen Kosten des Krieges
Das mag sich nicht im Geldbeutel der Amerikaner bemerkbar machen, doch der Krieg im Iran hat auch einen menschlichen Preis. Nach Angaben US-amerikanischer Behörden wurden bei Einsätzen im Zusammenhang mit dem Konflikt 21 US-Militärangehörige getötet und 865 verwundet. Das geht aus einer Aktualisierung hervor, die am Freitagabend auf der Website des Defense Casualty Analysis System veröffentlicht wurde.
Es ist unklar, wie viele iranische Zivilisten seit Ende Februar in dem Konflikt getötet wurden. Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) gab im April an, dass in dem Land 1.701 Zivilisten getötet worden seien, darunter mindestens 254 Kinder.
Trump: Iran-Krieg kostet „geringen Preis“
Angesichts der Tatsache, dass „die Kriegskosten zusammengenommen etwa die Hälfte des Einkommenszuwachses des durchschnittlichen amerikanischen Haushalts in den vergangenen acht Monaten aufgezehrt haben“, sei es „kein Wunder, dass der Krieg so unbeliebt ist“, sagte Zandi. Die jüngsten Daten zur Unterstützung für den Iran-Krieg zeigen laut einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center, dass rund zwei Drittel der Amerikaner (65 Prozent) Trumps Umgang mit dem Konflikt ablehnen, während nur ein Drittel (33 Prozent) ihn billigt.
Damit ist die Ablehnung gegenüber März gestiegen, als 61 Prozent den Umgang des Präsidenten mit dem Konflikt missbilligten. Unterdessen hat auch Trumps Beliebtheit gelitten: Laut Nate Silver liegt sein jüngster Netto-Zustimmungswert mit minus 23,5 auf einem historischen Tiefstand. Angesichts sinkender Zustimmungswerte und der Kritik an den steigenden Energiepreisen in den USA hat Trump den anhaltenden Krieg im Iran wiederholt als „einen geringen Preis“ gerechtfertigt, um sicherzustellen, dass der Iran keine Atomwaffe in seinem Arsenal hat.
Bei einer Kundgebung in Grand Island im Bundesstaat Nebraska vergangene Woche sagte der Präsident den Teilnehmern, die Benzinpreise seien „ein bisschen hoch“. Letztlich sei das aber „ein sehr geringer Preis, und es wird sehr bald vorbei sein. Im Grunde ist es fast vorbei“. Die Äußerungen spiegeln eine der Begründungen wider, die die Regierung der Bevölkerung ursprünglich für den Krieg gegen den Iran genannt hatte: Sie stellte ihn als eine Frage der langfristigen Sicherheit des Landes und der Welt dar.
Trump verweist auf Sicherheit und die Zwischenwahlen
„Nur damit Sie es verstehen: Wir bewahren dieses Land und die Welt vor etwas, das eine der schlimmsten Tragödien aller Zeiten sein könnte“, sagte er in Nebraska. „Es ist ein geringer Preis dafür, die Welt sicher zu halten und unser Land sicher zu halten. Sie können eine Stadt auslöschen. Sollen sie doch Los Angeles auslöschen, sollen sie doch San Diego auslöschen“, fügte er hinzu und löste damit Empörung bei führenden Politikern Kaliforniens aus.
Es ist unklar, wie sich die höheren Lebenshaltungskosten auf die Zwischenwahlen im November auswirken werden. Die Demokraten hoffen jedoch, dass der Frust über die Inflation ihnen zum Sieg und zur Kontrolle über den Kongress verhilft. Trump wiederum versprach vergangenen Monat, jedem Erwachsenen in den USA 5.000 Dollar auszuzahlen, falls die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kammern behalten. Der Präsident versucht außerdem aktiv, die Kraftstoffpreise durch eine Kombination von Präsidialverfügungen zu senken – etwa durch eine, die den Einsatz von eingefärbtem Diesel im Straßenverkehr erlaubt.