Iran-Krieg: Mullah-Regime zeigt sich bereit für die nächste Stufe der Eskalation - Schifffahrt im Visier


Stand: 09.09.2026, 23:00 Uhr

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Die iranische Führung setzt auf Eskalation – sie möchte eine „Sperrzone“ für die Schifffahrt einrichten, US‑Kriegs­schiffe hat sie angreifen lassen. Ein Grund: die US-Kongresswahlen im November.

Teheran/Washington, D.C. – Die Auseinandersetzung zwischen dem Iran und den USA spitzt sich wieder zu: Die iranische Führung hat erstmals zwei US-Kriegsschiffe mit ballistischen Raketen beschießen lassen. Daraufhin haben die USA am Dienstag (8. September) fünf iranische Öltanker zerstört. Auch rhetorisch rüstet der Iran auf: Die Zeit der „verhältnismäßigen“ Reaktionen auf US-Angriffe sei vorbei. Für Analysten ist klar: Eine Eskalation des Konfliktes soll die US-Regierung unter Druck setzen.

Iran-Krieg - Straße von Hormus

Die iranische Führung setzt in dem Konflikt mit den USA auf Eskalation. Unter anderem werde eine „Sperrzone“ für die Schifffahrt eingerichtet. (Archivbild) © Vahid Salemi/AP/dpa

Nach Informationen der New York Times schlägt die Führung des Iran einen aggressiveren Kurs ein, während das Land selbst unter zunehmendem wirtschaftlichen Druck steht. Die amerikanische Seeblockade iranischer Häfen mache es für den Iran beinahe unmöglich, Öl zu exportieren. Dieser Export stellt aber die wichtigste Einnahmequelle des Landes dar. Eine Eskalation sei das wichtigste Druckmittel, das dem Iran gegenüber den Vereinigten Staaten noch zur Verfügung stehe.

Iran und die USA beschießen sich gegenseitig

Die Eskalation kündigte sich bereits in den vergangenen Tagen an: So erklärte das US‑Militär am Dienstag, es habe als Vergeltung für versuchte Angriffe auf ein Kriegsschiff fünf iranische Öltanker zerstört. Der Iran erklärte daraufhin, er habe als Reaktion einen Stützpunkt in Jordanien angegriffen, der von amerikanischen Streitkräften genutzt werde. Die Angriffe erfolgten drei Tage, nachdem der Iran erstmals versucht hatte, ein amerikanisches Militärschiff anzugreifen. Iranische Streitkräfte hätten bisher Attacken auf amerikanische Kriegsschiffe vermieden, bei denen es zu hohen amerikanischen Verlusten kommen könnte.

Das neue Vorgehen erklärte am Sonntag (6. September) Mohammed Bagher Ghalibaf, Irans führender Unterhändler und Parlamentspräsident. So sei die Ära „verhältnismäßiger Reaktionen“ auf amerikanische Angriffe vorbei. Mohsen Rezaei, Irans Sicherheitschef, erklärte, es werde außerdem eine „Sperrzone“ für die Schifffahrt eingerichtet. Wie Al Jazeera die Islamischen Revolutionsgarden zitiert, wird sich diese Zone vom iranischen Tschahbahar über Teile des Golfes von Oman bis in das Arabische Meer erstrecken. Nach Angaben der Zeit werde jedes Schiff, das in diese Zone einfahre, auf eine Sanktionsliste gesetzt.

Iranische Regierung muss auf Treibstoffknappheit reagieren

Ein Grund für die Angriffe und die verschärfte Rhetorik des Iran ist eine Wirtschaftskrise infolge der amerikanischen Seeblockade iranischer Häfen, wie die New York Times mitteilt. So musste die iranische Regierung am Dienstag aufgrund von Treibstoffknappheit die Benzinpreise erhöhen. Das könnte die Lage weiter verschärfen, da die Menschen im Iran bereits mit hoher Inflation, Arbeitslosigkeit und einer schnell an Wert verlierenden Währung zu kämpfen haben. Verzweiflung unter den Iranern könnte eine neue Welle von Protesten gegen die Regierung auslösen: So hatte etwa im vergangenen Dezember eine Währungskrise landesweite Proteste ausgelöst, die von den Sicherheitskräften gewaltsam niedergeschlagen wurden.

Gleichzeitig haben US‑Kriegsschiffe durch Eskorte einigen Tankern ermöglicht, die Straße von Hormus zu passieren, die der Iran eigentlich blockiert. Damit ist die iranische Sperrung der Wasserstraße teilweise ausgehebelt. So wurde ein Anstieg der Ölpreise verhindert und Irans Fähigkeit eingeschränkt, Washington wirtschaftlich unter Druck zu setzen.

Eskalation des Konflikts mit den USA kommt dem Iran gelegen

Dennoch wurden die weltweiten Rohölvorräte nicht schnell genug aufgefüllt. Laut Farzan Sabet, Iran-Analyst am Geneva Graduate Institute, sei eine Eskalation des Konflikts jetzt im Sinne des Iran. „Es ist äußerst schädlich, aber gleichzeitig hoffen sie, dass dadurch die weltweiten Ölpreise steigen oder die Straße von Hormus vollständig wieder geschlossen wird.“

Möglicherweise sei die Führung des Iran zu dem Schluss gekommen, dass vor den US-Kongresswahlen jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, das Vorgehen zu verschärfen: Ein unpopulärer Krieg könnte US-Präsident Trump und seiner Republikanischen Partei schaden. Eine andere Überlegung: Trump werde nach den Kongresswahlen den Krieg wieder aufnehmen. Entweder werde sich der Präsident durch einen Wahlsieg bestätigt fühlen. Oder er glaube, nichts mehr zu verlieren zu haben, wenn er seine eigene Strategie weiterverfolge. (Quellen: nytimes.com, aljazeera.com, zeit.de) (jws)