Trumps Waffenstillstand ist nur noch Fassade – Iran-Krieg wird zur Falle


Tote US-Soldaten im Nahen Osten

Jetzt holt Trump der Krieg ein


20.07.2026 - 18:37 UhrLesedauer: 3 Min.

Donald Trump spricht weiter von Waffenstillstand. Doch immer neue Luftangriffe, tote US-Soldaten und Vergeltungsschläge zeugen von einer anderen Realität. Der Iran-Krieg wird für den US-Präsidenten immer offensichtlicher zur Falle.

Ein Waffenstillstand, der Nacht für Nacht neue Luftangriffe hervorbringt, weitere Tote fordert und von neuen Vergeltungsschlägen begleitet wird, ist kein Waffenstillstand. Der Krieg der USA gegen den Iran hat nie aufgehört. Mit zwei weiteren getöteten amerikanischen Soldaten kann das auch Donald Trump nicht mehr schönreden – und genau das wird für ihn über kurz oder lang zur Falle.

Zwar versucht der US-Präsident weiterhin, die unfriedliche Situation mit rhetorischen Verrenkungen zu beschreiben. So verkündete er nun, die jüngsten Angriffe gegen iranische Stützpunkte seien erfolgt, um die eigenen getöteten Soldaten zu ehren. Doch mit den gefallenen Amerikanern und den folgenden Vergeltungsschlägen ist die Illusion von einer Beruhigung des Konflikts endgültig in sich zusammengefallen.

Tödliche Dynamik statt Diplomatie

Damit setzt sich erneut eine Spirale der Gewalt in Bewegung, in der es zunehmend an Bedeutung verliert, wer Verantwortung trägt oder Schuld hat, da die Situation ohnehin außer Kontrolle geraten ist. Klar ist: Auch aus iranischer Sicht werden die US-Angriffe kaum als Durchsetzung eines Waffenstillstands erscheinen, sondern als weitere Kriegshandlung. Die USA wiederum werden jede iranische Antwort als neue Aggression werten, die aus ihrer Sicht eine erneute Reaktion erforderlich macht.

Die verheißungsvoll versprochene Diplomatie weicht damit einer Dynamik, die außer Kontrolle scheint. Es ist das Gegenteil von Deeskalation. Mit all den Folgen, die seit Monaten weite Teile der Nahostregion und der ganzen Welt beeinträchtigen. Schiffe können die Straße von Hormus nach wie vor nicht gefahrlos befahren. Diese Feuerpause ist eine Farce.

Für Donald Trump ist das Reden vom Waffenstillstand und von erfolgreichen Deals politisch bequem. Beruhigen will er damit die amerikanische Öffentlichkeit und die sensiblen Finanzmärkte. Der US-Präsident glaubt offenbar noch immer, auf diese Weise eine ehrliche Debatte darüber vermeiden zu können, ob sich die USA nicht längst viel tiefer in diesen Krieg haben hineinziehen lassen, als er eingestehen möchte.

Die Strategie bleibt unklar

Mit jedem toten US-Soldaten aber wird es für Trump schwieriger, sich um diese Realität herumzumogeln. Der Präsident und seine Minister bemühen sich zwar stets, nur von begrenzten Militärschlägen zu sprechen. Außenminister Marco Rubio betonte erneut, dass die USA nach wie vor für diplomatische Lösungen offen seien. Zwar lassen sich die früheren Kriege in Vietnam, im Irak oder in Afghanistan nicht mit dem Iran-Konflikt vergleichen. Aber auch sie begannen einst als vermeintlich begrenzte Einsätze.

Hinzu kommt, dass die USA in jeder dieser bewaffneten Auseinandersetzungen nicht in der Lage waren, ihre klaren oder unklaren Ziele zu erreichen. Immer fanden die Gegner Mittel und Wege, um die Kriege in die Länge zu ziehen und die amerikanische Öffentlichkeit langfristig zu ermüden. Sosehr sich Donald Trump von diesen historischen Begebenheiten loslösen wollte, sosehr holen sie nun auch ihn ein. Denn was die Strategie nach Monaten des Krieges sein soll, bleibt unklar.

Die Kosten werden immer höher

Für den US-Präsidenten wird die vermeintliche unschlagbare militärische Stärke immer mehr zum politischen Risiko. Sein Versprechen, Amerika aus den "endlosen Kriegen" herauszuhalten und derlei außenpolitische Abenteuer zu beenden, ist inzwischen gebrochen. Der Krieg kostet nicht nur immer weitere US-Soldaten das Leben, er kostet auch ein Milliardenvermögen an Steuergeldern und er kostet die Amerikaner täglich höhere Rechnungen für Benzin und in der Folge für fast alle weiteren Produkte.

Noch glaubt Trump, sich mit der Standardaussage retten zu können, all das diene nur dazu, dass der Iran niemals Nuklearwaffen besitzen dürfe. Doch die Bereitschaft in den USA, dies als Begründung hinzunehmen, schwindet zunehmend. Auch der Versuch, mit unbelegten Vorwürfen einer direkten chinesischen Wahleinmischung neue Fronten zu eröffnen, dürfte als Ablenkung nicht lange funktionieren.

Die amerikanische Öffentlichkeit wird in absehbarer Zeit ihr Recht darauf einfordern, zu erfahren, wie die Strategie der Trump-Regierung und die Lösung für die aus dem Krieg folgenden Probleme jetzt aussehen. Spätestens in diesem November bei den Zwischenwahlen wird es so weit sein. Dann wird Trump zugeben müssen, dass sein bisheriger Plan gescheitert ist – ob er will oder nicht. Zumindest kann er es dann nicht mehr verbergen.