Statement der St. Pauli-Fans: Diese Botschaften bewegten das Millerntor


FC St. Pauli

Irvine, Israel, Ukraine, AfD: Diese Statements setzten St. Paulis Fans zum Auftakt

St. Paulis Fans freuten sich auf die Rückkehr ans Millerntor.
WITTERS

Zum Saisonauftakt am Millerntor zeigten St. Paulis Fans mit Bannern ihre Haltung zum Abgang von Jackson Irvine und zu zahlreichen weiteren gesellschaftspolitischen Themen und Problemen.

Der FC St. Pauli ist bekannt dafür, laut zu sein, wenn es für nötig gehalten wird. Sowohl der Verein in Form der Verantwortlichen als auch die Fans. So bestand beim Saisonauftakt gegen die SpVgg Greuther Fürth erstmals seit rund drei Monaten die Chance, sich auf der größtmöglichen Bühne am Millerntor mithilfe von Bannern zu äußern. Diese Chance ergriffen sie in aller Häufe. Zu sehen waren Transparente in Bezug auf Jackson Irvine, den Israel-Gaza-Krieg und sogar zu einer Fan-Kampagne des Gegners. Ein Überblick.

Nachdem die Fans über die sozialen Medien deutlich zu Verstehen gegeben hatten, dass sie auf der Seite von Irvine stünden und vor allem Kritik an der Vereinsführung geäußert hatten, hätte man durchaus davon ausgehen können, dass auch im Stadion mit zahlreichen Liebesbekundungen zu dem Ex-Kapitän zu rechnen gewesen wäre.

Fans des FC St. Pauli zeigen im Stadion ein Transparent mit der Aufschrift „YNWA Jacko“ für Jackson Irvine.
Einige St. Pauli-Fans huldigten Jackson Irvine nach dessen Abgang mit einem Banner.
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Dass man sich nicht vom Eindruck der sozialen Medien und von Online-Foren täuschen lassen sollte, zeigte dann die tatsächliche Lage am Millerntor. Neben einem Transparent mit der Aufschrift „YNWA Jacko“ und einem zugehörigen Herz mit herunterlaufenden Tränen kam von Seiten der Fans wenig zu Irvine. Dass der Verein keine zusätzliche Verabschiedung geplant hatte, war bereits vor dem Anpfiff bekannt geewsen.

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Wegen Irvine? St. Pauli-Anhang setzt sich für jüdische Fans ein

Irvine hatte ohnehin längst nicht mehr alle Fans des Kiezklubs hinter sich. Einige Kontroversen, darunter seine Einlassungen zum Israel-Gaza-Krieg. Der Australier hatte sich im vergangenen Jahr mit einem „FC Palestine“-Shirt gezeigt und damit für jede Menge Aufsehen gesorgt. Ob das gezeigte Banner mit der Aufschrift „Sicherheit für jüdische Fans am Millerntor!“ mit Irvine in Verbindung steht, lässt sich nur mutmaßen. Die Message bleibt zumindest dieselbe, egal ob mit oder ohne Irvine-Bezug.

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Dicht gedrängte St.-Pauli-Fans zeigen Banner und Plakate auf der Tribüne des Millerntor-Stadions.
St. Paulis Fans forderten mit einem Transparent zum Saisonauftakt: „Sicherheit für jüdische Fans am Millerntor!“
IMAGO / Nordphoto

Hinzu kam ein weiteres Transparent mit israelischem Hintergrund. „Hersh Forever“ war schwarz auf weiß zu lesen. Der amerikanisch-israelische Hersh Goldberg-Polin war im Oktober 2023 von Hamas-Terroristen als Geisel genommen und festgehalten, bis er im August 2024 starb. Er war Fan des isrealischen Klubs Hapoel Jerusalem und soll zudem eine enge Verbindung zum SV Werder Bremen gepflegt haben.

St. Pauli-Fans trauerten auch um Verstorbene

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Nach der Sommerpause hatten einige Fans zudem einen unschönen Anlass für das Präsentieren von Bannern. Gleich mit mehreren Schriftzügen wurde Ultras und Nahestehenden gedacht und die Trauer ausgedrückt.

Ein Banner wurde nicht bloß hochgehalten, sondern machte seinen Weg rund um das Stadion. „Fürth auf Trapp bringen“, lautete das Wortspiel mit Bezug auf Cheftrainer Marcel Rapp. 

St.-Pauli-Fans halten im Stadion ein Transparent für Trainer Marcel Rapp hoch.
Am Ende konnte Cheftrainer Marcel Rapp Fürth nicht ausreichen „auf Trapp bringen“. Es reichte nur für ein Unentschieden.
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Neben den lautstark anfeuernden St. Pauli-Fans war auch diese Zusatz-Motivation am Ende nicht genug für den Sieg. Das Team von Rapp kam zum Zweitliga-Auftakt nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus.

Weitere Botschaften gegen Männer und für die Ukraine

Zwischen den politischen und sportlichen Transparenten befand sich auch ein feministisch-provokantes. Ein Banner mit der Aufschrift „Scheisz Männer überall!“ zog einige Blicke auf sich. 

Fans im Millerntor-Stadion präsentieren beim Spiel St. Pauli gegen Greuther Fürth ein Banner: „Scheisz Männer überall“.
St. Paulis Fans zeigten ein Banner mit der Aufschrift: „Scheisz Männer überall!“
IMAGO / STEINSIEK.CH

Darüber hinaus befanden sich zahlreiche bunte Fahnen, Plakate, Banner und Aufkleber auf den Tribünen, die sich gegen die AfD, für die Ukraine und beispielsweise „gegen autoritäre Machtkonstrukte“ aussprachen.

Solche offenkundigen Statements gehören zur DNA des Klubs und des Millerntors. Dass es noch mehr Banner und Stellungnahmen waren, als es vielleicht sonst der Fall ist, dürfte an der langen Sommerpause und dem kurzfristigen Abgang von Jackson Irvine liegen. Im Zentrum stand derweil keineswegs Irvine als Einzelperson, sondern größer gefasste gesellschaftspolitische Themen und Probleme.