Island vor EU-Referendum - Beitritt im Tandem mit Montenegro? | cash
Europa
Wenn Island am 29. August über eine Wiederaufnahme von EU-Beitrittsgesprächen abstimmt, könnte auch das eine Weiche für die Zukunft weiterer Kandidaten stellen.
19.08.2026 06:30

Blick auf Reykjavik, die Hauptstadt von Island.
Quelle: pixabay.comDenn falls die Isländer in dem Referendum mehrheitlich dafür votieren, könnten Verhandlungen mit dem wohlhabenden Atlantikstaat die Skepsis vieler EU-Bürger gegenüber einer Erweiterung dämpfen, heisst es in EU-Kreisen. Die Europäische Union steht mittelfristig vor mehreren Aufnahmeentscheidungen: Montenegro hofft auf einen Beitritt im Jahr 2028, und auch Albanien, die Ukraine und die Republik Moldau dringen auf eine rasche Aufnahme in die Staatengemeinschaft.
Ein positives Votum in dem nur 400.000 Einwohner zählenden Inselstaat Island würde die Attraktivität der EU demonstrieren, sagte ein hochrangiger EU-Diplomat der Nachrichtenagentur Reuters. Es würde skeptischen EU-Ländern zudem erleichtern, auch einen Beitritt Montenegros zu akzeptieren. Montenegro zählt mit gut 600.000 Einwohnern ebenfalls zu den kleinsten europäischen Ländern und liegt bei der Wirtschaftskraft je Einwohner hinter Island. Experten sehen in einer Tandem-Lösung einen strategischen Vorteil. «Island mit Montenegro zu verbinden, wäre wahrscheinlich erfolgreicher, als Montenegro allein voranzubringen», erklärte Steven Blockmans vom International Centre for Defence and Security in Tallinn.
Island hatte frühere Beitrittsgespräche 2013 unter einer EU-skeptischen Regierung abgebrochen. Ein Knackpunkt waren und sind Islands wirtschaftlich bedeutende Fischgründe, die viele Isländer nicht mit den anderen Fischereiflotten anderer Länder teilen wollen. Doch geopolitische Umwälzungen wie Russlands Krieg gegen die Ukraine und die von US-Präsident Donald Trump geäusserte Möglichkeit einer Annexion des dänischen Autonomiegebiets Grönland geben vielen Isländern zu denken. Befürworter argumentieren zudem, mit einer EU-Mitgliedschaft könne Island den hohen Lebenshaltungskosten begegnen und sich gegen grosse Handelspartner behaupten.
Die isländische Bevölkerung geht jedoch gespalten in das Referendum. Einer Gallup-Umfrage aus diesem Monat zufolge halten sich Befürworter und Gegner von Beitrittsgesprächen mit jeweils 46 Prozent die Waage. Acht Prozent sind unentschlossen. Einen Beitritt selbst lehnt anderen Umfragen zufolge derzeit sogar eine Mehrheit ab. Sollte es nun zu Gesprächen kommen, müsste über einen Beitritt dann später in einem gesonderten Referendum abgestimmt werden.
Falls sich die Isländer für Verhandlungen aussprechen, rechnet die zuständige EU-Kommissarin Marta Kos mit einer Dauer von ein bis zwei Jahren. In der Frage der Fischereirechte hält sie einen Kompromiss für möglich. «Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit den EU-Mitgliedstaaten kreative Lösungen finden würden, die die Befindlichkeiten sowohl Islands als auch unserer Mitgliedstaaten respektieren», sagt Kos.
(Reuters)