Ist unser Stromnetz nicht zu schützen? Keine Zeit für Fatalismus


KI-Stimme. Info

Zwei Anschläge kurz nacheinander auf Umspannwerke mit ähnlichen Folgen - niemand glaubt da an Zufall. Nicht die Konzerne, nicht die Politik, nicht die Polizei. Und doch ist es zu früh, voreilig Schlüsse zu ziehen, wer dahinter stecken könnte. Die NRW-Behörden ermitteln in die zwei naheliegenden Richtungen und wähnen die Saboteure im Ausland oder unter Linksextremisten. Bis es wofür auch immer Beweise gibt, steht nur eines fest: Deutschland ist aktuell nicht ansatzweise in der Lage, seine kritische Infrastruktur zu schützen.

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Das hat zunächst nichts mit Staatsversagen zu tun, das von interessierter Seite so gern ausgerufen wird. Denn natürlich kann nicht an jedem Strommast ein Polizist stehen, da hat NRW-Innenminister Reul völlig recht. Weder das Stromnetz noch das Schienennetz lassen sich auf ihren abertausenden Kilometern durch die Republik überall und zu jeder Zeit schützen. Deswegen sind sie ja so dankbare Ziele für Saboteure. Wer auch immer unserem Land größtmöglich schaden will, nimmt Stromleitungen, Umspannwerke, Kraftwerke oder Straßen und Schienen ins Visier.

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Fatalismus ist die falsche Reaktion

Wenn wir das aber wissen und die Angriffe zunehmen, ist Fatalismus die falsche Reaktion. Wir können zwar nicht jede Leitung bewachen, sollten das bei neuralgischen Knotenpunkten aber zumindest versuchen. Beim Schutz der kritischen Infrastruktur läuft der Staat zu weit hinterher. Vor allem muss er seine bisherige Grundhaltung, das sei Sache der Betreiber, endlich ablegen. Natürlich sind sie das - aber sie könnten gut Hilfe gebrauchen. Zumindest sollte der Staat ihnen den Schutz der eigenen Anlagen nicht noch erschweren. Etwa, indem er den Betreibern verbietet, mit ihren Überwachungskameras auch den öffentlichen Raum direkt neben den Anlagen zu erfassen.

Essen - Kommentarbild Stefan Schulte

Stefan Schulte, Ressortleiter Wirtschaft© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Denn wenn nach einem Anschlag tatsächlich mal weiträumig der Strom ausfallen sollte, wären unzählige unbeteiligte Menschen und Firmen die Leidtragenden. Ohne Energie geht nichts in diesem Land. Leicht verwundbar war unsere Energieversorgung schon immer, nur hat das in den vergangenen, weitgehend friedlichen Jahrzehnten zum Glück selten jemand ausgenutzt. Diese Zeiten sind vorbei.