IW-Studie: Ostdeutsche haben beim Vermögen kaum aufgeholt – der Rückstand bleibt dramatisch


IW-Studie: Beim Vermögen klafft zwischen Ost und West eine riesige Lücke

Stand: 20.08.2026, 13:33 Uhr

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Auch mehr als 30 Jahre nach der Wende klafft beim Vermögen noch immer eine Lücke. © Britta Pedersen/dpa

Im Süden fünfmal so viel wie im Osten: Eine neue Studie vermisst die Vermögensungleichheit in Deutschland – mit ernüchterndem Ergebnis.

Berlin – Das Vermögen in Deutschland ist ungleich verteilt – und das besonders stark zwischen den Regionen. Eine neue Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) erstellt wurde und der Süddeutschen Zeitung vorab vorlag, zeigt: Der Medianwert des Nettovermögens liegt im Süden mehr als fünfmal so hoch wie im Osten.

Dahinter stecken historische Ursachen, die bis in die DDR-Zeit zurückreichen – und eine Wohneigentumsquote, die den Vermögensaufbau breiter Bevölkerungsschichten bis heute bremst. Die Studie kommt zudem zu dem Befund, dass die Vermögensungleichheit seit der Weltfinanzkrise 2008 leicht gesunken ist.

Deutschland: Ein Land, zwei Vermögenswelten

Wer die Zahlen nach Regionen aufschlüsselt, stößt auf dramatische Unterschiede. Das Nettovermögen in den süddeutschen Bundesländern ist mehr als zweieinhalbmal so hoch wie im Osten – beim Medianwert, der die Bevölkerung in zwei gleich große Hälften teilt, liegt der Süden sogar mehr als fünfmal so hoch. Nord- und Westdeutschland rangieren dazwischen.

Bundesweit lag der Median im Jahr 2023 bei 103.100 Euro, der Durchschnittswert hingegen bei 323.100 Euro. Die große Lücke zwischen beiden Kennziffern ist kein Zufall: Sie entsteht, weil sehr hohe Vermögen den Durchschnitt nach oben verzerren.

Daten der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bestätigen dieses Muster etwa für das Jahr 2021 – mit einem Median von 106.600 Euro und einem Durchschnitt von 316.500 Euro. Nach aktuellen Rechnungen hält das reichste Zehntel (die obersten 10 Prozent) der Bevölkerung in Deutschland heute rund 54 Prozent des gesamten Nettovermögens im Land, heißt es im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vom Oktober 2025.

Warum der Osten so weit zurückliegt

Der Rückstand Ostdeutschlands hat vor allem historische Wurzeln. In der DDR war privater Unternehmensbesitz systembedingt unerwünscht, Immobilienbesitz wurde zwar geduldet, aber nicht gefördert. Zur Zeit der Wende lag die Wohneigentumsquote laut bpb im Osten deshalb bei nur rund 25 Prozent, während sie im Westen bereits bei rund 40 Prozent lag. Viele Menschen in den neuen Bundesländern konnten erst ab 1990 ernsthaft mit dem Vermögensaufbau beginnen – ein Rückstand, der sich in einer Generation nicht aufholen lässt.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich der wichtigste Vermögensbaustein für breite Bevölkerungsschichten – die eigene Immobilie – in den vergangenen Jahren für viele als unerreichbar erwiesen habe. Im Einkommensbereich unterhalb des Medians ist der Anteil von Immobilien am Gesamtvermögen in den vergangenen zehn Jahren von 50 auf 36 Prozent gesunken, weil sich mutmaßlich immer weniger Menschen ein Haus oder eine Wohnung leisten konnten, berichtet die bpb.

Vermögensteuer: Eine Debatte mit vielen Positionen

Die Studie befeuert eine alte politische Debatte über den richtigen Umgang mit Vermögensungleichheit. Auf der einen Seite steht der Auftraggeber der Untersuchung: VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt lehnt steuerliche Eingriffe wie eine Vermögen- oder Erbschaftsteuer ab. „Wir sprechen hier über Produktivvermögen, die in Unternehmen gebunden sind – nicht über private Luxusgüter“, sagte er der SZ.

Die Politik dürfe „nicht den Fehler machen, aus einer unbegründeten Neiddebatte heraus die Standortfaktoren für Betriebe weiter zu verschlechtern“. Auch das IW empfiehlt, statt höherer Belastungen für obere Vermögensgruppen lieber untere und mittlere Schichten beim Vermögensaufbau zu stärken – etwa durch niedrigere Steuern und Gebühren beim Immobilienkauf.

Auf der anderen Seite verweist die bpb darauf, dass das Steuersystem Kapitalerträge strukturell begünstigt. Zudem sind Erbschaft- und Schenkungsteuer mit umfangreichen Ausnahmeregelungen versehen – Betriebsvermögen kann unter bestimmten Bedingungen unabhängig vom Wert steuerfrei übertragen werden. (Quellen: Süddeutsche Zeitung, Bundeszentrale für politische Bildung, Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, n-tv) (nak)