Fast 30 Prozent ohne Beziehungserfahrung: Warum in Taiwan KI-Partner an Bedeutung gewinnen


Noch nie eine Beziehung: Warum in Taiwan fast 30 Prozent ohne Partner leben

Stand: 20.08.2026, 13:28 Uhr

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Menschen überqueren in Taipeh eine Straße

Menschen in Taipeh (Symbolbild). © Sam Yeh/AFP

Eine Langzeitstudie aus Taiwan zeigt: Fast 30 Prozent der Unverheirateten haben keine Beziehungserfahrung. Auch KI-Partner könnten eine Rolle spielen.

Taipeh – Ein Wandel in der Beziehungsdynamik beschäftigt Wissenschaftler in Taiwan: Laut den neuesten Daten der Panel Study of Family Dynamics haben knapp 30 Prozent der unverheirateten Erwachsenen im Land noch nie eine romantische Beziehung geführt. Rund sieben von zehn Befragten sind derzeit ohne Partner, wie Liberty Times Net berichtet.

An der aktuellen Erhebung nahmen 1.712 nie verheiratete Personen teil. Dabei gaben 28,9 Prozent an, ihr gesamtes Leben lang Single gewesen zu sein – ein Phänomen, das im Volksmund als „Mutterleib-Single“ bezeichnet wird. Weitere 40,8 Prozent waren nach einer früheren Partnerschaft wieder alleinstehend, während lediglich 30,3 Prozent zum Zeitpunkt der Befragung in einer Beziehung lebten, meldet der Sender TVBS.

Unterschiede zwischen Geschlechtern und Altersgruppen gering

Die Neigung zum dauerhaften Single-Dasein unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern kaum: Bei den Männern liegt der Anteil bei 28,3 Prozent, bei den Frauen bei 30,1 Prozent, berichtet TVBS. Auch über verschiedene Altersgruppen hinweg bleibt die Quote der Beziehungsunerfahrenen erstaunlich stabil bei etwa 30 Prozent. Allerdings nimmt der Anteil der aktuell Verpartnerten mit steigendem Alter drastisch ab - von 44,3 Prozent bei den 27- bis 31-Jährigen auf nur noch 8,9 Prozent bei den Über-52-Jährigen, so Liberty Times Net.

Studienleiter Yu Ruoh-rong von der Academia Sinica vergleicht die Entwicklungen mit Nachbarländern. In Japan gaben bei einer vergleichbaren Erhebung unter Unverheirateten im Alter von 18 bis 34 Jahren sogar 40 Prozent der Männer und 35,2 Prozent der Frauen an, noch nie verabredet gewesen zu sein.

Erziehung, Karriere und „perfekte KI-Liebhaber“

Die Beziehungsexpertin Wu Juan-yu nennt gegenüber upmedia.mg mehrere Gründe für diesen Trend. Dazu gehören gesellschaftlicher Druck in der Jugend, sich auf das Studium statt auf Verabredungen zu konzentrieren, hohe Erwartungen der Eltern an potenzielle Partner sowie vielfältige Freizeitangebote.

Zudem spiele der Aufstieg von Künstlicher Intelligenz eine zunehmende Rolle. Immer mehr Menschen vertrauen sich täglich virtuellen KI-Begleitern an. Warum sollte man nach einem menschlichen Partner suchen, der einen wütend macht oder Geld verschwendet, wenn man einen perfekten digitalen Partner haben kann, zitiert das Portal die Expertin. Wu plädiert daher für mehr gesellschaftliche Initiativen und Beziehungs-Workshops, um die Beziehungsfähigkeit und soziale Kontakte junger Menschen zu fördern. (Redaktion)