Jaguar und Porsche: Auf wen wettet die Börse?


Man könnte meinen, Porsche und Jaguar hätten ihre beiden Termine abgesprochen. Beide Sportwagenhersteller präsentierten in dieser Woche ihre Pläne für die Zukunft näher, und fast mutet es so an, als wollten sich die beiden mit ihren gegenläufigen Strategien herausfordern.

Porsche setzt trotz des bisher noch für 2035 angepeilten faktischen Neuzulassungsverbotes in der Europäischen Union von Autos mit Verbrennungsmotoren auf die Antriebstechnik, hieß es Dienstag und Mittwoch wieder auf einem Kapitalmarkttag des Unternehmens. Verbrenner sollen auch nach 2030 noch zwei Drittel des Absatzes von Porsche ausmachen. Im vergangenen Jahr waren es noch 78 Prozent.

Damit verbunden ist eine Neujustierung des Margenziels von 20 herunter auf zehn bis 15 Prozent, die Rückorientierung zum Westen als größerem Absatzmarkt im Vergleich zu China und eine Bekräftigung des Sparprogramms, im Zuge dessen bis 2035 rund 9000 Stellen abgebaut werden sollen. Am Mittwochmorgen griffen Anleger zunächst nach Porsche-Aktien und schickten deren Kurs um fünf Prozent in die Höhe. Im Tagesverlauf fiel der Kurs aber wieder unter die Nulllinie und notierte bei etwas mehr als 42 Euro. Seit Anfang des Jahres liegt der Kurs rund sieben Prozent im Minus.

Jaguar wagt den radikalen Gegenentwurf

In New York stellte derweil der britische Sportwagenhersteller Jaguar mit dem elektrischen Type 01 sein erstes neues Modell nach acht Jahren der Öffentlichkeit vor. Schon 2021 hatte das Mutterunternehmen Jaguar Land Rover (JLR) beschlossen, die Jaguar-Modellpalette vollständig zu elektrifizieren. Nach Jahren mit Verlusten hatte sich die Marke Jaguar 2024 eine Auszeit verordnet und beendete die Produktion seiner Verbrennermodelle. Der Fokus des Gesamtunternehmens lag seither auf den Geländewagen von Land Rover.

Im Herbst 2024 ließ Jaguar mit einem Werbespot ahnen, wie grundlegend der Bruch mit der Vergangenheit sein sollte: Der Imagefilm zeigte kein Auto, sondern androgyn anmutende Models, die grelle Farben in eine karge Umgebung brachten. Das Motto des Spots lautete „copy nothing“ („kopiere nichts“).

Die Werbekampagne sowie die Vorstellung des damals in Pink gehaltenen Konzeptautos Type 00 trafen auf gemischte bis stark negative Reaktionen. Kritiker befürchteten, mit dem Stilbruch die angestammte Kundschaft von Jaguar zu vergraulen, die man als eher konservativ und gesetzt beschreiben könnte.

Wetten auf verschiedene Strategien möglich

Der Type 01 kommt nun nicht mehr in Pink, sondern Silbergrau daher. Der erste Werbespot mutet mit seinem Fokus auf dem Auto und dessen Pferdestärken eher traditionell an. Was bleibt, ist aber die vollständige Ausrichtung der Marke auf den Elektromotor. Andere Sportwagenhersteller versuchen den Spagat: Ferrari stellte mit dem Luce zwar kürzlich ebenso einen vollelektrischen Sportwagen vor, allerdings mit traditioneller Designsprache. Zudem bleiben Modelle mit Verbrenner in Produktion und Entwicklung. Jaguar setzt dagegen alles auf eine Karte.

Anleger können sich nun entscheiden, wessen Wette sie mitgehen möchten.  Im Gegensatz zu Porsche oder Ferrari ist dies im Falle von Jaguar allerdings nur mittelbar möglich. Die Marke gehört über JLR dem indischen Automobilkonzern Tata Motors Passenger Vehicles (Tata Cars). Dieser ist zwar börsennotiert. Von den etwa 75 Prozent des Umsatzes, die JLR für den Gesamtkonzern bedeutet, dürfte im Moment alles auf Land Rover entfallen. Der Verkaufsstart des Type 01 erfolgt erst im Jahr 2027. Erst danach wird man sehen, ob sich die neue Strategie im Konzernergebnis bemerkbar macht. Seit Jahresanfang sind die Aktien von Tata Cars um 22 Prozent im Kurs gefallen.

Gretchenfrage um die Zukunft der Antriebe noch nicht geklärt

Wie ein Blick auf das weitere Feld der Aktien von Autoherstellern zeigt, befinden sich viele von ihnen derzeit auf Richtungssuche. Schwindender Absatz, wachsende Konkurrenz aus China und hohe Kosten belasten vor allem die europäischen Hersteller und führen zu allseits schwächelnden Kursen.

Hinzu kommt, dass nicht einmal die Gretchenfrage nach der Antriebsart abschließend geklärt zu sein scheint: Am Dienstag verdichteten sich die Anzeichen dafür, dass Deutschland und Frankreich über ein Aufweichen des Verbrennerverbots verhandeln. Und während in China der Elektroantrieb weiter auf dem Vormarsch zu sein scheint, räumten die USA im vergangenen Frühjahr die bundesweite Grundlage für Emissionsziele von Fahrzeugflotten wieder vom Tisch. Die Unsicherheit darüber, welcher Autohersteller mit seiner Strategie richtig fährt, wird noch länger bestehen bleiben.