„Je schwächer er wird, desto gefährlicher wird er“: Ein Experte erklärt die große Gefahr für die USA
„Je schwächer er wird, desto gefährlicher wird er“: Trumps Macht schwindet vor den Midterms
Stand: 27.09.2026, 07:26 Uhr
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Donald Trump erlebt einen historischen Einbruch bei den Umfragen. Selbst frühere Verbündete gehen auf Distanz. Das könnte die Lage noch verschärfen.
Washington, DC – So schlecht stand Donald Trump noch nie da. Seine Zustimmungswerte sind auf ein historisches Tief gefallen, Gerichte bremsen ihn aus, selbst Republikaner distanzieren sich. Bewegt sich da also vor den Midterms im November etwas? Oder hat der US-Präsident die MAGA-Bewegung noch immer so fest im Griff wie eh und je?

Ein paar prominente Namen haben sich in den vergangenen Monaten bereits von Trump abgewandt. Genannt seien nur zwei Namen: Der Umgang mit den Epstein-Akten hat die frühere Abgeordnete Marjorie Taylor-Greene so aufgebracht, dass sie von einer glühenden Bewunderin zu einer vehementen Gegnerin geworden ist. Und Tucker Carlson, der jahrelang für Trump die Werbetrommel gerührt hat, ist der Iran-Krieg sauer aufgestoßen. Seine Kritik am US-Präsidenten reißt seitdem nicht mehr ab; inzwischen fordert Carlson gar die Amtsenthebung von Trump.
Rekord-Ablehnung von Trump: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Auch sonst steht Trump inzwischen eher einsam da. Die Umfragen zu seinen Zustimmungswerten fallen geradezu verheerend aus: 50 Prozent der Menschen in den USA lehnen Trumps Arbeit als US-Präsident mittlerweile entschieden ab. Das ist ein historischer Rekord. Damit übertrifft er sogar seinen eigenen Negativwert von 45 Prozent, den er vor den Midterms 2018 aufgestellt hatte. CNN-Chefanalyst Harry Enten fasste es laut Independent so zusammen: „Sie mögen ihn nicht nur nicht. Vielmehr schlägt dem US-Präsidenten im Vorfeld der Zwischenwahlen ein beispielloser Hass entgegen.“
Normalerweise konnte Trump starke Ablehnung mit starker Zustimmung ausgleichen. Das funktioniert dieses Mal nicht mehr. In manchen Einzelumfragen liegt seine Gesamtzustimmung bei nur 29 Prozent. Verantwortlich dafür sind anhaltende Inflation, steigende Energiepreise und der zunehmend unpopuläre Iran-Krieg. Und bei den Midterms im November droht Trumps Republikanern laut aktuellen Umfragen ein regelrechtes Desaster.
Gerichte, Kongress, eigene Partei: Trump verliert vor den Midterms auf allen Fronten
Ein zweiter Punkt macht Trump zu schaffen: Die Bundesgerichte bremsen seine Agenda aus. Der Supreme Court blockierte den Versuch der Regierung, neue Einschränkungen für die Briefwahl einzuführen. Ein Bundesgericht verhinderte, dass Trump seinen Namen am Kennedy Center anbringen lässt. Ein weiteres Gericht hob das Hausverbot für CNN, MS Now und Politico vom Gelände des Weißen Hauses auf. Trump hatte die drei Medien am 18. September verbannt.
Auch die Notenbank widersetzte sich dem Präsidenten in der Zinspolitik. Und selbst in der eigenen Partei bröckelt die Loyalität. In Florida strich der republikanische Gouverneurskandidat Byron Donalds die meisten Verweise auf Trump von seiner Wahlkampf-Website. Und die Kongressabgeordnete María Elvira Salazar schaltete Wahlkampfanzeigen, in denen sie erklärte, die Einwanderungsbehörden seien „zu weit gegangen“.
Historische Einordnung vor den Midterms: Trump leidet unter dem „Fluch der zweiten Amtszeit“
Der republikanische Stratege Rick Wilson vom Lincoln Project sieht darin ein Zeichen des Verfalls. „Das ist der Anfang vom Ende. Das ist der Niedergang“, sagte Wilson dem Guardian. Er betonte, dass Trumps politische Magie ihre Wirkung verloren habe. „Die Menschen haben das jetzt sehr wohl zusammengefügt. Sie verbinden den Krieg mit Trump; sie verbinden die Benzinpreise mit Trump; sie verbinden die Lebensmittelpreise mit Trump.“
Fachleute sehen Trump in einer langen Reihe von Präsidenten, die in ihrer zweiten Amtszeit scheiterten. Allan Lichtman, Geschichtsprofessor an der American University in Washington, sprach im Guardian vom „Fluch der zweiten Amtszeit“. Er erinnerte an Richard Nixons Watergate-Affäre, Bill Clintons Amtsenthebungsverfahren und George W. Bushs Irak-Krieg. Bill Galston von der Brookings Institution warnte vor einer weiteren Gefahr für Trump: der Verschiebung des politischen Fokus auf die US-Wahl 2028. „Nichts wird ihn mehr in den Wahnsinn treiben als die Verlagerung des Scheinwerfers weg von ihm“, sagte Galston.
Der konservative Autor Charlie Sykes fasste die Lage im Guardian prägnant zusammen: „Donald Trump fürchtet die Bedeutungslosigkeit mehr als alles andere und wird so lange dagegen antoben, wie er kann. Die Vorstellung, dass er still abtreten wird, wäre unglaublich naiv.“ Sykes sieht einen Kollisionskurs voraus: „Wir steuern auf eine Kollision zwischen einer lahmen Ente, die keine Achtung vor den Verfassungsnormen hat, und einer Opposition zu, die möglicherweise die Macht hat, ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Das Paradoxon ist: Je schwächer er wird, desto gefährlicher wird er.“ (Quellen: Guardian, Independent, Umfragen) (cs)