Johns-Hopkins-Forscherin nach ICE-Festnahme am Flughafen und Haft in drei Staaten wieder frei
Stand: 03.08.2026, 14:00 Uhr

Die Johns-Hopkins-Forscherin Fatima Ameaka wurde am Flughafen von der ICE festgenommen – jetzt ist sie frei. Doch ihr Fall zeigt, wie weit Trumps Abschiebemaschinerie reicht. Eine Analyse.
Washington, D.C. – Nachdem Einwanderungsbehörden die Johns-Hopkins-Forscherin für öffentliche Gesundheit Fatima Ameaka am Dienstag festnahmen, als sie einen Inlandsflug bestieg, erklärte das Heimatschutzministerium, sie habe ihr Visum „unter Verstoß gegen die Gesetze unseres Landes“ überzogen.
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Ameakas Anwalt Benjamin Osorio sagte, diese Behauptung sei „nicht wahr“, und verwies auf Einwanderungsdokumente, die nach seinen Angaben den Fall seiner Mandantin untermauern.
Festnahme auf Inlandsflug
Ameaka – eine gebürtige Kamerunerin, deren Hopkins-Kollegen ihre Arbeit zur Förderung der öffentlichen Gesundheit gelobt haben – wurde vom Baltimore-Washington International Marshall Airport in ICE-Einrichtungen in Virginia, Louisiana und Texas gebracht, bevor sie am späten Freitag freigelassen wurde.
Ihr Fall zeigt, wie die Trump-Regierung begonnen hat, Inlandsflüge und angebliche Visaverstöße ausländischer Staatsangehöriger zu nutzen, um Abschiebungen im ganzen Land auszuweiten.
Beamte des Heimatschutzministeriums sagen, ihr Ziel sei es, „sicherzustellen, dass Ausländer, die sich illegal in unserem Land aufhalten, nicht mehr fliegen können, es sei denn, sie verlassen unser Land zur Selbstabschiebung“. Einige Einwanderer und ihre Anwälte sagten, die Maßnahme zeige bereits Wirkung und schrecke Menschen vom Fliegen ab; einige Anwälte warnten ihre Mandanten davor, das Risiko einzugehen.
Ameaka, 31, reiste im Juni 2023 legal mit einem Fulbright-Stipendium in die USA ein, um einen Master in Public Health zu absolvieren. Ihr Fulbright-Stipendium endete im Juni 2024, und im September desselben Jahres stellte die Universität sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin ein, wie aus ihrem LinkedIn-Profil und Interviews mit ihren Kollegen hervorgeht.
Streit über Visastatus
Tom Inglesby, Direktor des Johns Hopkins Center for Health Security, wo Ameaka beschäftigt war, sagte, sie sei für einen „Fulbright-Abschluss“ in die USA gekommen und „dann mit einem Visum geblieben, um in unserem Zentrum zu arbeiten“. Eine Kopie einer Arbeitserlaubnis, die ihr Anwalt bereitstellte, zeigt, dass diese im Dezember 2029 ausläuft.
Eine vom Heimatschutzministerium im Zusammenhang mit Ameakas Festnahme eingereichte Haftmitteilung enthält unzutreffende Informationen, die nach Angaben von Osorio den eigenen Unterlagen der Regierung widersprechen.
In der Mitteilung hieß es, Ameaka sei als „nicht eingewanderte Besatzungsangehörige (See oder Luft)“ mit der Erlaubnis in die USA aufgenommen worden, sich vorübergehend in den Vereinigten Staaten aufzuhalten, und sie sei über den 14. Juni 2024 hinaus „ohne Genehmigung“ der Bundesbehörden im Land geblieben.
Doch Unterlagen der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde zeigen, dass Ameaka mit einem J-1-Studentenvisum zugelassen wurde, wie ein von Osorio bereitgestellter Screenshot belegt.
Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme zu der Diskrepanz.
Osorio sagte, Ameaka habe nach ihrer Einreise mit dem Studentenvisum erfolgreich einen vorübergehenden Schutzstatus beantragt, den die Biden-Regierung wegen des bewaffneten Konflikts in Kamerun auf Kameruner ausgeweitet hatte. Später habe Ameaka Asyl beantragt, sagte Osorio.
Im August 2025 beendete die Trump-Regierung den vorübergehenden Schutzstatus für Menschen aus Kamerun mit der Begründung, er sei nicht länger notwendig oder im nationalen Interesse.
Unterstützung aus Johns Hopkins
Inglesby beschrieb Ameaka als „eine außerordentlich warmherzige, freundliche, großzügige Person“. Er sagte, sie sei eine talentierte Forscherin, die untersuche, wie Reaktionen des öffentlichen Gesundheitswesens auf epidemische Krankheiten verbessert werden könnten.
„Sie war eine herausragende Kollegin. Sie wird von all ihren Kollegen, ihrer Familie und ihren Freunden geliebt“, sagte Inglesby. „Wir machen uns alle große Sorgen um sie.“
In einer Erklärung am Freitag sagte Johns-Hopkins-Sprecher Doug Donovan, die Universität könne sich zwar nicht zu den Einzelheiten von Ameakas Situation äußern, arbeite aber aktiv daran, sie und ihre Verteidigung zu unterstützen.
„Die Universität versteht die Angst und Sorge, die dies bei Mitgliedern unserer Gemeinschaft auslöst“, sagte Donovan.
Ein von Ameakas Kollegen organisiertes GoFundMe sammelte rasch mehr als 40.000 Dollar, um die Anwaltskosten zu decken. The Baltimore Banner hatte zuvor berichtet, dass Ameaka festgenommen worden war.
Politische Kritik und laufender Fall
Senator Chris Van Hollen (Demokrat aus Maryland) kritisierte ihre Festnahme am Freitagabend in einem Beitrag in sozialen Medien.
„Fatima kam mit einem Fulbright-Stipendium in die USA und ist Forscherin bei Johns Hopkins. Sie hatte zuvor [vorübergehenden Schutzstatus] beantragt und hat derzeit ein laufendes Asylverfahren. Aber ICE hat sie festgenommen und arbeitet daran, sie abzuschieben. Sie ist nicht die ‚Schlimmste der Schlimmen‘, und ihre Abschiebung macht uns nicht sicherer. Wir müssen aufstehen und unsere Stimme erheben“, sagte Van Hollen in dem Beitrag.
Ameaka hinterließ in den Momenten nach ihrer Festnahme zwei Sprachnachrichten für ihr nahestehende Menschen. Familie und weitere Unterstützer hatten Sorge, dass sie in Gewahrsam keinen Zugang zu den Medikamenten haben würde, die sie wegen einer chronischen Erkrankung benötigt. Als sie am späten Freitag freigelassen wurde und auf dem Weg zu einem Hotel war, äußerten Freunde Erleichterung – auch wenn sie wegen des laufenden Falls weiterhin besorgt sind.
„Ich denke, die meisten Menschen würden zustimmen, dass wir wahrscheinlich keine Menschen festnehmen sollten, die sich rechtmäßig hier aufhalten, sich in einem rechtmäßig anhängigen Status befinden, keine Vorstrafen haben und produktive Mitglieder der Gesellschaft sind“, sagte Osorio.
Zum Autor:
Liam Bowman ist Praktikant im Metro-Ressort. Er erhielt einen Masterabschluss in Journalismus von der University of Maryland, wo er Reporting Fellow am Howard Center for Investigative Journalism war. Zuvor schrieb er für Lokalzeitungen in Virginia.
Dieser Artikel war zuerst am 2. August 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.