Norditalien kämpft gegen Hitze: Notrufe schnellen hoch – neue Kühl-Anlaufstellen kaum genutzt
Stand: 03.08.2026, 14:00 Uhr
Italien leidet seit Wochen unter enormer Hitze. Sogenannte „Cold Spots“ sind seit ein paar Wochen in Betrieb, doch werden kaum aufgesucht.
Die Rekordhitze dieser Tage überlastet die Krankenhäuser bislang nicht. Laut Monitoring des Gesundheitsassessorats bleiben die Einweisungen aus der Notaufnahme im Vergleich zum Vorjahr stabil: Rund 25.500 Aufnahmen verzeichnete die gesamte Lombardei im Juni gegenüber 25.600 im Vorjahr. Dennoch ließen Hitzespitzen die Notrufe unter der 118 hochschnellen. Am 28. Juni überschritten sie die Marke von 5.150, am Samstag, den 6. Juli, waren es 3.817.
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Dieser Artikel von Sara Bettoni entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.
Auch im Juli blieb die Nachfrage hoch mit über 3.800 täglichen Anrufen am 10., 12. und 18. Juli sowie ab dem 28. Juli. Wenige Zugänge verzeichnen dagegen die „Cold Spots“ – spezielle Anlaufstellen für Menschen mit leichten hitzebedingten Beschwerden. Seit dem 13. Juli wurden 56 dieser Zentren eröffnet, vor allem in den lokalen Gemeinschaftshäusern (Case di Comunità). Die sieben Mailänder Standorte befinden sich in der Via don Orione, der Via Farini, der Villa Marelli, der Via Baroni, der Via Gola, der Via Stromboli und im Pavillon Ponti des Policlinico.

Die Öffnungszeiten sind auf der Website ats-milano.it einsehbar. „Sie ermöglichen eine rasche klinische Beurteilung, auch mittels diagnostischer Erstuntersuchungen, und stellen eine Alternative zur Notaufnahme für weniger schwere Fälle dar“, erklärt die Region in einer Mitteilung. In den ersten zwei Wochen wurden jedoch nur rund 200 Patienten registriert – im Schnitt vier pro Einrichtung. Gemessen an der flächendeckenden Präsenz ist das wenig.
Hitze in Norditalien: Niedrige Nutzung der neuen „Cold Spots“
Fachleute vermuten, dass das neue Angebot in der Bevölkerung noch nicht ausreichend bekannt ist. Zudem ging der Dienst erst Mitte Juli an den Start – unmittelbar nachdem Gesundheitsassessor Guido Bertolaso die Klinikleitung wegen langer Wartezeiten gerügt hatte. Aus der Region heißt es, die Krankenhäuser bemühten sich parallel dazu, gefährdete Personen direkt zu kontaktieren.
Bislang wurden rund 33.000 Anrufe getätigt, die zu 2.372 Hausbesuchen und 19 Krankenhauseinweisungen führten. Bei den stationären Behandlungen zeigt sich: Trotz insgesamt kontrollierter Zahlen müssen immer mehr ältere Menschen im Krankenhaus verbleiben. Die hohen Temperaturen belasten geschwächte und chronisch kranke Patienten zusätzlich.
Ältere besonders betroffen, Kinder in geringerem Ausmaß
Die extreme Schwüle führt auch bei Kindern zu mehr Notaufnahmen, wenn auch in geringerem Maße. Laut Bertolaso bestätigen die Daten die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen: „Wir erleben einen außergewöhnlich langen und intensiven Sommer. Unser Gesundheitssystem reagiert nicht nur auf Notfälle, sondern beugt ihnen aktiv vor. Die Zahlen zeigen, dass diese Strategie aufgeht.“
In den heißesten Tagen stiegen die Notrufe bei der 118 stark an, ohne dass die Einweisungen aus den Notaufnahmen im Vergleich zum Vorjahr im gleichen Maße zunahmen. „Das bestätigt die Wirksamkeit unseres regionalen Versorgungsnetzes und der Prävention“, so Bertolaso.