Joschka Fischer mit düsterer Prognose: „Nato wird nicht bestehen bleiben“
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Der frühere Außenminister Joschka Fischer sieht die Nato am Ende. „Ich gehe nicht davon aus, dass die Nato überlebt“, sagte der Grünen-Politiker der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Die Nato als transatlantisches Sicherheitsbündnis wird nicht bestehen bleiben, fürchte ich. Aber die Nato als militärisches Bündnis für Europa, vielleicht mit Kanada, mit Großbritannien – das aufzugeben, wäre ein großer Fehler. Man muss auch defensive Kämpfe führen, mit aller Kraft, dann und wann“, so Fischer weiter. Joschka Fischer war von 1998 bis 2005 deutscher Außenminister und Vizekanzler.

Europa müsse Konsequenzen ziehen aus dem Vertrauensverlust, den die transatlantischen Beziehungen in der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump erlebt hätten: „Wenn Europa stärker wird, auch machtpolitisch stärker, militärisch stärker, dann wird ein anderes Verhältnis entstehen. Die Situation der Nachkriegszeit mit der Hyperdominanz der USA im Nato-Raum ist vorbei. Wir müssen in der Lage sein, uns selbst zu verteidigen.“
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Fischer über AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt: „Geht um unsere Identität“
Fischer äußerte sich auch zur politischen Entwicklung nach dem AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. „In Sachsen-Anhalt wird es jetzt vor allem um unsere Identität gehen“, sagte der Grünen-Politiker. „Bleiben wir ein europäisches, westorientiertes Land, eine offene Demokratie? Bleiben wir auf dem Pfad, der seit Adenauer gegolten hat für Westdeutschland und seit der deutschen Einheit für Gesamtdeutschland? Oder werden wir uns zurückwenden?“, fragte Fischer.
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Auf die Frage nach dem Ausgang sagte Fischer: „Das hängt davon ab, wie hart der Kampf um die Seele Deutschlands geführt wird. Ich bin jedenfalls nicht bereit, die Fahne einzurollen.“
Die Wahlerfolge der AfD nimmt Fischer persönlich. „Für mich ist die AfD mehr als eine politische Herausforderung“, sagte der ehemalige Vizekanzler weiter. „Das ist eine emotionale Herausforderung. Soll denn dieser ganze Müll, den ich die Ehre hatte zu durchlaufen in den 1950er-, 1960er-Jahren, soll denn dieses kalte, enge, rassistische, nationalistische Deutschland wiederkommen? Das wäre eine Katastrophe.“
dpa/afp/bee