Journalist Daniel Müksch über die Tennis-Weltstars: „Alle kochen nur mit Wasser“


Stand: 29.08.2026, 13:04 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Kommt nach Bad Hersfeld: Buchautor und Sportjournalist Daniel Müksch gibt einen Einblick in die Welt der Tennisstars.

Kommt nach Bad Hersfeld: Buchautor und Sportjournalist Daniel Müksch gibt einen Einblick in die Welt der Tennisstars. © Foto: privat

Journalist Daniel Müksch, aufgewachsen in Hauneck-Eitra, blickt hinter die Kulissen der Tennis-Weltstars.

Bad Hersfeld – Wo Fernsehkameras wegschwenken und Mikrofone ausgeschaltet werden, beginnt seine Recherche. Im Interview erklärt der Sportjournalist und Buchautor Daniel Müksch, wie er den Blick hinter die sonst so verschlossenen Kulissen der Tennis-Welt schafft.

Sie schreiben vielbeachtete Biografien über so unnahbare Superstars wie Alexander Zverev und Novak Djokovic. Ist es schwierig, das Vertrauen des Umfelds dieser Stars zu gewinnen?

Ja, schwierig und sehr zeitaufwendig. Ich muss immer wieder Absagen akzeptieren. Erst nach einigen Anfragen gelingt es, mit Personen aus dem Umfeld der Stars zu sprechen. Wenn die merken, dass man selbst aus dem Tennissport kommt und etwas davon versteht, dann ist das oft der Türöffner. Meine Bücher beleuchten dann aber das Positive wie das Negative eines Charakters. Wenn Stars gewisse Themen dann ausschließen, schreibe ich das Buch eben über sie, aber nicht mit ihnen. Ich habe gute Kontakte, die Gold wert sind. Für mein erstes Buch über Novak Djokovic habe ich Niki Pilić kontaktiert, in dessen Akademie der „Djoker“ als Jugendlicher war. Pilić kannte ich aus einigen Interviews und über seine Tochter, die damals meine Kollegin bei „Bunte“ war. Auch zu Patrick Kühnen habe ich einen guten Draht. Von ihm erfahre ich viele Anekdoten und Hintergründe zu den Profis.

Welchen Menschen Alexander Zverev haben Sie im Laufe Ihrer Arbeit mit oder über ihn kennengelernt?

Er war immer ein Getriebener, ein Riesenversprechen für den deutschen Tennissport – von seinem sechsten Lebensjahr an. So hat er immer das Gefühl gehabt, bestimmte Erwartungen erfüllen zu müssen – die von außen ebenso wie seine eigenen. Besonders mit dem Olympiasieg in Tokio hat er etwas Außergewöhnliches erreicht. Auch der French-Open-Titel 2026 hat sicherlich dazu geführt, dass er sportlich mit sich im Reinen ist. Mit den Erfolgen ist er ruhiger, gelassener, souveräner und für mich im persönlichen Kontakt sympathischer geworden.

Haben Talente wie Justin Engel, Diego Dedura-Palomero oder Max Schönhaus spielerisch und mental das Rüstzeug für die absolute Weltspitze?

Ehrlicherweise nein. Sie sind so alt wie der Spanier Rafael Jodar – aktuell in den Top 20 platziert –, aber von seinem Niveau weit entfernt. Da ist Max Rehberg weiter vorn, er ist aber nicht der Trainingsfleißigste. Jamie McKenzie hat ein starkes Mindset – der frisst eher den Schläger auf, bevor er den Punkt verliert. Justin Engel traue ich die Top 50 zu, aber für den Weg ganz nach vorn fehlt mir das Besondere in seinem Spiel. Aktuell sehe ich keinen jungen Spieler, der in die Fußstapfen eines Alexander Zverev treten könnte. Für die Talentförderung sind die Strukturen in Deutschland nicht perfekt. Gerade die Verzahnung von Schule und Leistungssport ist nicht optimal. Ich befürchte ein paar harte Jahre für das deutsche Tennis nach Alexander Zverev und Jan-Lennard Struff.

Müssen die Spitzenspieler exzentrische Einzelgänger sein, um es ganz nach oben zu schaffen?

Einzelgänger vielleicht, aber Exzentrik ist keine erforderliche Eigenschaft. Jannik Sinner würde ich nicht als exzentrisch beschreiben. Für erfolgreiche Spieler muss im Umfeld sehr viel zusammenpassen. Das Elternhaus spielt eine große Rolle für die Entwicklung eines Talents hin zu einem ambitionierten Junior und weiter zu einem Profi. Sinners Eltern haben sich nie ins Training eingemischt, sie haben den Trainern vertraut. So konnte sich Sinner optimal entwickeln.

Sie haben früher in Eitra Tennis gespielt und für Rotensee/Wippershain in der Fußball-Bezirksoberliga gekickt. Welche Tugenden aus der osthessischen Sportkabine helfen Ihnen heute im kühlen, glamourösen Medienzirkus der Weltstars?

Die Erkenntnis, dass alle – egal wo auf der Welt – nur mit Wasser kochen. Und dass man aus der Provinz kommend im Spitzensport absolut Fuß fassen kann. Ich habe während meiner Kindheit in Eitra erste Einblicke in die Welt der Profis gesammelt: Da ich mit Lovro Zovko, dem Sohn des damaligen Handballtrainers des TV Eitra, Željko Zovko, befreundet war und immer noch bin, durfte ich mit den Bundesligastars im Mannschaftsbus zu Auswärtsspielen mitfahren. Mit Lovro habe ich auf der Straße angefangen, Tennis zu spielen. Lovro hat später den Davis-Cup mit Kroatien gewonnen. Und angefangen hat es auf der Harthstraße in Eitra. Vom Fußball beim SV Rotensee/Wippershain ist mir vor allem der Teamgeist positiv in Erinnerung geblieben. Gemeinsame Aufstiege und Abschlussfahrten verbinden ein Leben lang. Das kann ein Einzelsport nicht bieten.

Millionen-Show oben, reiner Amateursport unten: Haben Profizirkus und Vereinsbasis überhaupt noch eine Schnittmenge? Geht die eigentliche Romantik des Tennis verloren?

Zumindest bei den Kindern nicht. Sie wollen einfach spielen, sich mit anderen messen, ihren Stars nacheifern und eigene Duftmarken hinterlassen. Mein ältester Sohn spielt in der Jugend beim FC Bayern und meine Tochter macht Leistungsturnen. Da kommt langsam schon viel von außen auf sie zu. Das ist nicht nur positiv. Und im Profisport kommen noch mal ganz andere Themen hinzu, mit denen man sich beschäftigen muss. Auch dafür braucht es ein gewisses Talent, solche Dinge zu managen. Dieses ganze Brimborium drumherum stellt die Spitzensportler auf eine harte Probe. Aber wäre die Leidenschaft für den Sport nicht letztlich tief im Herzen vorhanden, hätten sie keine Chance in der Weltspitze. Ich denke, die Romantik hat der Sport immer noch und wird sie hoffentlich auch nicht verlieren. Meine Kinder sollen jedenfalls immer Romantiker bleiben. (Mark Sleziona)

Zur Person

Daniel Müksch (45) ist in Hauneck-Eitra aufgewachsen. Er lebt heute mit seiner Familie in München. In seiner Jugend spielte er Tennis in Eitra und war als Fußballer für den SV Rotensee/Wippershain aktiv. Müksch arbeitete als Redakteur und Reporter unter anderem für das Magazin „Bunte“, den „Münchner Merkur“ und die „tz“. Heute ist er als freier Journalist, Podcaster und Buchautor tätig. Er verfasste Tennisbiografien über Tennisstars wie Novak Djokovic und Alexander Zverev. Er ist zudem Host und Autor des dokumentarischen Audio-Formats „Unser Boris“ über das Leben von Boris Becker.