Vom 500-Seelen-Dorf ins Dorf mit Straßenbahn: Kassel-Wolfsanger bekommt neue Pfarrerin


Stand: 29.08.2026, 13:04 Uhr

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Lydia Fellman, Pfarrerin ev. Kirchengemeinde Wolfsanger-Bossental

Hält am Sonntag ersten Gottesdienst in Kassel: Lydia Fellmann übernimmt am 30. August das Amt der Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Wolfsanger-Bossental. © Foto: privat

Sie wuchs in Sachsen auf und predigte zuletzt in Thüringen: Lydia Fellmann (35) startet am Sonntag, 30. August, als Pfarrerin der evangelischen Gemeinde Wolfsanger-Bossental.

In ihrem Heimatdorf, dem Örtchen Berthelsdorf im sächsischen Landkreis Görlitz, lebten gerade einmal „500 Seelen“, erzählt Lydia Fellmann. Es gebe dort „kaum Gläubige, aber zwei Kirchen“. Nach diversen Stationen, die die 35-Jährige nach Greifswald, Heidelberg, Göttingen und Prag führten, zieht es die Theologin wieder aufs Dorf: nach Kassel-Wolfsanger.

Dass der Stadtteil – obwohl er zu einer Großstadt mit 200.000 Einwohnern gehört – von den Menschen „das Dorf mit Straßenbahn“ genannt wird, dürfte zu den ersten Dingen gehören, die Fellmann in ihrem neuen Amt als Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Wolfsanger-Bossental erfährt. Am morgigen Sonntag, 30. August, hat sie dort ihren Einstand. Mit einem Festgottesdienst stellt sich die Geistliche um 10.30 Uhr ihrer Gemeinde vor.

Fellmann: „Freue mich auf Gespräche über Gott, die Welt und über den Gartenzaun“

Wer sie vorher kennenlernen möchte, hat dazu bereits an diesem Samstag, 29. August, Gelegenheit – ab 15.30 Uhr beim Gemeindefest an der Versöhnungskirche. Dort gibt es unter anderem einen Posaunenchor, Kinderspiele, einen Flohmarkt, einen Weinstand und eine Abendandacht.

Eine Figur mit einem Kreuz in einer Kirche (Themenfoto vom 28.06.2026). Betroffene von sexualisierter Gewalt erleben in der evangelischen Kirche noch immer eine raumgreifende Kirchenbuerokratie: Die neue Richtlinie fuer Leistungen zugunsten von Opfern von Missbrauch, die eigentlich seit Januar deutschlandweit gelten sollte, wird noch nicht ueberall angewendet, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienst (epd) ergab. (Siehe epd-Umfrage vom 22.08.2026)

Beim Glauben habe sie „mehr Fragen als Antworten“, sagt Theologin Fellmann. © Detlef Heese/epd

Wie verschlug es Fellmann nach Kassel? Und was hat sie in der Gemeinde vor? Kassel, sagt sie, sei ihr schon deshalb nahe, weil ihr Mann von hier komme. Mit ihm und den gemeinsamen zwei Söhnen lebte sie zuletzt in der Nähe von Bad Langensalza im Unstrut-Hainich-Kreis (Thüringen). Über ihre Erwartung sagt Fellmann: „Ich freue mich auf viele persönliche Begegnungen in Wolfsanger-Bossental, Gespräche über Gott, die Welt und über den Gartenzaun hinweg.“

Ihre Vorgängerin, Pfarrerin Insa Rohrschneider, war zum 1. Juni ins City-Pfarramt St. Martin gewechselt. Zusammen mit Christina Albert kümmert sich Fellmann nun um die Gemeinde im Kasseler Nordosten. „Teamarbeit macht mir große Freude, weil man dabei verschiedene Stärken nutzen und auch neu entdecken kann.“

Erst wollte sie Übersetzerin werden, dann entschied sie sich für evangelische Theologie

Ein weiterer Schwerpunkt stelle die Ökumene dar, so Fellmann. Als Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (WCC), dem weltweit größten Zusammenschluss christlicher Kirchen, hoffe sie, auch in Kassel verschiedene christliche Gemeinden und andere Religionsgemeinschaften kennenzulernen und deren Miteinander mitzugestalten.

Wie kam sie zur Kirche? „Ich hatte kein Erweckungserlebnis, sondern bin dort reingewachsen“, sagt Fellmann über ihre Kindheit im ländlichen Sachsen. Der Kirchenchor und ein Auslandsaufenthalt in den USA als 16-Jährige hätten sie stark geprägt. Nach dem Abitur habe sie erst Übersetzerin werden wollen, entschied sich dann aber für evangelische Theologie. „Anstatt Gedanken anderer bloß wiederzugeben, wollte ich mir selbst welche machen“, so Fellmann. Das passt zu Martin Luther, der auch aus Ostdeutschland kam und bekanntlich dazu aufrief, Autoritäten zu hinterfragen und die Bibel selbst zu lesen.

Was ebenso zu Luther passt, ist Fellmanns Antwort auf die Frage, was Glaube für sie ausmacht: „Ich habe mehr Fragen als Antworten.“