Reich mit der Geburt: Wie Deutschlands junge Milliardäre zu ihrem Vermögen kamen – und warum kaum jemand sie kennt


Jung, reich und dabei fast unsichtbar: Das sind Deutschlands jüngste Milliardäre

Stand: 02.08.2026, 06:12 Uhr

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Der jüngste ist erst 19: Das sind Deutschlands junge Milliardäre. Die meisten erbten ihr Vermögen von den Eltern. So bleibt Reichtum in wenigen Familien.

Hamburg – Ein 19-Jähriger, von dem es kein einziges öffentliches Foto gibt, führt eine der bemerkenswertesten Listen der Wirtschaftswelt an. Johannes von Baumbach ist laut Forbes mit einem geschätzten Vermögen von 6,4 Milliarden US-Dollar der jüngste Milliardär der Welt. Sein Reichtum stammt aus dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim, den seine Familie seit 1885 in vierter Generation führt. Und wer sich die gesamte Liste der jüngsten deutschen Milliardäre ansieht, erkennt schnell ein Muster, das weit über einen einzelnen Namen hinausgeht.

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Luxusjachten, Aktienpakete, Immobilienportfolios: Die jüngsten Milliardäre des Landes verdanken ihr Vermögen vor allem der eigenen Familie. © @amiancollectioncars

Wer sind Deutschlands jüngste Milliardäre

Denn wer glaubt, Johannes von Baumbach sei ein Einzelfall, irrt. Gleich drei seiner Geschwister tauchen ebenfalls auf der Liste auf, mit einem Vermögen in ähnlicher Höhe. Franz (24), Katharina (26) und Maximilian von Baumbach (27) profitieren von derselben Erbschaft wie ihr jüngster Bruder. Und nur Katharina ist dabei einen eigenen Weg gegangen und hat sich mit der Handtaschenmarke KB Bags zusätzlich unternehmerisch versucht. Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Kevin David Lehmann. Auch er wurde nicht reich, sondern reich gemacht. Sein Vater Günther Lehmann übertrug ihm bereits 2017 einen Anteil von 50 Prozent an der Drogeriemarktkette dm, als sein Sohn gerade einmal 14 Jahre alt war. Bis zu seiner Volljährigkeit verwaltete zunächst ein Treuhänder das Vermögen für ihn. Ähnlich verlief es bei Sophie Luise Fielmann, die 2023 nach dem Tod ihres Vaters Günther Fielmann eine Mehrheit am gleichnamigen Optikkonzern erbte. Ihr Bruder Marc hatte das operative Geschäft da längst übernommen, er führt das Unternehmen bereits seit 2019.

Nicht jeder auf der Liste wurde allerdings in ein Vermögen hineingeboren. Alexander Rinke ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Der Betriebswirt gründete 2011 zusammen mit zwei Kommilitonen an der TU München das Softwareunternehmen Celonis und zählt damit zu den wenigen Selfmade-Milliardären der Liste. Sein Weg unterscheidet sich deutlich von dem der übrigen Namen, verändert aber wenig am Gesamtbild. Denn die Mehrheit der jungen Milliardärinnen und Milliardäre wuchs schlicht in die richtige Familie hinein. Maximilian Viessmann etwa führt heute die Viessmann Generations Group, nachdem seine Familie das Klimageschäft des einstigen Heiztechnikunternehmens 2023 für rund zwölf Milliarden Euro an den US-Konzern Carrier Global verkauft hatte.

Franziska Wuerbser wiederum hält gemeinsam mit ihrer Mutter 63 Prozent am Küchengerätehersteller Rational, ohne dass ihr Name außerhalb von Fachkreisen bekannt wäre. Und auch Eva Maria Braun-Luedicke, die zwölf Prozent des Medizintechnikunternehmens B. Braun Melsungen besitzt und im Aufsichtsrat des Handballvereins MT Melsungen sitzt, dessen Hauptsponsor die Firma ist, bewegt sich lieber im Hintergrund als im Rampenlicht. Und genau diese Zurückhaltung ist es, die fast alle acht Personen eint. Kaum jemand gibt Interviews, kaum jemand zeigt sich öffentlich, was den Eindruck bestätigt, dass Reichtum in Deutschland zunehmend leise weitergegeben wird.

Wie groß das jährlich vererbte Vermögen in Deutschland ist

Von den 171 deutschen Dollar-Milliardären, die Forbes in seiner aktuellen Liste führt, stammen auffällig viele aus Unternehmerfamilien. Der Anteil der Superreichen, die ihr Vermögen geerbt haben, steigt auch in Deutschland. Das DIW hat festgestellt, dass Erbschaften vor allem Vermögende noch reicher machen. Die Hälfte aller Erbschaften und größeren Schenkungen geht demnach an die obersten zehn Prozent der Begünstigten.

Das Ausmaß dieser Vermögensübertragungen zwischen den Generationen lässt sich auch an bundesweiten Zahlen ablesen. Das DIW schätzt das gesamte Erbvolumen in Deutschland auf rund 400 Milliarden Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt erfasst nur jenen Teil, der tatsächlich steuerlich veranlagt wird. Im Jahr 2024 waren das 113,2 Milliarden Euro an Erbschaften und Schenkungen. Die Differenz zeigt, wie viel Vermögen an Kindern und Enkeln vorbeigeht, ohne dass der Staat davon erfährt, weil es unterhalb der großzügigen Freibeträge bleibt. Auf der Ebene der Milliardärinnen und Milliardäre wirkt sich das besonders stark aus, denn hier geht es nicht um einzelne Eigentumswohnungen oder Sparguthaben, sondern um ganze Unternehmensanteile, die in der Familie verbleiben und mit den Jahren weiter an Wert gewinnen.

Reiche erben reich: Was das für den eigenen Vermögensaufbau bedeutet

Für die allermeisten Menschen in Deutschland ist der Weg zu einer Milliarde naturgemäß versperrt, unabhängig davon, wie viel sie im Monat verdienen. Trotzdem lässt sich aus den Karrieren der jungen Milliardärinnen und Milliardäre eine Lehre ziehen, die auch für kleinere Vermögen gilt. Reichtum entsteht in Deutschland oft über Generationen und nicht allein über Arbeit und das Einkommen. Viele der jüngsten Milliardäre haben Unternehmensanteile geerbt und bauen bestehende Familienunternehmen weiter aus, statt bei null anzufangen.

Gleichzeitig zeigt die Liste, dass wer Vermögen besitzt, langfristig von Unternehmensbeteiligungen und Kapitalwachstum profitiert und nicht nur von Gehaltserhöhungen. Für Immobilieninvestoren ist das eine wichtige Erkenntnis. Wer Vermögen aufbauen möchte, braucht Assets, die langfristig im Wert steigen und laufende Erträge liefern, wobei Immobilien ein entscheidender Baustein sein können, wenn Finanzierung, Standort und Strategie stimmen. Wer Vermögen aufbauen will, sollte am Ende nicht nur mehr verdienen, sondern Kapital für sich arbeiten lassen. Genau diesen Vorsprung haben die jüngsten Milliardäre des Landes schon mit der Geburt erhalten. (Quellen: Forbes, DIW, Statistisches Bundesamt, Business Insider) (ls)

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