Käärijä-Konzert in Schweden: Ein skurriler Mix aus Techno, Metal und Elektro


Der finnische Rapper, Sänger und Songwriter Käärijä präsentiert eine Musik, die sich nicht zu ernst nimmt. So auch beim jüngsten Konzert in Schweden.

Der Sänger mit Mikrofon in einem Panzerartigen Anzug auf der Bühne - hinter ihm auf einem Podest die Band, davor prangt in grüner Neonschrift "Käärijä"
Der Sänger Käärijä mit Mikrofon in einem Panzerartigen Anzug auf der Bühne

Foto: Klaudia Lagozinski

Klaudia Lagozinski

Es ist ein verregneter Samstag in Schweden, ungefähr fünf Stunden nördlich von Stockholm. Zum eigentlichen Konzertbeginn prasselt Wasser in Strömen auf den Rasen, der immer matschiger wird, die meisten Gäste warten in einem Glashaus vor der amphietheaterartigen Bühne Schutz auf den Beginn des Käärija-Konzerts, das erst 30 Minuten später losgeht. „Wenigstens ein paar sind gekommen, wenigstens ist’s nicht leer“, sagt Käärija, als er mit einer schwarzen Lederjacke mit aufgeblähten Oberärmeln und nacktem Bauch auf die Bühne tritt – ein Stil, dem man von seinen Eurovision-Auftritten kennt.

Finnland ist für skurrile und einzigartige Beiträge zum ESC bekannt – man erinnere sich an die Metalband Lordi, die 2006 den Titel holte. Die Nummer zwei in Sachen ESC-Bekanntheitsgrad ist Käärijä, bürgerlich Jere Mikael Pöyhönen, der im Jahr 2023 auf dem zweiten Platz landete – mit „Cha Cha Cha“, einem tanzbaren Ohrwurm, den man gern mitgrölt, auch wenn man kein Finnisch kann, und der Techno, Metal und Elektro auf einzigartige Weise vereint. Hätte nur das Publikumsvoting beim ESC gezählt, wäre der 32-Jährige auf Platz eins gelandet.

An dem Augustsamstag 2026 steht der Finne in Mittelschweden auf einer Open-Air-Bühne, der „Naturscen Skuleberget“, direkt am Skuleskogen Nationalpark. Seit mehr als 40 Jahren finden hier Konzerte statt. Hinter der modernen Bühne, die größtenteils aus Holz besteht und schwarz angestrichen ist, ragt der knapp 300 Meter hohe namengebende Berg, der Skuleberget, in die Höhe. Reingepasst hätten hier mindestens zehnmal so viele Leute, doch die Stimmung ist unter den rund 200 Menschen, die da sind, trotz immer wieder einsetzendem Regen top.

Weitere Konzerte

Konzerte von Käärijä in Deutschland:

Oktober 2026: Berlin (Columbia Theater) sowie Hamburg (Uebel & Gefährlich)11. Oktober 2026: Köln (Die Kantine)3. November 2026: München (Technikum)4. November 2026: Hannover (Musikzentrum Hannover)

Die Menge ist gemischt, alle Altersgruppen sind vertreten. Eltern sind mit ihren Kindern da. „Sei fleißig in der Schule, sonst endest du hier“, sagt Käärijä zu einem Mädchen in einer der ersten Reihen. Jemand hält Käärijä einen Plüschrucksack hin, mit einem Mumin – einem Trollwesen aus Kinderbüchern, erfunden von der finnlandschwedischen Schriftstellerin Tove Jansson, das Käärija dankend annimmt und für die nächsten Songs auf dem Rücken behält.

Anders als viele andere ESC-Sternchen machte Käärijä weiter, nahm zuletzt zwei Songs mit dem 2024 beim ESC disqualifizieren Joost aus den Niederlanden und Tommy Cash („Espresso Macchiato“), ESC-Dritter aus Estland in Basel 2025, auf. Joost ludt Käärijä sogar zum Coachella Festival 2026 ein, um den neuen gemeinsamen Song „TRAFIK!“ zu performen.

Doch nicht nur mit ESC-Sternchen macht der Finne einzigartige Musik, die sich nicht zu ernst nimmt, sondern neulich auch mit dem schwedischen Millenniums-DJ-Star Basshunter – wer Anfang der 2000er jung war, erinnert sich an „Boten Anna“ und „Now You’re Gone“. Und nun gibt es einen neuen Song, Basshunter und eben Käärija „Ja Eller Nej“.

Im Technotrack hört man beide Stimmen klar heraus, den nostalgisch anmutenden Refrain auf Schwedisch von Basshunter und Rap von Käärijä auf Finnisch – und weil Basshunter an diesem Abend nicht vor Ort ist, aber eben viele Schweden, sucht Käärjä sich aus dem Publikum einen Fan, lädt die Teenagerin auf die Bühne ein, fragt sie, ob sie den schwedischen Text kann, und als sie nickt, sagt er: „Okay, dann bist du nun Basshunter.“ Dann klingt der Song an und die junge Frau singt auf Schwedisch die Strophen.

Weil so wenige da sind – vielleicht wegen des Regens, vielleicht weil hier meistens schwedische Acts auftreten –, fühlt sich das Konzert intim an. Der Künstler nimmt sich Zeit, geht auf die Gegebenheiten und seine Fans ein und schafft es, die Stimmung hochzuhalten, obwohl es die vielleicht vorerst kleinste Crowd ist, vor der Käärijä, der nun auf Tour geht, spielen wird.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion.

Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

ESC 2024

Wie finden wir Nemo?

Ausgezeichnet! Und das sehen auch die Jurys sowie das Publikum so. Nemo aus der Schweiz siegt mit „The Code“ beim 68. Eurovision Song Contest.

Von Jan Feddersen und Klaudia Lagozinski

Der Schweizer Künstler Nemo

Finale des Eurovision Song Contest

Wer gewinnt den 68. ESC in Malmö?

25 Acts, 1 Bühne, Millionen Zuschauer: Zeit für's ESC-Finale. Ein Ausblick auf irre und wirre Nummern, bekennende Bitches, fesche Fummel – und Politik.

Von Jan Feddersen

vier Tänzerinnen in rosa Outfit, die Sängerin trägt ein weisses Kostüm

Der 65. Eurovision Song Contest

Auf highesten Heels

Nach einem Jahr Coronapause haben es sechundzwanzig Acts in das Finale von Rotterdam geschafft. Aber wer gewinnt? Eine Prognose.

Von Jan Feddersen

Gruppe von Demonstranten vor der Helsinki Kathedrale hält Banner mit der Aufschrift 'Support Ukraine save peace in Europe' und ukrainischer Flagge

27. August – 5. September 2026

Finnland und Estland

mit Barbara Oertel, taz-Auslandsredakteurin

Mehr erfahren

0 Kommentare