Zu teure Mieten und zu wenig Wohnraum - Ist Enteignung großer Immobilienfirmen eine Lösung?


Schreckt die Enteignungsdebatte Investoren ab?

Eine der zentralen Fragen, die sich dann stellen: Wie würden die Immobilienkonzerne entschädigt? Zum Marktwert der Wohnungen, was zum Beispiel in Berlin den Haushalt sprengen würde, oder weit darunter? Das würde wohl wiederum zu einem Rechtsstreit führen und für jahrelange Unsicherheit sorgen. Das könne der Markt jetzt gar nicht gebrauchen, warnt MichaelVoigtländer. Er ist Immobilienökonom beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

Ein Mann steht im Eingang eines modernen Gebäudes
"Diese Unsicherheit - das könnte sich dann auch auf andere Standorte übertragen. Wenn so eine Diskussion dann anfängt, dass man sagt: Soll ich denn jetzt noch in Düsseldorf bauen oder in Köln bauen, wenn möglicherweise eine solche Enteignung droht." Michael Voigtländer, Immobilienökonom beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW weist auf ein anderes Problem bei einer möglichen Vergesellschaftung von Vonovia und Co hin: "Davon profitieren ja nur die Menschen, die in diesen Wohnungen leben. Was ist mit den 90 Prozent der Menschen, die in anderen Wohnungen leben, die dann eventuell sogar höhere Mietpreise haben? Also man muss das mitdenken."

IW-Ökonom Voigtländer sieht zudem noch eine weitergehende Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland: "Wenn wir anfangen, die Unternehmen zu enteignen, dann werden auch andere Investoren hinterfragen, lohnt sich noch eine Investition in Deutschland? Insofern ist das ein sehr gefährliches Instrument für den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt."

Fehlender Wohnraum belastet den Arbeitsmarkt

Allerdings drückt das Problem auch von der anderen Seite auf den Wirtschaftsstandort - in einigen Großstädten finden Unternehmen inzwischen kein qualifiziertes Personal mehr, weil das wiederum keinen bezahlbaren Wohnraum findet.

Voigtländer setzt darauf, dass Baukosten gesenkt werden. Zum Beispiel durch schnellere Genehmigungsverfahren oder industrielle Vorfertigungen, die das Bauen effizienter machen.