Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit: Wie Daniel Peters die CDU in MV retten will


Die Augusthitze zieht über den Platz, Kindern lachen und springen, im Hintergrund plätschert ein Springbrunnen. CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters steht zwischen Hüpfburg und Ständen, schüttelt Hände, kommt unter einem schattigen Baum mit Eltern und einem älteren Ehepaar ins Gespräch. Sein Sohn ist heute in Stralsund mit dabei. Und er hat seinem Vater auch prompt etwas zu berichten. Eines der Kinder habe ihm ins Gesicht gesagt, es sei kein Fan der CDU. Peters zuckt mit den Schultern. „Das gehört halt dazu. Das ist Demokratie." So läuft Wahlkampf 2026 für die Christdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern.

Einen zentralen Wahlkampfauftakt gibt es bei der CDU diesmal nicht. Der Startschuss fiel mit der Kampagnenpräsentation in Schwerin. „Und das war Absicht“, sagt Peters. Seitdem ist der Landesparteichef der Union viel unterwegs. Am Mittwoch war es Marlow, am Donnerstag der idyllische Knieperdamm in Stralsund, Freitag ist es die Insel Rügen. Mit Ende der letzten Sitzungswoche des Landtages im Juli hat er die parlamentarische Arbeit gegen Haustüren, Marktplätze und Unternehmensbesuche getauscht. Pi mal Daumen 30 Termine pro Woche. Nur der Sonntag bleibt frei – manchmal.

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Wahlkampf

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Die Stimmung? Verhalten - Die Haustüren? Besser

Die Ausgangslage ist bekannt. Eine aktuelle Insa-Umfrage für den Nordkurier sieht die AfD bei 36 Prozent, die SPD bei 29, die Linke bei elf, die CDU bei zehn. Die Grünen kämen mit fünf Prozent gerade so rein, BSW und FDP sind momentan draußen. Wer danach regiert, ist noch völlig offen. Eine Pattsituation deutet sich an. Politikwissenschaftler Jochen Müller von der Uni Greifswald sieht aber noch Bewegungspotenzial. Der Wahlkampf habe gerade erst begonnen, viele Wähler entschieden sich spät.

Noch läuft der Wahlkampf schleppend – parteiübergreifend, wie Peters einräumt. Viele Menschen haben den Wahltag schlicht noch nicht auf dem Schirm. Und das Wetter tut sein Übriges. Wer kann, ist am Strand oder im Urlaub.

Wenn Peters von seinen Haustürerfahrungen der letzten Tage erzählt, erklingt aber eine andere Geschichte. „Die Stimmung ist deutlich besser als das, was die Umfragen hergeben." Zuspruch, echte Gespräche, Menschen, die reden wollen. Für ihn ist das der Kern des Wahlkampfs. Und darauf setzen der CDU-Spitzenkandidat Peters und seine CDU-Stralsund-Unterstützer, darunter die Landtagsabgeordnete Ann Christin von Allwörden und Kommunalpolitiker Christian Rotkowsky.

Nicht jeder in Stralsund fand die CDU zum Anbeißen

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© Danilo Vitense

CDU in MV steht zu Merz - aber bitte etwas mehr Empathie

Und es kommt weitere Verstärkung. Kanzler Friedrich Merz wird Ende August in Kühlungsborn und Rostock an der Seite von Peters stehen, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst Anfang September, dazu Ministerpräsident Gordon Schnieder aus Rheinland-Pfalz und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Die Bundesebene schaut hin und hilft mit.

Ob es je eine ernsthafte Überlegung gab, den Wahlkampf ohne Merz zu führen? Peters schüttelt den Kopf. „Die eigenen Leute anzugreifen ist nicht meine Art." Im Fall Spahn habe er eine Ausnahme gemacht, weil Grenzen massiv überschritten wurden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Peters steht zu Merz. Er sagt das klar, ohne Umschweife. Merz habe Deutschland außenpolitisch gestärkt, die deutschen Interessen in der Welt gut vertreten. Und die Richtung stimmt. „Aber manchmal vermisse ich bei unserem Kanzler Empathie." Die Menschen wollen nicht nur Analyse. Sie wollen spüren, dass jemand versteht, was sie bewegt. Das sei eine Gratwanderung, aber eine notwendige.

Was brennt? Bürokratie.

Peters fragt, die Menschen antworten. Und immer wieder kommt dasselbe. Es ist die lähmende Bürokratie. So war es auch in Marlow bei einem Möbelunternehmer. Eine Ausschreibung, ein minimaler Formfehler, und der Mann soll rausfliegen. „Das versteht kein normaler Mensch“, sagt Peters dieser Zeitung. Das erzeuge Frustration, die sich immer mehr aufstaut, die irgendwohin muss. „Wer frustriert ist, wählt die Ränder.“

Für den Christdemokraten aus Rostock gibt es darauf nur eine Antwort. Alle Berichts- und Dokumentationspflichten, die das Land selbst verantworten kann, sollten erstmal ausgesetzt werden. Am Ende bleiben noch zehn Prozent übrig. Das müsse das Ziel sein, der Rest sei Doppelerhebung. Bundesbehörden, Landesämter, Berufsgenossenschaften und die Agentur für Arbeit erfassen alle dieselben Daten. Keiner redet mit dem anderen. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, ist Peters fest überzeugt.

Daniel Peters, CDU-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl, wird nicht müde zu betonen, dass weder mit der Linken noch mit der AfD etwas geht.

Daniel Peters, CDU-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl, wird nicht müde zu betonen, dass weder mit der Linken noch mit der AfD etwas geht.

© Jens Büttner/dpa

Rente, Minijobs und ein unerwarteter Konsens

Beim Thema Rente wird es komplizierter. Der CDU-Spitzenkandidat aus MV findet es „absolut kontraproduktiv“, wenn CDU-Ministerpräsidenten ins gleiche Horn blasen wie Schwesig. Aber er will es nicht weiter kommentieren. Nur so viel: Das Rentenpaket braucht Reformen, damit die Beiträge nicht ins Unermessliche steigen. Einen Punkt findet er ausdrücklich richtig: dass Politiker künftig in die Rentenkasse einzahlen. „Eine Frage der Gerechtigkeit. Keine Sonderstellung mehr.“

Offen bleibt für Peters die Frage der Minijobs. Ob die Beitragspflicht hier das richtige Signal ist – für Menschen, für die das ein Zuverdienst ist, kein Haupteinkommen –, das müsse man noch einmal ernsthaft diskutieren.

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TV-Duell: Schwesig stärkt die AfD

Klare Worte findet der CDU-Chef zum geplanten TV-Duell zwischen Schwesig und Holm, aus dem Peters und Die Linke ausgeschlossen sind. Sein Appell: Wer Demokratie ernst nimmt, lässt alle relevanten Kräfte zu Wort kommen, nicht nur zwei. „Das gaukelt den Leuten vor, es gäbe nur Option A und B, SPD und AfD.“

Und wenn die Initiative für dieses Format tatsächlich von Schwesig kommt? Das vermutet zumindest die CDU. „Dann ist das, was sie sagt, die AfD kleinhalten zu wollen, nicht mehr glaubwürdig. Sie gibt ihr einen wahnsinnig großen Raum. Das ist ihrer Kampagne geschuldet.“

Kampf gegen den Trend

Tatsächlich wird man bei der CDU nicht müde zu betonen, dass weder mit der Linken noch mit der AfD etwas geht. Auch wenn Peters die schwachen Umfragewerte als „Ansporn“ bezeichnet, glaubt kaum ein politischer Beobachter noch an eine Trendwende. Die Unzufriedenheit mit der Bundespolitik schlägt zu stark durch.

Peters freut sich natürlich, dass seine CDU laut jüngster Umfragewerte wieder zweistellig ist, bleibt aber nüchtern. Umfragen seien Momentaufnahmen. Was ihn trägt, ist die Überzeugung, dass sie die einzige Kraft der politischen Mitte sind. Schwesig wolle Rot-Rot fortsetzen, die AfD die Schulpflicht abschaffen. „Das braucht unser Land nicht", sagt er.

Politikwissenschaftler Müller sieht die CDU nach der Wahl dennoch unter Druck. Denn es muss die Frage beantwortet werden, wie unter schwierigen Mehrheitsverhältnissen überhaupt regiert werden kann. Aus CDU-Kreisen heißt es, man sei offen für eine Beteiligung an einer Minderheitsregierung. Rot-Schwarz-Grün, die sich je nach Abstimmung Mehrheiten im linken wie rechten Lager suchen müsste. In Thüringen und Brandenburg wird dieses Modell schon praktiziert. Einfach wird es in keinem Fall.

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