„Kann noch gar nichts bieten“: Gen Z erlebt im Job eine große Unsicherheit
Stand: 03.09.2026, 17:58 Uhr
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Viele junge Menschen wissen, dass Networking wichtig ist – trotzdem hält Angst vor Beurteilung viele davon ab, aktiv Kontakte zu knüpfen.
Frankfurt – 88 Prozent der Gen Z in Deutschland halten berufliches Networking für wichtig – mehr als jede andere Generation. 21 Prozent der Gen Z geben an, über ihr berufliches Netzwerk einen neuen Job gefunden zu haben – der höchste Wert aller Altersgruppen. Gleichzeitig gibt fast jeder Zweite aus dieser Altersgruppe an, sich beim Netzwerken unwohl zu fühlen, geht aus einer Linkedin-Umfrage unter 2.100 Menschen in Deutschland hervor. Über alle Generationen hinweg liegt dieser Anteil bei einem Fünftel.

Angst vor Beurteilung und mangelndes Selbstvertrauen halten 71 Prozent der Gen Z davon ab, Kontakte zu knüpfen – gegenüber 56 Prozent im Bevölkerungsdurchschnitt. Die Hemmungen haben konkrete Ursachen: 35 Prozent der Gen Z fürchten, von anderen verurteilt zu werden. 31 Prozent haben Angst, unauthentisch zu wirken. 30 Prozent sorgen sich, andere mit einer Kontaktaufnahme zu belästigen oder deren Zeit zu verschwenden. Die Hälfte der Gen Z weiß laut Linkedin-Umfrage zudem nicht, wie sie überhaupt mit dem Aufbau eines beruflichen Netzwerks beginnen soll.
Networking: Angst vor Beurteilung bremst die Generation Z aus
„Der Arbeitsmarkt verändert sich durch Dinge wie KI rasant und viele gewohnte Regeln gelten nicht mehr. In diesem Wandel ist das Netzwerken die eine große Konstante“, sagt Gaby Wasensteiner, Karriereexpertin bei LinkedIn. Die Gen Z sei extrem digital erfahren, weswegen sie auch verstehe, dass berufliches Netzwerken so wichtig sei. Doch große Teile der Generation seien noch relativ neu im Job, weshalb Unsicherheit entstehe. „Wer ins Berufsleben einsteigt, hat noch keine Routine und kennt die ungeschriebenen Gesetze des Networking nicht. Oft meldet sich hier das Impostor-Syndrom mit dem Gefühl: ‚Ich kann noch gar nichts bieten‘“, sagte sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
„Eine Herausforderung ist, dass die Gen Z Netzwerken oft falsch versteht“, sagt Wasensteiner. Sie betont, dass hinter aktivem Networking keine keine kurzfristigen Ziele stecken müssten. „Beim Netzwerken geht es nicht darum, eine Rolle zu spielen oder wahllos Kontakte zu sammeln. Es geht darum, sich ehrlich mit Menschen auszutauschen, von ihnen zu lernen und echte, langfristige Beziehungen aufzubauen. Dann entsteht von ganz alleine Authentizität.“
Linkedin-Expertin: „Der Aufbau von echten Beziehungen benötigt Zeit und Geduld“
Gutes Netzwerken besteht laut Karriere-Expertin aus drei Dingen: Erstens sei es ein „Geben und Nehmen“, also baue man sich nicht erst ein Netzwerk auf, wenn man etwas benötige. „Ich schreibe niemanden einfach nur an, nur weil ich etwas will. Ich kann vielleicht auch Hilfe anbieten“, sagt Wasensteiner der Frankfurter Rundschau. „Zweitens: Qualität steht über Quantität. es geht nicht darum, so viele Kontakte wie möglich zu sammeln, sondern die richtigen. Vernetze dich nicht nur nach „oben” (CEOs, Hiring Manager) sondern auch mit deinen Peers!“, sagt Wasensteiner. „Du weißt nie, wer wann wo sein wird!“ Drittens sei Networking ein Marathon und kein Sprint. „Der Aufbau von echten Beziehungen benötigt Zeit und Geduld. Man muss kontinuierlich dranbleiben.“
Wer nur passiv auf Linkedin scrollt, sammelt zwar Wissen, riskiert laut Wasensteiner aber auch, unsichtbar zu bleiben. „Nur durch Interaktion wird man sichtbar. Wenn ich nur mitlese, wird die Person nie meinen Namen erfahren. Hinterlasse ein Like oder kommentiere mit der eigenen Perspektive!“, rät sie. „Wir sind keine eindimensionalen Wesen, die sich nur für eine Branche oder ein Thema interessieren“, sagt die Linkedin-Expertin. Deswegen rät sie dazu, beim „Netzwerken die Scheuklappen abzusetzen. Vernetze dich nicht nur in deiner eigenen Bubble, sondern schaue auch nach außen“, sagt sie. Ihrer Meinung nach sei ein Potpourri aus etwa fünf verschiedenen Themengebieten eine gute Mischung. „Man weiß schließlich nie, welche Türen sich dadurch in ein paar Jahren öffnen.“ (Quellen: eigene Recherche, Linkedin)