Kakerlaken in der Wohnung: Warum Karton Schaben anlocken kann


Publiziert2. September 2026, 18:35

Ungebetene GästeKarton besser gleich entsorgen – sonst kann es eklig werden

Kartonschachteln können für gewisse Schädlinge zum Versteck oder sogar zur Nahrung werden. Auch die in der Schweiz verbreitete Deutsche Schabe fühlt sich darin wohl.

Meret Steiger

«Karton ist erstaunlich attraktiv für Kakerlaken», sagt Aaron Ashbrook, Entomologe an der Louisiana State University, zur «Huffpost». In seinen Schabenkolonien setze er Karton sogar bewusst als Unterschlupf ein. Die Tiere würden daran fressen und aus feuchtem Karton auch Wasser aufnehmen.

Wie gehst du mit Kartonschachteln in der Wohnung um?

Ich entsorge sie eigentlich immer sofort.

Ich habe Kartonschachteln nicht in der Wohnung, ich lagere sie bis zum Entsorgen im Keller.

Die stapeln sich, bis es keinen Platz mehr hat.

Ich habe eigentlich nie Kartonschachteln.

Aber das sind doch Amerikanische Schaben, die sind bei uns kein Problem, oder?

Im Artikel geht es zwar um die Amerikanische Schabe, die Essgewohnheiten der hier verbreiteten Deutschen Schabe sind aber ähnlich: Auch sie ist ein Allesfresser und könnte Karton anfressen. Kartonschachteln bergen aber noch ein anderes Risiko. Laut der Fachstelle Schädlingsprävention der Stadt Zürich werden Schaben häufig mit Waren und Materiallieferungen eingeschleppt.

Was ist der Unterschied zwischen der Deutschen und der Amerikanischen Schabe?

Deutsche Schabe: Die Blattella germanica wird etwa 1,5 Zentimeter lang und ist hellbraun. Typisch sind zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild. Sie besitzt zwar Flügel, kann aber nicht fliegen. In Mitteleuropa lebt sie vor allem in beheizten Gebäuden und versteckt sich gern in Küchen und Badezimmern. Neben der Deutschen Schabe kommt in Mitteleuropa auch die dunkle Orientalische Schabe vor. Sie bevorzugt aber eher feuchte Bereiche wie Keller, Kanalisationen oder Heizungsschächte.

So sieht die Deutsche Schabe aus. Du erkennst sie an den schwarzen Streifen.

So sieht die Deutsche Schabe aus. Du erkennst sie an den schwarzen Streifen.IMAGO/Depositphotos

Amerikanische Schabe: Die Periplaneta americana wird rund 3,5 bis 4 Zentimeter lang und ist damit mehr als doppelt so gross. Sie ist rotbraun und stammt ursprünglich aus wärmeren Regionen. In der Schweiz ist sie deutlich weniger verbreitet als in den USA. In der Schweiz überlebt sie ganzjährig nur in feuchtwarmen, beheizten Innenräumen und ist seltener als die Deutsche Schabe.

Die Amerikanische Schabe ist dunkler und grösser.

Die Amerikanische Schabe ist dunkler und grösser.IMAGO/Manngold

Beide Arten gelten als Hygieneschädlinge. Wichtig: Eine kleine Schabe, die tagsüber herumläuft oder ans Fenster fliegt, kann in der Schweiz auch eine harmlose Waldschabe sein. Der Deutschen Schabe fehlen diese Flugkünste, zudem trägt sie die charakteristischen zwei dunklen Streifen. Eine sichere Bestimmung ist anhand eines Fotos oder durch eine Fachstelle möglich.

Fressen Deutsche Schaben wirklich Karton?

Grundsätzlich ja. Das deutsche Umweltbundesamt schreibt, dass Schaben neben Essensresten auch Papier und Leder fressen. Das macht Schachteln aber nicht automatisch zu ihrem Lieblingsessen. Entscheidend ist vor allem die Struktur von Wellkarton: Seine schmalen Hohlräume bieten den Tieren geschützte Rückzugsorte. Auch in der Forschung wird Wellkarton deshalb als Unterschlupf verwendet.

Gibt es andere Insekten, die Karton mögen?

Ja, definitiv. Ein besonders grosser Kartonfan ist das Papierfischchen. Anders als Silberfischchen kommt es auch mit trockenen, beheizten Wohnungen klar und ernährt sich unter anderem von Papier, Karton und stärkehaltigen Klebstoffen.

Und auch Papierfischchen können mit Kartonschachteln eingeschleppt werden. Die Schädlingsbekämpfung Desinfecta schreibt dazu: «In der Schweiz werden Papierfischchen primär in Gebäude eingeschleppt, häufig über Verpackungsmaterial wie Kartonage.»

Was ist mit Silberfischchen und Spinnen?

Silberfischchen können ebenfalls Zellulose und Stärke verwerten, brauchen aber mehr Feuchtigkeit. Bücher- und Staubläuse können sich in feuchten Kartons verstecken und ernähren sich dort etwa von Schimmelpilzen und Klebstoffen. Spinnen hingegen fressen keinen Karton. Eine dunkle Schachtel kann ihnen höchstens als Unterschlupf dienen.

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Meret Steiger

Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.

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