Priens Kitagesetz: Bildungsministerin will Kitas stärken und senkt die Mittel


Karin Prien will Sprachstandsprüfungen bis fünf Jahre verpflichtend machen. Grüne und Linke kritisieren das ohnehin schon niedrige Budget.

Der Kopf von Karin Prien vor einer blauen Pressewand, sie wirkt unerfreut und blickt verdächtig nach rechts
Aus weniger mehr machen: Karin Priens Logik besticht durch ihr simples Denken

Foto: Carsten Koall/dpa

Gustav Cattapan

afp/taz | Der Bund will die Qualität in Kitas bundesweit stärker angleichen. Ein Hauptpunkt des Gesetzentwurfs von Bildungsministerin Karin Prien (CDU) ist eine verbindliche Entwicklungs- und Sprachstandsprüfung. Bei jedem Kind in einer Kita soll spätestens zum fünften Lebensjahr festgestellt werden, wie es sich sprachlich, motorisch und mathematisch entwickelt. Auch bei Kindern, die bis fünf keine Kita besuchen, soll der Sprach- und Entwicklungsstand untersucht werden.

Wird Förderbedarf festgestellt, soll es entsprechende Hilfeleistungen geben. 30 Minuten pro Woche werden für die Planung und Begleitung dieser Förderung vorgesehen. „Die Schere zwischen Kindern mit niedrigem und hohem sozio-ökonomischen Status öffnet sich schon vor dem Schuleintritt und kann danach kaum mehr geschlossen werden“, zitiert afp die Bildungsministerin.

Kitas, die besonders viele Kinder in schwierigen Lebenslagen betreuen, sollen zusätzlich unterstützt werden. Mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Bundesland sollen zusätzliche Er­zie­he­r*in­nen und So­zi­al­ar­bei­te­r*in­nen erhalten. Der Gesetzentwurf will den Übergang von der Kita in die Schule verbessern. Die Ergebnisse der Entwicklungsfeststellung sollen deshalb an die aufnehmende Grundschule übermittelt werden.

2027 soll Gesetz in Kraft treten

Finanziell sollen die Länder über eine veränderte Umsatzsteuerverteilung entlastet werden. Der Gesetzentwurf soll das bisherige Kita-Qualitäts- und Teilhabeverbesserungsgesetz 2027 ersetzen. Nach dem Gesetzentwurf will der Bund von 2027 bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro bereitstellen, wobei die Beiträge gestaffelt herausgegeben werden.

Ursprünglich hatte der Bund 2025 und 2026 jährlich zwei Milliarden Euro für die Qualitätsförderung an Kitas bereitgestellt. Dieser Beitrag würde im Gesetzesentwurf bis 2034 bei im Durchschnitt rund einer Milliarde Euro pro Jahr deutlich sinken. Anja Reinalter, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, kritisiert das Bildungsministerium dafür: „Die Bundesregierung spart damit an der frühkindlichen Bildung und halbiert die Bundesmittel.“ Kitas werden nicht nur aufgrund der sinkenden Geburtenrate schließen.

Linke und Grüne empört über Kürzungen

Auch die Linke ist empört über die Streichung der Mittel. „Bei den Kitas brennt die Hütte“, sagte Heidi Reichinnek. Der Betreuungsschlüssel sei jetzt schon schlecht, die Auflagen erschweren die Existenz der Kitas. Die SPD hingegen befürwortete den Gesetzentwurf des Bildungsministeriums: „Die Bundesregierung stellt die Weichen für mehr Bildungsgerechtigkeit und bessere Qualität in der Kindertagesbetreuung.“

Dass Bildungschancen in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängen, ist kein neues Problem. Der nationale Bildungsbericht 2026 zeigt, dass Unterschiede durch die Herkunft bereits im Kleinkindalter entstehen und sich über die weitere Bildungslaufbahn fortsetzen. Auch im internationalen Vergleich ist der Zusammenhang deutlich. Bei der letzten Pisa-Studie war der Leistungsabstand zwischen sozial privilegierten und benachteiligten Jugendlichen in Deutschland größer als im OECD-Durchschnitt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion.

Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

CDU und SPD in Rheinland-Pfalz einigen sich auf gemeinsame Koalition und Verhandlungsführer Gordon Schnieder (CDU) und Alexander Schweitzer (SPD) kommen zu einer Pressekonferenz

SPD und CDU koalieren in Rheinland-Pfalz

Kitapflicht kommt, Klimaschutzgesetz bleibt

Nach nur sechs Wochen steht in Rheinland-Pfalz fest: Es gibt eine große Koalition. Die Ministerien sind schon aufgeteilt – mit kleinen Überraschungen.

Von Jana Laborenz

Zerstörte Münsteraner Kita nach einem Unwetter im Jahr 2014.

Aus Klimaschutzprogramm gestrichen

Bundesregierung will Kitas und Pflegeheimen nicht helfen

Schwarz-Rot hat eine extra Förderung für Klimaschutz und Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen verworfen. Dabei räumt sie ein, wie wichtig das wäre.

Von Jonas Waack

Polizist:innen und Kinder bei einer Verkehrsschulung in einem Kindergarten

Sinkende Geburtenraten

Das Kitasterben hat begonnen

Immer weniger Kinder werden geboren – das bringt auch viele Kommunen in Bedrängnis. Sie müssen wie die Stadt Dresden nun Kitas schließen.

Von Ralf Pauli und David Muschenich

Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie "Was wäre, wenn wir mutig sind?" von Luisa Neubauer

taz FUTURZWEI im Abo entdecken

Endlich mal ein Magazin für Zukunft

taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht).

Jetzt abonnieren

0 Kommentare