Kein Joker nötig: Günther Jauch gewinnt Publikum auf Hohenhaus auch ohne Quizfragen


Stand: 29.09.2026, 19:44 Uhr

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Zwei Männer, zwei Mikrofone und viele gute Geschichten: Olaf Seibicke (links) entlockte Günther Jauch persönliche Einblicke, pointierte Anekdoten und manche selbstironische Bemerkung.

Zwei Männer, zwei Mikrofone und viele gute Geschichten: Olaf Seibicke (links) entlockte Günther Jauch persönliche Einblicke, pointierte Anekdoten und manche selbstironische Bemerkung. © Dr. Bernd Seydel

In der Reihe „Ein Abend mit“ hat Olaf Seibicke jetzt Günther Jauch auf Hohenhaus begrüßt. Gleichzeitig feierte die Hohenhäuser Festscheune mit 180 Gästen Premiere.

Holzhausen – Es gibt Abende, die beginnen mit einer fast leeren Autobatterie und enden mit einer voll besetzten Festscheune. Dazwischen liegen neun Kilometer Restreichweite, drei Prozent Akkustand, zwei Thüringer Bratwürste – und Günther Jauch. Wer am Freitag (25. September) einen Star seines Formats erwartete, der mit dunklem Tross, professioneller Entourage und sorgsam kuratiertem Auftritt anreist, der wurde in der Reihe „Ein Abend mit“ im Hotel Hohenhaus eines Besseren belehrt.

Hoteldirektor, Gastgeber und Moderator Olaf Seibicke hatte seinen prominenten Gast im elektrisch angetriebenen BMW persönlich in dessen Heimatstadt Potsdam abgeholt. Als das Hotel im Südringgau schließlich in Sichtweite rückte, waren nach Seibickes Schilderung noch drei Prozent Strom übrig. „Ich habe uns schon in Altefeld stehen sehen“, bekannte der Hoteldirektor unter großem Gelächter. So beginnt kein Abend über Perfektion – sondern einer über Menschen.

Und beinahe wäre die Geschichte noch komplizierter geworden. Denn am Ziel angekommen, stellte Günther Jauch fest, dass er sämtliche Hemden vergessen hatte. Der vermutlich bekannteste Quizmaster Deutschlands musste mit jenem Outfit vorliebnehmen, das er nach einer nervenaufreibenden Elektro-Autofahrt am Körper trug. Doch auch diese Situation meisterte der 70-Jährige mit jener Gelassenheit und Selbstironie, die ihn seit Jahrzehnten auszeichnet. Also trat er kurzerhand im „Schwitzehemd“ vor sein Publikum. Es störte niemanden.

180 Gäste bei Premiere in Festscheune dabei

Eine der ersten Geschichten handelte von einem Zwischenstopp auf der Autobahn. Bei einer Thüringer Bratwurst wurden Jauch und Seibicke von der Verkäuferin erkannt. „Ja, ja, der Herr Jauch. Dicker BMW und einen Chauffeur.“ Die Pointe saß. Günther Jauch lachte – und Olaf Seibicke glücklicherweise auch. Vor allem die vielen Gäste aus Thüringen hatten ihre Freude daran.

Die erstmals als Veranstaltungsort genutzte Hohenhäuser Festscheune präsentierte sich festlich illuminiert. 180 Gäste saßen an elegant eingedeckten Rundtischen, während ein Pianist den Abend dezent begleitete. Im Hintergrund vollbrachte das Team von Hohenhaus eine beachtliche Leistung: Rund 800 Teller wurden im Laufe des Freitagabends serviert. Bemerkenswert war dabei nicht nur die reine Zahl, sondern die professionelle Selbstverständlichkeit, mit der Service und Küche diesen Aufwand bewältigten.

Großer Applaus für die Gastgeber: Zum Abschluss des Abends holte Olaf Seibicke das Team von Hotel Hohenhaus auf die Bühne. Küche und Service meisterten die Veranstaltung mit einer beeindruckenden Teamleistung und servierten rund 800 Teller für die 180 Gäste in der ausverkauften Festscheune.

Großer Applaus für die Gastgeber: Küche und Service meisterten die Veranstaltung mit einer beeindruckenden Teamleistung und servierten rund 800 Teller für die 180 Gäste in der ausverkauften Festscheune. © Dr. Bernd Seydel

Günther Jauchs öffentliche Wirkung lebt von einer Eigenschaft, die im Medienbetrieb selten geworden ist: Er hält sich selbst nicht für die Hauptsache. Dabei hätte er allen Grund dazu: rund zwei Jahrzehnte „Stern TV“, fast 30 Jahre RTL-Jahresrückblick und seit 1999 das Gesicht von „Wer wird Millionär?“ – die Bilanz einer Fernsehkarriere, die längst Fernsehgeschichte ist. „So alt sind Sie doch noch gar nicht“, rief eine Besucherin dazwischen. Der Saal lachte. Jauch auch. Als Olaf Seibicke eine Umfrage erwähnte, die Günther Jauch einst zum intelligentesten Deutschen kürte, winkte er trocken ab. Damit könne er sich schwer anfreunden. „Gerhard Schröder war auf Platz zwei.“

Im Mittelpunkt stand neben dem Fernsehen seine zweite große Leidenschaft: der Wein. Günther Jauch betreibt das renommierte Weingut von Othegraven an der Saar und bezeichnet sich selbst augenzwinkernd als „Winzer in Ausbildung im dritten Lehrjahr“. Seine mehrfach ausgezeichneten Weine wurden an diesem Abend nicht nur ausgeschenkt: Sternekoch Alexander Mayer hatte ein fein abgestimmtes Vier-Gänge-Menü eigens auf die Rieslinge ausgerichtet.

Videobotschaften von Karl-Theodor zu Guttenberg, Christine Neubauer und Reiner Calmund

Auch kritischen Themen wich Jauch nicht aus. Den umstrittenen Werbevertrag mit der Shop-Apotheke verteidigte er ebenso offen wie seine Entscheidung, die Einnahmen daraus in Gänze zu spenden. Über seine Stiftung werde nahezu alles gefördert, scherzte er, „außer Hundesport und Modellflugzeugbau“. Unter anderem wurde damit die Arche Potsdam gegründet.

Im zweiten Teil des Abends wechselten die Rollen. Per Videobotschaft meldeten sich Karl-Theodor zu Guttenberg, Stefanie Hertel, Wolfgang Bosbach, Christine Neubauer, Johann Lafer und Reiner Calmund zu Wort. Sie grüßten nicht nur die Gäste, sondern stellten auch Fragen.

Günther Jauch hinterlässt den Eindruck eines Mannes, der seine öffentliche Rolle beherrscht, ohne sich mit ihr zu verwechseln. Einer, der seine Privatsphäre schützt, in Hotels lieber einfache Zimmer bucht und auf Sonderbehandlung verzichten könnte. Was ihm auf Hohenhaus, wie Olaf Seibicke einräumte, selbstverständlich nicht gelang. Millionär werden die wenigsten. Sympathisch bleiben nach jahrzehntelangem Ruhm noch viel weniger. Jauch gelingt beides nicht nur vor der Kamera – sondern offenbar auch im Schwitzehemd. (Emily Hartmann)