Debakel bei den Midterms?: Trumps Republikanern droht ein gravierendes Latino-Problem


Debakel bei den Midterms?Trumps Republikanern droht ein gravierendes Latino-Problem

29.09.2026, 19:47 Uhr

imageVon Lukas Märkle

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Latino-Wähler sind von Trumps Wirtschaftspolitik nicht überzeugt. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Die Lebenshaltungskosten sind das bei Wählern entscheidende Thema mit Blick auf die Zwischenwahlen. Aus der Latino-Community wird Trump aber auch wegen seiner Migrationspolitik kritisiert. Sollten diese Wähler sich wieder verstärkt den Demokraten zuwenden, könnte das erhebliche Folgen haben.

Ein republikanischer Wahlwerbespot, der sich direkt gegen Donald Trump richtet? Ein solches Manöver kurz vor den Midterms bringt viel Aufmerksamkeit. Das dürfte der Kongressabgeordneten María Elvira Salazar bewusst gewesen sein, die Mitte September ihre "Nachricht an Präsident Trump zur Migration" veröffentlichte. Es war eine deutliche Kritik an der politischen Linie des US-Präsidenten. Und die kam von einer Republikanerin, die bei den letzten beiden Kongresswahlen ihren Wahlkreis jeweils klar verteidigt hatte. Trump gewann dort 2024 ebenfalls deutlich.

"Genau jene Hispanics, die Ihnen 2024 zum Einzug ins Weiße Haus verholfen haben, fühlen sich heute betrogen", erklärte Salazar in dem vor dem Weißen Haus in Washington aufgenommenen Video. Die harte Einwanderungs- und Abschiebepolitik der Regierung sei zu weit gegangen, Trump sei schlecht beraten und seine Politik schade den Republikanern bei den Midterms, so die Republikanerin. Die Abgeordnete vertritt einen Wahlkreis, dessen Bevölkerung zu 74 Prozent aus Latinos besteht.

Und Salazar ist dabei kein Einzelfall. Unter den Republikanern geht die Furcht einer blauen Welle bei den anstehenden Midterms um. Etliche Kandidaten vermeiden die Nähe zum US-Präsidenten oder kritisieren seine Politik.

Den Republikanern hilft die Politik Trumps speziell unter wahlberechtigten Latinos bei den anstehenden Midterms nicht. Auch nur rund ein Viertel der befragten Latino-Wähler bewertet laut einer Umfrage der "New York Times" und des Siena-Instituts Trumps Arbeit auf dem Feld der Migration positiv.

Wirtschaft für viele Wähler am wichtigsten

Allerdings ist das Thema Umfragen zufolge nicht wahlentscheidend. Das Wählerinteresse dreht sich vielmehr um die Wirtschaftslage. Die wegen des Iran-Kriegs und der anhaltenden Inflation gestiegenen Lebenshaltungskosten treiben die Wähler in den Vereinigten Staaten um.

Noch 2024 gehörten die hohe Inflation und die Unzufriedenheit über Lebenshaltungskosten zu den wichtigsten Faktoren, die Trump nutzten - auch unter Latinos. Sein ökonomischer Populismus verhalf ihm zum Wahlsieg und zu einem für einen Republikaner überraschend erfolgreichen Abschneiden unter Latinos, die zuvor meist die Demokraten wählten ausbleibende Erfolge bei seiner Wirtschaftspolitik könnten seiner Partei nun einen hohen Preis abverlangen.

Denn von der wirtschaftlichen Kompetenz des US-Präsidenten ist die Latino-Wählerschaft inzwischen nicht mehr überzeugt. Nur acht Prozent sind zufrieden mit seinen Antworten auf die steigenden Kosten, heißt es in der "New York Times"/Siena-Befragung. Nur unter Schwarzen Wählern ist der Wert noch geringer. Seine Wirtschaftspolitik im Allgemeinen befürworten nur 18 Prozent der Latino-Wahlberechtigten.

Landesweit liegen die Republikaner in Umfragen unter Latinos deutlich hinter den Demokraten zurück. Im Umfragedurchschnitt liegen derzeit in der allgemeinen Frage nach der Wahlentscheidung bei den Kongresswahlen rund 35 Prozentpunkte zwischen den Parteien. Diese Zahlen lassen aufgrund des politischen Systems der Vereinigten Staaten jedoch keine Rückschlüsse auf die Entscheidungen in einzelnen Wahlkreisen zu.

In zwei Bundesstaaten drohen Verluste

Allerdings zeigt sich der Frust unter den Republikanern in zwei Bundesstaaten besonders. "In Texas und Florida verlieren die Republikaner bei vielen der hispanischen Wähler an Boden, bei denen sie 2024 noch große Fortschritte erzielt hatten", heißt es in einer Analyse des Cook Political Report. "Infolgedessen finden in den Wahlkreisen in Südtexas und Südflorida, in denen der hispanische Anteil hoch ist und die Trump mit einem zweistelligen Vorsprung gewählt hatten, nun äußerst enge Wahlkämpfe statt."

Selbst das von Trump ausgelöste Wahlkreis-Wettrüsten mit den Demokraten könnte den Republikanern schaden. Trump hatte seine Partei aufgefordert, mithilfe des sogenannten Gerrymanderings, landesweit mehr Wahlkreise zu schaffen, die wahrscheinlich von republikanischen Kandidaten gewonnen werden. In Texas hofft seine Partei so auf fünf zusätzliche Sitze durch die Maßnahme, in Florida könnten es bis zu vier werden.

Die neuen Wahlkreisgrenzen können jedoch einen Zielkonflikt erzeugen: Um zusätzliche republikanische Mandate zu schaffen, mussten Stimmen aus bislang sehr sicheren Bezirken auf weitere Wahlkreise verteilt werden. Es kann entsprechend weniger sichere Bezirke für Republikaner in Texas und Florida geben.

Sollte sich die politische Stimmung weiter gegen die Trump-Partei drehen, könnten es in diesen neu zugeschnittenen Wahlkreise schneller knapp werden als von der Partei kalkuliert. Aus republikanischer Sicht könnte so der eigentliche eingeplante Zugewinn an Sitzen für das Repräsentantenhaus ausbleiben. Eine Mehrheit in der Kongresskammer nach den Midterms würde in noch weitere Ferne rücken.

Quelle: ntv.de