Kein Rennen, keine Grätschen, viel Spaß: die Gehfußballer in Großenhain
Freizeit
Kein Abpfiff mit 85: Gehfußballer in Großernhain am Ball für Gesundheit und Gemeinschaft
Stand: 06.09.2026 08:00 Uhr
Sie sind zwischen 65 und fast 85 Jahre alt, doch mit Sport aufhören wollen die Großenhainer Fußballer noch lange nicht. Ein Besuch bei einer Mannschaft, die zeigt: Fußball kennt kein Alter.
von MDR SACHSEN
Montagvormittag im Stadion der Freundschaft in Großenhain: Auf dem Rasen wird gepasst, geschossen und um jeden Ball gekämpft. Allerdings etwas anders als im klassischen Fußball und im Gehen. Am Spielfeldrand wacht Eckehart Horn über das Geschehen. Der 82-Jährige ist Vizepräsident des Vereins und gilt als Initiator der Mannschaft, die er vor fünf Jahren ins Leben gegründet hat. Der ehemalige Hausarzt pfeift heute als Schiedsrichter. Und ere wirbt zugleich für mehr Bewegung im Alter.
Video: Mit 85 noch am Ball: Großenhainer Gehfußballer trotzen dem Alter (2 Min)
"Runter vom Sofa, rauf auf den Platz"
Seine Botschaft sei seit jeher dieselbe, sagt Horn: "Geht und macht was! Fahrt Fahrrad und runter vom Sofa. Nicht bloß vorm Fernsehen sitzen." Wer einmal Gefallen am Gehfußball gefunden habe, komme meist immer wieder. "Die finden das schön und sind dann regelmäßig da."
Eckehart Horn hat den Gehfussball-Verein initiiert.
Aufhören ist keine Option
Die Regeln sind klar: kein Laufen, möglichst kein Körperkontakt, und der Ball darf nur etwa einen Meter hoch gespielt werden. Mehr als 20 Männer gehören inzwischen zur Gruppe. Der Älteste unter ihnen ist Siegfried Schoppa, mit fast 85 Jahren.
Siegfried Schoppa
Wenn ich mich jetzt hinsetzen und nichts mehr machen würde, dann wäre mein körperlicher Zustand bestimmt ein anderer. Siegfried Schoppa ist auch mit fast 85 noch voll dabei beim Fussball.
An diesem Tag muss Schoppa allerdings zuschauen. Probleme mit der Achillessehne zwingen ihn zur Pause. Dennoch verfolgt er jede Aktion aufmerksam. "Die Bewegung brauche ich einfach", sagt er. "Wenn ich mich jetzt hinsetzen und nichts mehr machen würde, dann wäre mein körperlicher Zustand bestimmt ein anderer." Ganz ruhig bleiben kann er am Spielfeldrand trotzdem nicht. "Der Fuß krabbelt schon ein bisschen mit", sagt er. "Aber das muss erst auskurieren, und dann geht es weiter."
Fussball ist mehr als Sport
Einer, der erst seit dem Eintritt in die Rente wieder regelmäßig gegen den Ball tritt, ist Ulf Hoffmann. Ein früherer Freund brachte ihn zur Mannschaft, inzwischen gehört er sogar dem Mannschaftsrat an. Wichtig sei ihm auch der soziale Aspekt. "Hier finden manche auch Gemeinschaft", sagt Hoffmann. "Wenn zum Beispiel die Frau schon gestorben ist, dann braucht man vielleicht wieder ein Team, mit dem man zusammen ist und etwas unternimmt. Das finde ich prima."
Und obwohl beim Gehfußball alles etwas langsamer abläuft, bleibt der sportliche Ehrgeiz erhalten. "Es gibt auch Zeiten, wo hier die Fetzen fliegen", berichtet Hoffmann. "Aber das ist normal. Danach findet man wieder zusammen."
Die "dritte Halbzeit" ist wesentlicher Bestandteil auch beim Gehfussball.
Wer eine Pause braucht, verlässt kurz das Feld. An diesem Tag muss ein Spieler wegen Herzproblemen zwischenzeitlich aussetzen. Nach rund anderthalb Stunden ertönt schließlich der Schlusspfiff.
Doch der eigentliche Ausklang folgt erst danach. Die Großenhainer Gehfußballer treffen sich regelmäßig noch auf ein Getränk und ein Gespräch. Sie nennen das die "dritte Halbzeit". Schluss mit dem Fussball ist noch lange nicht. In einer Woche sind sie wieder da.
MDR (lus/kbe)