Erster E-Reisecar aus China: Eurobus setzt auf Yutong
Publiziert2. September 2026, 07:41
Interview«Keine Temu-Ware»: Eurobus fährt mit erstem E-Reisecar aus China
Eurobus nimmt einen vollelektrischen Reisebus der China-Marke Yutong in die Flotte auf. Der Unternehmer Thomas Knecht spricht im Interview über die Gründe für die Wahl.

Darum gehts
- Eurobus aus Windisch AG hat den ersten vollelektrischen Reisecar der Schweiz in Betrieb genommen – ein Modell des chinesischen Herstellers Yutong.
- Unternehmer Thomas Knecht sagt im Interview, europäische Hersteller seien noch nicht so weit bei Elektro-Reisebussen wie Yutong.
- Busse von Yutong seien bereits bei Verkehrsbetrieben in Dänemark, Frankreich, Italien und weiteren Ländern im Einsatz.
Chinesische Autohersteller sind auf der Überholspur. BYD hat Tesla bei den Auslieferungen in die Schweiz in diesem Sommer bereits überholt. Doch nicht nur Autos aus China, auch Busse werden häufiger auf den Strassen zu sehen sein. Die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) wollen in Zukunft neben Daimler auch auf Elektrobusse der China-Marke Yutong setzen.
Während die VBZ die Wahl mit technischen Mängeln bei den Modellen von MAN und Hess in ihrer Flotte begründet, teilen Leserinnen und Leser von 20 Minuten in Kommentaren zum Artikel ihre Sorge über die Qualität der China-Busse. Ausserdem sorgte das Unternehmen schon für Schlagzeilen, weil die norwegischen Verkehrsbetriebe bemerkten, dass die Busse aus der Ferne funktionsuntauglich gemacht werden können.
Einen Schritt weiter als die VBZ ist Eurobus. Der über hundertjährige Busreisen-Anbieter aus Windisch AG nahm vergangene Woche seinen ersten Car von Yutong in die Flotte auf, den laut eigenen Angaben ersten vollelektrischen Reisebus der Schweiz.
Eurobus gehört zur Knecht Gruppe. Im Interview mit 20 Minuten sagt Thomas Knecht, der Verwaltungsratspräsident und Mehrheitsaktionär des Familienunternehmens, warum er sich für Elektrobusse von Yutong entschieden hat.
Herr Knecht, warum setzen Sie auf Elektro-Reisebusse?
«Elektrobusse sind nach wie vor teurer. Aber fast die Hälfte unserer Kundinnen und Kunden bezahlt freiwillig eine CO₂-Kompensation, es gibt also eine grosse Bereitschaft. Der Elektro-Reisebus ist das ökologischste Verkehrsmittel – besser als die Bahn, weil er pro Sitzplatz viel weniger Gewicht transportiert. Wir haben deshalb bereits weitere Elektro-Reisebusse bestellt.»
Welche Investitionen muss Eurobus dafür vornehmen?
«Wir haben an allen grösseren Standorten Photovoltaik installiert oder sind im Bau. So können wir den Strom selber umweltfreundlich beschaffen. Bei der Wartung sind wir froh, dass die Firma Thomann Nutzfahrzeuge mit elf Standorten bereits Erfahrung mit unseren Elektro-ÖV-Bussen hat. Thomann gehört ebenfalls zur Knecht-Gruppe.»
«Preismässig wird sich nichts ändern.»
Was bedeutet die Umstellung für die Kundinnen und Kunden? Wird Eurobus teurer?
«Preismässig wird sich nichts ändern. Die Preise für Elektro-Reisebusse werden fallen, wenn die Nachfrage steigt. Bisher konzentrierten sich die Hersteller aber vor allem auf Elektrobusse für den ÖV.»
Wie unterscheiden sich Elektro-Reisebusse von Elektro-ÖV-Bussen?
«Bei Reisebussen sprechen wir von deutlich grösseren Reichweiten, oft der doppelten. Deshalb sind auch die Batterien grösser als bei ÖV-Bussen.»

Muss Eurobus Reisen künftig anders planen als mit Dieselbussen?
«Ja, wir haben 500 Kilometer Reichweite. Das ist schon weit, aber es erfordert ein Umplanen. Da Chauffeure nach maximal viereinhalb Stunden Fahrt eine Pause von 45 Minuten machen müssen, werden wir die Zeit zum Aufladen nutzen. Wir wollen Erfahrungen sammeln. Aber wir werden auch weiterhin Dieselbusse in der Flotte haben.»
«Die europäischen Anbieter sind noch nicht lieferfähig bei Elektro-Reisebussen.»
Warum setzen Sie auf einen Hersteller aus China?
«Wir setzen nie nur auf einen Hersteller. Wir haben auch europäische Reisebusse bestellt. Aber die europäischen Anbieter sind noch nicht lieferfähig bei Elektro-Reisebussen. Sie brauchen noch Zeit.»
Wie viel kostet ein Bus aus China im Vergleich zu einem europäischen Bus?
Die Preise sind vergleichbar. Qualität hat ihren Preis.
Das ist Thomas Knecht

Thomas Knecht (1950) war 30 Jahre bei McKinsey, unter anderem als Länderchef des Beratungsunternehmens in der Schweiz. 2008 übernahm er die Position des Verwaltungsratspräsidenten der Knecht-Gruppe von seinem Vater. Die im Jahr 1909 gegründete Unternehmensgruppe aus Windisch befindet sich im Besitz der Gründerfamilie. Die Gruppe ist in den Bereichen Reisen, Personen- und Güterverkehr, Nutzfahrzeugzentren und Healthcare tätig. Sie vereint Dutzende Unternehmen, darunter Knecht Reisen, Eurobus, Thomann Nutzfahrzeuge. Unter Thomas Knecht wuchs die Gruppe von 100 auf 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Wurde Ihnen mulmig, als es Kritik an der VBZ gab wegen der Wahl für Yutong?
Nein. Yutong ist einer der Pioniere und der grösste Anbieter im Bereich Elektrobusse. Das Unternehmen hat allein im Jahr 2025 weit über 1000 Elektrobusse in Europa verkauft an Verkehrsbetriebe in Dänemark, Frankreich, Italien und in anderen Ländern. Wir haben uns mit diesen Betrieben auch ausgetauscht und positives Feedback bekommen.
«Yutong hat im Jahr 2025 weit über 1000 Elektrobusse in Europa verkauft.»
Was ist speziell an den Bussen von Yutong?
Elektrobusse sind wegen der Batterien schwerer als solche mit Dieselmotor. Aber sie gleiten sehr gut, sind leise und beschleunigen schnell. Wir haben einen unserer erfahrensten Buschauffeure damit fahren lassen und er wurde sehr emotional und schwärmte davon.
Viele befürchten Sicherheitsprobleme bei chinesischen Fahrzeugen wie bei Produkten aus China-Onlineshops. Welche unabhängigen Sicherheitsprüfungen gab es?
Die Busse sind auf dem Stand der besten europäischen Hersteller. Die Überprüfung erfolgt auf europäischem Niveau mit Swiss Finish. Wir sprechen nicht von Temu-Ware.
Das ist der Yutong-Reisebus
Der vollelektrische Reisebus Yutong T14E im Detail:
- Länge × Breite × Höhe (Meter): 13,97 × 2,55 × 3,90
- Sitzplätze: 57 + 1 + 1 (Fahrer/in + Reiseleitung)
- Gepäckraum: 8 Kubikmeter, Platz für bis zu 115 Koffer
- Leergewicht: 19'400 Kilogramm
- Batteriekapazität: 621 kWh
- Geschätzte Reichweite: bis zu 500 km (Herstellerangabe)
- Motornennleistung: 430 kW
- Ladesystem: flüssigkeitsgekühltes Doppelladesystem mit 1000 A; lädt von 12 Prozent auf 100 Prozent in ca. 1,2 Stunden
- Sicherheit: ReMobility EURO: u. a. Totwinkel-Assistent (BSD/BSIS), Spurhalte- und Verkehrszeichenerkennung (TSR), Müdigkeitswarnsystem (DDAW), Move-Off-Informationssystem (MOIS), intelligenter Geschwindigkeitsassistent (ISA)
Quelle: Eurobus
Wer haftet bei Problemen?
Der Hersteller, das ist immer so. Yutong hat viele Jahre in Europa investiert und versucht, sich einen guten Ruf aufzubauen. Würden sie nicht haften, wären sie schnell wieder weg vom Markt.
Können Sie garantieren, dass Yutong oder ein Dritter nicht in sicherheitsrelevante Funktionen eines Eurobusses eingreifen kann?
Der Fernzugriff erfolgt kontrolliert und nur mit unserer Zustimmung bei Updates. Solche Updates aus der Luft kennt man von Tesla. Aber sicherheitsrelevante Faktoren wie die Lenkung sind getrennt. Yutong muss alle Vorschriften zur Cybersecurity erfüllen.
Was hältst du von chinesischen Elektro-Reisebussen in der Schweiz?
Ich finde es sinnvoll, wenn Preis und Qualität stimmen.
Ich bin skeptisch.
Ich möchte bei solchen Fahrzeugen lieber europäische Hersteller sehen.
Es ist mir egal, woher der Bus kommt.
Ich will nur das Ergebnis sehen.
Wo werden die Daten der neuen Busse gespeichert und wer kann darauf zugreifen?
Die Daten werden gemäss den Datenschutzbestimmungen gespeichert und verarbeitet und nur für Wartungsoptimierungen gebraucht. Zugriff haben nur wir und der Hersteller. Gespeichert werden sie bei Amazon Web Services in Frankfurt.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft