Jamie Dimon warnt vor J.P. Morgans Rekordgewinn


Als Jamie Dimon, der Vorstandschef der amerikanischen Großbank J.P. Morgan, am Dienstag die Quartalsergebnisse seines Hauses präsentierte, machte allein die Höhe des Gewinns sprachlos. Die Bank erzielte zwischen Anfang April und Ende Juni ein Rekordergebnis von 21,2 Milliarden Dollar. Mindestens genauso erstaunlich aber war, dass Jamie Dimon zugleich eine  Warnung aussprach. Sein Haus verdiene zu viel, sagte er sinngemäß. Im Englischen nutzte er das Wort „over-earning“.

Wann hat man so etwas schon einmal gehört? Ein Banker, der sich über zu hohe Gewinne beklagt, dürfte in der Finanzgeschichte einmalig sein. Von anderen US-Instituten, die ebenfalls ihre Zahlen vorlegten, war Vergleichbares denn auch nicht zu vernehmen. Aber Goldman Sachs und die Bank of America, um nur zwei Beispiele zu nennen, haben ebenfalls ein außergewöhnlich gutes zweites Quartal hinter sich.

Auch wenn sie es nicht laut sagen, wird ihnen dämmern, dass J.-P.-Morgan-Chef Dimon auf ein ernst zu nehmendes Problem hinweist: Denn die Rekordzahlen der Banken rühren erstens daher, dass sie am Börsengang von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX enorm viel verdient haben. Und zweitens lief auch das Geschäft mit Anleihen so gut wie lange nicht. Das liegt vor allem am hohen Kapitalbedarf von Technologiefirmen wie Alphabet & Co., die damit ihre Vorhaben im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) finanzieren.

Genau das aber ist die Schlagseite, auf die Dimon hinweist: Der Erfolg der wichtigsten Banken der Welt hängt plötzlich eng vom Erfolg der KI-Firmen ab. Sogar die Börsenkurse haben sich zuletzt ähnlich verhalten. Das ist kein Problem, solange alles gut läuft. Sollten jedoch die Zweifel am schnellen Durchbruch der KI wachsen, würde das auch die Banken hart treffen. Im schlimmsten Fall könnte die Folge eine Bankenkrise sein, mit der so niemand gerechnet hat. Außer vielleicht J.-P.-Morgan-Chef Dimon.