KI-Ausstellung in Urberach: Besucher ohne eindeutige Meinung


Stand: 30.09.2026, 07:30 Uhr

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Mit Öl und Farbstift brachte Hans-Peter Schmücker das vermessene Gesicht auf Leinwand: „Ich kenne dich – du kennst mich nicht“.

Mit Öl und Farbstift hat Hans-Peter Schmücker das vermessene Gesicht auf Leinwand gebracht: „Ich kenne dich – du kennst mich nicht“. © Christine Ziesecke

Die Künstlergruppe Salz zeigte in der Urberacher Kelterscheune Werke zur künstlichen Intelligenz. Bei einem Pro-und-Kontra-Spiel mit Kugeln mochten viele Gäste keine Stellung beziehen.

Urberach – Noch aktueller als das Thema, unter dem die Ausstellung der Künstlergruppe Salz am Wochenende in der Urberacher Kelterscheune lief, geht’s derzeit wirklich nicht: „Künstliche Intelligenz“ (KI). „Ich glaube nicht, dass ihr mit eurer natürlichen Intelligenz vor einem Jahr, als ihr die Ausstellung konzipiert habt, voraussehen konntet, dass sich drei Tage vor ihrer Eröffnung der UN-Sicherheitsrat in New York aus höchst aktuellem Anlass mit den ‚beispiellosen Gefahren‘ befasste, die bei einer unkontrollierten Fortentwicklung der KI auf die gesamte Menschheit zukommen könnten.“

Für viele Künstler, die früher in der Künstlergruppe KiR zuhause waren, war diese Ausstellung der Gruppe Salz wie ein Klassentreffen.

Für viele Künstler war diese Ausstellung der Gruppe Salz wie ein Klassentreffen. © Christine Ziesecke

Kritischer Blick auf Entwicklungen

Dies bescheinigte Laudator Roland Kern den Machern der Ausstellung. „Der KI-Pionier Yoshua Bengio sprach vor den 15 Ratsmitgliedern sogar von einem ‚Moment des weltweiten Erwachens‘. Und wir hier – in der Kelterscheune zu Urberach – mittendrin im weltweiten Erwachen!“ Der Laudator erinnerte an Berichte von einer 80-prozentigen Übernahme von Arbeitsplätzen durch KI, von sich selbst optierender Superintelligenz, die unser Leben aufs Spiel setzt, bis zum Zitat des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, der in Berlin lebt: „Vielleicht begeht die Menschheit mit der KI eine Art Selbstmord. Für den Planeten und andere Arten wäre eine Welt ohne Menschen vermutlich gar nicht so schlecht.“

Inwieweit sich diese Veränderung, die Hoffnungen, aber vor allem diese spürbare Angst von Künstlern darstellen lässt, bewies die Gruppe Salz, fast allesamt aus dem Kreis des Kunstverein in Rödermark (KiR) stammend. Sie hatten sich Ende 2023 aus den sechs Künstlern Karin Kück, Katja Leers-Farr, Helmut Burghardt, Wolfgang Schulz, Jürgen Woff und dem bei dieser Ausstellung federführenden Hans-Peter Schmücker sowie mit Heinz Zeyer und Michael Kunz mit zwei Gästen von außerhalb zusammengefunden unter der Prämisse: „Unsere Kunst soll nicht urteilen, sich nicht festlegen, sondern anregen und infrage stellen.“

Das Salz in der Suppe wollen sie sein, aber auch Salz in Wunden streuen und ihren Themen die Würze geben. Genau dafür war das Thema KI natürlich ein ergiebiges Feld, und die eigens dafür geschaffenen Werke der Künstlerinnen und Künstler zeigten die innere Zerrissenheit zu dem Thema, vor allem aber den kritischen Blick darauf sehr deutlich. Ob die in sich ganz verschlossene Holzskulptur von Helmut Burghardt unter dem Titel „Zeitenwende“, deren Blick strikt nach oben in ein Handy gerichtet ist, oder das im wörtlichen Sinne „vermessene“ Frauengesicht von Hans-Peter Schmücker unter dem Titel „Ich kenne dich – du kennst mich nicht“.

Auch die Bildschirminstallationen oder die für Jürgen Wolff typischen grafischen Puzzlespiele zeigten, dass die Künstler aus der selbst gestellten Aufgabe eine ungeheure Kreativität schöpften, die positiv oder kritisch, humorvoll oder erschreckend ernst war.

„Hier kommt Kunst, soweit menschengeschaffen, ins Spiel: Sie kann und soll ins eigenständige Denken bringen“, beschreibt es der Ausstellungsflyer. Der Einfluss von künstlicher Intelligenz mit allen Chancen und Risiken wurde in vielen Facetten sichtbar und regte eine ungewöhnlich starke Diskussionsbereitschaft unter den zahlreichen Besuchern an. Vor jeder der Skulpturen, Bilder oder Installationen standen diskutierende Grüppchen. Unterstrichen wurden die Aussagen der Kunstwerke durch kurze kritische Texte, die Autorin Jenny Roters verlas, sowie durch einen kleinen Büchertisch der Stadtbücherei.

Doch auch Entspannung war angesagt: Der Deutsche Kinderschutzbund Rödermark lud zu Kaffee und Kuchen ein, und Hans-Peter Schmücker wurde nicht müde zu betonen: „Leute, esst Kuchen, ihr tut damit den Kindern ein gutes Werk!“

Künstler Helmut Burghardt im Gespräch mit einer Besucherin über seine Skulptur „Die Enkel der Götter“.

Künstler Helmut Burghardt im Gespräch mit einer Besucherin über seine Skulptur „Die Enkel der Götter“. © Christine Ziesecke

Und wie endete das interaktive Pro-und-Contra-Spiel, bei dem die Ausstellungsgäste mit weißen oder roten Kugeln ihren Standpunkt für und gegen KI manifestieren konnten? „Viele Besucher waren zu schwankend, um sich für eine Kugel zu entscheiden“, stellte Hans-Peter Schmücker abschließend fest.