Killervirus auf Knopfdruck? Was KI wirklich kann – und was nicht


KI könnte tödliches Virus entwerfen – aber auch herstellen? Was Experten dazu sagen

Stand: 17.09.2026, 13:58 Uhr

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Ein Forscher kündigt bei Anthropic und warnt vor dem Weltuntergang. Doch Experten widersprechen – und erklären, wo KI wirklich gefährlich wird.

Berlin – Ein Forscher kündigt, warnt vor dem Ende der Menschheit – und löst eine weltweite Debatte aus. Jacob Coxon, 27 Jahre alt, arbeitete zuerst bei OpenAI, dann bei Anthropic, vor allem bekannt für Chat GPT und Claude. Vergangene Woche warf er hin. Sein Vorwurf: Beide Unternehmen würden „mit unserem Leben spielen“, während sie einer unkontrollierbaren Superintelligenz entgegensteuerten.

West-Nil-Virus

KI könnte tödliches Virus entwerfen – aber auch herstellen? (Archivbild, hier West-Nil-Virus) © Cynthia Goldsmith/CENTERS FOR DISEASE CONTROL/EPA/dpa

Evan Hubinger, der das Sicherheitsteam von Anthropic leitet, legte nach: Er schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass KI die Menschheit innerhalb eines Jahrzehnts auslöscht, auf über zehn Prozent. Klingt nach Science-Fiction. Ist es aber nicht ganz.

Kein Science-Fiction: Wie KI gefährliches Wissen für jeden zugänglich macht

Noch bevor man über Apokalypse-Szenarien diskutiert, gibt es eine nüchterne Realität: KI macht gefährliches Wissen für Unerfahrene zugänglicher. Harald König vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse erklärte gegenüber dem MDR, dass Studien bereits zeigen, wie KI Menschen ohne Fachausbildung an biologisch heikles Wissen heranführt.

Wer früher ein Biochemiestudium brauchte, kann heute einfach eine KI befragen. Das ist keine Theorie. Laut eines unternehmenseigenen Berichts, den die Zeit zitiert, blockierte Anthropic zwischen Dezember 2025 und August 2026 mindestens 35 verdächtige Forschungsvorhaben – darunter fünf mit direktem Bezug zu Biowaffenforschung.

In einem Fall vom Mai 2026 versuchte jemand, mit der Hilfe des Sprachmodells Claude das Chikungunya-Virus ansteckender zu machen. Wissenschaftler aus Ländern, denen Anthropic den Zugang zu Claude gesperrt hatte, umgingen dabei die Zugangssperren über Umwege, um Sicherheitsfilter zu täuschen.

Bauplan ja, Biowaffe nein – warum KI an der Realität scheitert

Und doch: Ein Virus am Computer zu entwerfen, ist eine Sache – es wirklich herzustellen eine völlig andere. Eric Xing, Informatikprofessor an der Carnegie Mellon University, bringt es bei X auf den Punkt: Einen Bauplan erstellen und ein echtes Virus herstellen seien „zwei völlig verschiedene Dinge“. Wer das gleichsetze, verbreite „entweder eine absichtliche Lüge, um Aufmerksamkeit zu erregen, oder echte Unwissenheit“.

Assistenzprofessor Mateusz Blaszczyk von der University of Georgia bremst trotzdem: Die Skepsis gegenüber Apokalypse-Szenarien dürfe nicht dazu führen, reale Risiken zu ignorieren, sagte er gegenüber Business Insider. Cyberangriffe, Überwachung, autonome Drohnen – KI verschärft diese Gefahren bereits heute. Aber es gibt auch eine gute Seite.

Laut MDR forscht Clara Tabea Schoeder von der Uni Leipzig daran, wie KI neue Impfstoffe entwickeln kann. Forscher der Universität Cambridge haben einen KI-entworfenen Impfstoff bereits in einer ersten klinischen Studie am Menschen getestet. Entweder KI‑Apokalypse oder alles harmlos und hilfreich – so einfach ist es wohl nicht. (Quellen: Business Insider, MDR, Zeit, eigene Recherche) (nmr)