Wahre Verbrechen: Was passieren muss, dass menschen morden
Klebebandmörder Leiche im Garten: Was treibt Menschen zum Mord?
Ein Mann tötet mit seiner Ehefrau und einem Komplizen kurz nacheinander zwei Männer brutal mit Klebeband, versteckt eine Leiche bei sich im Garten. Was passieren muss, dass Menschen morden.
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Von aussen sieht alles nach Schweizer Idylle aus. Ein Bauernhof im Berner Mittelland, Kinderspielzeug im Garten – das Leben junger Eltern. Bis die Polizei aufdeckt: Der Ehemann hat gemeinsam mit seiner Frau und einem Komplizen zwei Menschen brutal ermordet und eine Leiche im eigenen Garten vergraben.
Die Taten ereignen sich im Frühling 2016: Ein 26-jähriger Berner gibt vor, einen LKW kaufen zu wollen. Doch auf der Probefahrt Anfang Juni 2016 im Kanton Zürich zückt er eine Waffe und überwältigt den Verkäufer.
Missbrauchtes Vertrauen
Staatsanwältin Corinne Kauf erinnert sich an ein Gespräch mit der Mutter des Todesopfers. Ihr Sohn habe gesagt: «Jetzt habe ich endlich einen sympathischen Kaufinteressenten: ein Berner, ein Anständiger.»
Dieses Vertrauen hat der Täter aufs Schlimmste ausgenutzt: Er fesselt den Mann, bringt ihn zu sich nach Hause ins Berner Mittelland und zwingt ihn dazu, einen Kaufvertrag zu unterschreiben. Dann klebt er ihm die Atemwege mit Klebeband zu und wartet, bis er erstickt.
Das Urteil: ein Täter und seine Gehilfen
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Das Gericht sieht im Ehemann den Haupttäter und Drahtzieher: Es hat den damals 26-jährigen Berner wegen mehrfachen Mordes zu lebenslangem Freiheitsentzug verurteilt.
Der Komplize aus dem Kanton Solothurn hat dabei geholfen, die Männer in die Falle zu locken und zu überwältigen. Die Ehefrau hat im Hintergrund gehandelt, Beweismittel versteckt und zum Beispiel bei der Probefahrt das Handy des LKW-Verkäufers zu dessen Garage zurückgebracht, um Spuren zu verwischen. Beide wurden wegen Gehilfenschaft zu rund zwölf Jahren Haft verurteilt.
Das Urteil des Bezirksgerichts Bülach (2019) wurde später vom Zürcher Obergericht (2021) und vom Bundesgericht (2022) bestätigt.
Doch wenig später fliegt alles auf: Der Plan des Täters, den LKW in Deutschland zu Geld zu machen, platzt. Noch auf dem Parkplatz eines deutschen Garagisten nimmt die Polizei ihn fest.
Unscheinbarer Mörder
Ins Bild vom Bösen passt der Tatverdächtige nicht: Bekannte aus dem Dorf beschreiben den Berner als freundlich und zuvorkommend. Selbst Roger Agosti, damaliger Ermittler der Kantonspolizei Zürich, sagt: «Ganz ein einfacher Mensch. Man würde nie vermuten, dass der zu solchen Taten fähig ist.»
War es ein Schalter, der sich umgelegt hat? Dieses geläufige Sinnbild bestätigt die Kriminalforschung nicht: «Die Vorstellung, dass ein Mensch völlig unauffällig ist und von heute auf morgen bereit ist, eine schwere Straftat zu verüben, ist nicht Realität», sagt Jérôme Endrass, Professor für forensische Psychologie an der Universität Konstanz.
Auch im Fall des Klebebandmordes ergeben die Ermittlungen: Es war nicht der erste Mord. Kurz zuvor, Ende April 2016, hat der Täter bereits gemeinsam mit seiner Ehefrau und dem Komplizen einen Mann in den Hinterhalt gelockt, weil dieser ihm Geld geschuldet haben soll. Im eigenen Haus bringt der Täter den Mann um, ebenfalls mit Klebeband, und vergräbt den Toten mit einem Bagger im Garten.
40’000 Franken für ein Leben
Die Frage nach dem Warum bleibt für Staatsanwältin Corinne Kauf offen: «Wie kann es sein, dass drei völlig normale Personen aus derart nichtigem Anlass – ein bisschen Geld, Streit, Rachegedanken – töten?» Die Staatsanwaltschaft sieht Geldnot als Motiv. Gegen den Täter liegen Verlustscheine und Betreibungen in Höhe von mehreren 100’000 Franken vor. Für die Morde hätte sich der Täter je etwa 40’000 Franken erhofft. Das geraubte Geld hätte seine Schulden bei Weitem nicht getilgt.
Wann ein Mensch zum Mörder wird
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Um zu verstehen, wann Menschen bereit sind, zu töten, könne man drei Ebenen betrachten, erklärt Jérôme Endrass, Experte für Forensische Psychologie:
- Die Veranlagung: «Es gibt vermutlich eine Veranlagung, die einen eher dazu prädisponiert, jemanden umzubringen.» In friedlichen Zeiten passiere nichts, erst dann, wenn es eine Legitimation für die Gewalt gebe.
- Die Sozialisation: «Wie man gross geworden ist, spielt eine Rolle, und auch das Zusammenspiel von dem, was man biologisch mitbringt, und dem, was man erlebt.»
- Die Situation: «Das, was gerade in dem Moment mit dem Menschen los ist und ihn in den Ausnahmezustand versetzt.»
Häufig kommt es auch zu einer Kombination der Ebenen:
«Es gibt Menschen, die haben von Natur aus weniger Empathie, denen tut es nicht weh, wenn jemand leidet, die werden eher zum Mörder. Es gibt aber auch Zustände, zum Beispiel alkoholisiert, wo es schwieriger ist, Empathie zu empfinden.»
In der Schweiz passiere es zum Glück selten, dass jemand für Geld tötet, sagt Psychologe Jérôme Endrass: «Wenn es passiert, gehen wir davon aus, dass es etwas mit der Persönlichkeit des Täters zu tun hat.»
Das freundliche Auftreten des Täters ist dann nicht ausschlaggebend: «Trotzdem kann er ein Mensch sein, dem das Leben anderer relativ egal ist, wo der eigene Vorteil wichtiger ist.» Wie schnell jemand die Schwelle zur Gewalt überschreitet, ist verschieden. Deswegen sei eine psychiatrische Beurteilung des Täters wichtig, um besser zu verstehen, warum es zu solchen Taten kommen konnte.
SRF 1, True Crime Schweiz, 24.8.2026, 23:05 Uhr.