Wenn die Kirsche plötzlich nach Essig schmeckt: Klimawandel lockt invasive Insekten nach NRW
Landwirtschaftskammer setzt auf Vorbeugung
In der Landwirtschaftskammer NRW befasst sich Gerhard Renker mit den invasiven Insekten. Er leitet den Sachbereich Pflanzengesundheit. Das klingt für den Laien schnell nach der Erfindung neuer Insektengifte, aber Renker sucht nach anderen Lösungen.
"Die Zeiten des einfachen Griffs auf Insektizide sind vorbei", so Gerhard Renker. "Wir setzen eher auf vorbeugende Maßnahmen, wie gesundes Saatgut, gesunde Jungpflanzen und gesunde und gut gewässerte Böden. Das gilt es zu fördern." So sollen Landwirte ihre Pflanzen auf ihren Rüben- und Kartoffel-Feldern widerstandsfähig machen, vor allem gegen die Zikaden.
Sexual-Duftstoffe verwirren Schädlinge
Obstbauern kämpfen unterdessen gegen die Kirschessigfliege, die über Italien nach Deutschland kam. Ihr Name ist Programm. Die Fliegen bohren sich in Kirschen, Himbeeren und andere rote Beeren. Ihre Larven verwandeln den süßen Geschmack der Früchte in sauren Essig. Damit das nicht passiert, schützen die Landwirte ihre Pflanzen mittlerweile mit Netzen.
Um die Ausbreitung der Kirschessigfliegen einzudämmen greifen sie zu einem Trick. "Wir setzen Sexual-Duftstoffe rund um die Plantagen ein", erklärt Gerhard Renker von der Landwirtschaftskammer NRW. "So verwirren wir die Fliegen. Sie finden ihre eigentlichen Sexualpartner nicht mehr, und das dämmt die Fortpflanzung ein."
Starke Ausbreitung der Asiatischen Hornisse
Imker sind dieses Jahr besonders besorgt. Die Asiatische Hornisse tötet heimische Bienen. Und diese Hornisse hat sich dieses Jahr sehr stark ausgebreitet. Der Bonner Imker Klaus Maresch ist Experte für das Entfernen der Hornissen-Nester.
Ich wurde dieses Jahr schon zu 125 Fällen gerufen. Das ist fünf mal mehr als im Jahr davor. Klaus Maresch, Imker Bonn
Maresch arbeitet zusammen mit Imkern aus ganz NRW und anderen Teilen Deutschlands an einem neuen Meldesystem für die Nester der Asiatischen Hornissen. Damit sollen Hausbesitzer und Mieter übers Internet schneller Hilfe von Fachleuten bekommen. "Je mehr Nester wir schnell entfernen, desto besser können wir die gefährliche Ausbreitung eindämmen", erklärt der Imker.