Armin Laschet warnt Linnemann: "Das geht immer schief"


Politik-Talk bei "Illner"

Laschet warnt Linnemann: "Das geht immer schief"


Aktualisiert am 24.07.2026 - 07:21 UhrLesedauer: 4 Min.

Armin Laschet begrüßt den Wechsel von Thorsten Frei und Nina Warken. Der CDU-Politiker ruft aber bei "Illner" eine Art Probezeit aus.

Armin Laschet (CDU) hält Noch-Gesundheitsministerin Nina Warken für eine gute Wahl als Kanzleramtsministerin. "Sie ist eine, die sich in die Dinge einarbeitet. Da kann sie im Kanzleramt gute Dienste leisten", sagte der ehemalige CDU-Vorsitzende am Donnerstagabend bei "Maybrit Illner". Er schien damit Medienberichte über die Kabinettsumbildung zu bestätigen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will die Pläne laut "Bild" am Freitag näher erläutern.

Die Gäste

Warken würde auf Thorsten Frei (CDU) folgen, der an die Spitze der Unionsfraktion wechseln soll – ein Job, der nach Ansicht Laschets besser zu seinem Parteifreund passt als der alte Posten. Frei sei ein Mensch, der gerne kommuniziere. Ihm sei vorgeworfen worden, zu wenig im Kanzleramt und viel draußen unterwegs zu sein, sagte Laschet. Als leidenschaftlicher Parlamentarier müsse der langjährige parlamentarische Geschäftsführer künftig mit der SPD gute Ergebnisse erzielen und Brücken zu anderen Parteien bauen.

Warnung an neuen Gesundheitsminister

Laschet gab insbesondere dem Warken-Nachfolger Carsten Linnemann (CDU) einen Rat mit auf den Weg. "Carsten Linnemann kommt jetzt neu ins Gesundheitsressort", bestätigte Laschet bei "Illner" die Personalie. Warken habe viel Arbeit bereits erledigt, sagte der ehemalige NRW-Ministerpräsident mit Blick auf die Gesundheitsreform. Dann folgte eine Warnung an den bisherigen CDU-Generalsekretär.

"Ein Minister ist immer gut beraten, wenn er es versteht, seine eigenen Ideen mit dem Haus und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen umzusetzen. Manchmal haben Minister die Neigung, gegen das Ministerium zu regieren. Das geht immer schief", mahnte Laschet. "Carsten Linnemann wird, wenn er dieses Prinzip beherzigt, glaube ich, ein guter Gesundheitsminister werden", sagte Laschet weiter. "Er hat bestimmte ordnungspolitische Vorstellungen und die kann er jetzt in konkrete Gesetze umsetzen."

Dem konnte Linken-Politiker Gregor Gysi nur zustimmen: Der Apparat sei immer stärker als der einzelne Minister. "Ich würde den allen jetzt mal hundert Tage Chance geben und dann kann man ja nochmal beurteilen", bilanzierte Laschet die Personalrochade. "Wenn man das auf den ersten Blick sieht, glaube ich, ist das eine gute Wahl."

Laschet kritisiert E3-Format

Die restlichen 55 Minuten widmete Illner der Frage "Zwischen Trump und Putin – wird Europa zerrieben?" "Es ist nicht unser Krieg", stimmte der Grünen-Europaparlamentarier Sergey Lagodinsky Bundeskanzler Merz zu, was die Haltung zu dem anhaltenden Konflikt im Iran betrifft. US-Präsident Donald Trump sei ohne Strategie da reinmarschiert und müsse nun selbst aus dieser Sackgasse "rauskrabbeln". Das Mitglied im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten warf Merz allerdings vor, eine klare gemeinsame europäische Außenpolitik zu schwächen, etwa durch Kritik an der Außenbeauftragten Kaja Kallas.

Laschet stimmte der grundsätzlichen Kritik an einer mangelhaften europäischen Außenpolitik zu. Das sogenannte E3-Format mit Frankreich und dem Vereinigten Königreich sei unzureichend. Wo seien die kleinen Mitgliedstaaten, wo das Baltikum, fragte Laschet. Es müssten Wege gefunden werden, sodass Europa mit einer Stimme für alle 27 Mitgliedsstaaten spricht.

Der AfD-Verteidigungsexperte Rüdiger Lucassen wies bei "Maybrit Illner" Trump-Forderungen nach weiterer finanzieller und militärischer Unterstützung der Nato-Partner für den Iran-Krieg zurück. Selbiges galt für Forderungen, das nordatlantische Bündnis in den Konflikt zu involvieren. "Das ist kein Nato-Gebiet und könnte auch niemals ein Nato-Krieg oder ein Nato-Konflikt werden."

AfD-Politiker: Ukraine-Krieg beenden

Lucassen bekräftigte bei "Illner" die Forderung, den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg des russischen Machthabers Wladimir Putins zu beenden. Das "muss unser aller Ziel sein". Deutschland dürfe sich dabei aber nicht "verzetteln" und müsse auch zugunsten der Energieversorgung anschließend die friedliche Koexistenz mit Russland anstreben.

Der ehemalige Bundeswehroffizier war im April als verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion zurückgetreten und damit einem Misstrauensantrag zuvorgekommen. Er wollte bei der Frage, ob seine Partei eher den USA oder Russland zugeneigt ist, bei "Illner" nicht von einer Spaltung sprechen. Er unterstrich jedoch: "Das Ganze wird sich aus meiner Sicht auf dem Weg zur Regierungsbeteiligung lösen müssen. Und dann müssen alle, auch die Spitzen meiner Partei, hier zu einer Lösung kommen müssen."

Am Ende dieser Ausgabe von "Maybrit Illner" wurde es noch einmal laut, als Laschet Lucassen vorwarf, eine schwache Europäische Union zu wollen. Der AfD-Abgeordnete konterte mit der Frage, wann Merz oder Außenminister Johann Wadephul (CDU) denn nach Moskau reisen würden.

Angesichts des politischen Erstarkens der AfD diskutierte Illner auch die Frage, inwieweit vor diesem Hintergrund das militärische Aufrüsten Deutschlands den europäischen Nachbarn Sorge bereitet. Nicht aufzurüsten, könne nicht die Antwort sein, warnte Liana Fix von der US-Denkfabrik Council on Foreign Relations. Die Sicherheitsexpertin plädierte aber dafür, Aufrüstung stärker als gesamteuropäisches Projekt anzugehen, notfalls über Schulden finanziert. Ein militärisch starkes Deutschland sei in Europa so lange akzeptiert, wie es tief in Europa integriert sei.