Klopps Casting-Bilanz: Sieben Spieler ohne Einsatz, Treu dreimal in der Startelf


Jürgen Klopp mit Philipp Treu und Said El Mala

Sieben Spieler ohne Minuten Klopps Casting-Bilanz - wer bekam wie viel Einsatzzeit?

Stand: 05.10.2026 • 13:26 Uhr

Philipp Treu spielt drei Partien über die gesamte Distanz, Finn Dahmen kommt auf keine Minute, obwohl er für beide Kader gesetzt war. Die Bilanz aller Fußball-Nationalspieler nach vier Partien in der Nations League.

Marcus Bark

Vier Spiele und 44 Spieler, das ergibt die mathematische Möglichkeit, jeden Spieler über ein ganzes Spiel zu sichten. Aber wie Karl-Heinz Rummenigge den Mathematiklehrer Ottmar Hitzfeld einst schon belehrte, ist Fußball keine Mathematik. Selbst wenn Bundestrainer Jürgen Klopp gewollt hätte, die Einsatzminuten gerecht zu verteilen, hätten ihm schon die fünf Torhüter einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Nun ist mit Finn Dahmen genau derjenige ohne Einsatzminute geblieben, der als einziger der 44 Spieler für beide Kader vorgesehen war. Das kam dann schon ein wenig überraschend, genau wie drei komplette Spiele für Philipp Treu, der als rechter Verteidiger darauf hoffen darf, auch für die beiden Spiele im November gegen Serbien in Belgrad und die Niederlande in Berlin berufen zu werden.

Sein möglicher Konkurrent Ridle Baku kam überhaupt nicht zum Einsatz, genau wie Dahmen und fünf weitere Profis. Einer dieser Spieler hatte schon auf dem Aufstellungsbogen gestanden, doch Jamal Musiala verletzte sich beim Aufwärmen vor Klopps Premiere in den Niederlanden, bei der sich auch Kai Havertz schon nach einer halben Stunde verletzte. Der verletzte Brajan Gruda war erst gar nicht angereist, sodass sich der riesige Kader bereits kurz nach der Nominierung auf 43 reduziert hatte.

Innenverteidiger spielen durch

Für Nico Schlotterbeck kam das Aus im Training, sodass Jonathan Tah einen neuen Partner in der Innenverteidigung benötigte. Er fand ihn in Yann Bisseck, der gegen Griechenland durchspielte. In der zentralen Verteidigung hält Klopp nichts von Wechseln, denn Tah, Schlotterbeck, Bisseck spielten jeweils durch, genau wie das Paar Waldemar Anton und Malick Thiaw aus Kader II. Da Finn Jeltsch ohne Einsatz blieb, würde es extrem überraschen, wenn er im November wiederkäme.

Florian Wirtz (l.) und das Innenverteidiger Duo II mit Waldemar Anton (Mi.) und Malick Thiaw

Anders herum würde es überraschen, wenn Marc-André ter Stegen nicht dabei wäre, genau wie Jonas Urbig, der sogar in zwei Spielen im Tor stand. Florian Wirtz, der nach Musialas Verletzung früher als gedacht nachrückte, kam auf die zweitmeisten Einsatzminuten und steht außerhalb jeder Diskussion.

Das gilt für Joshua Kimmich nicht, aber vermutlich nur, wenn es um einen Platz im Kader geht. Der Kapitän wäre nach den ersten beiden Spielen gerne geblieben, aber er musste von der Tribüne und am Fernseher beobachten, wie es ohne ihn schon deutlich eher nach dem Fußball aussah, der Jürgen Klopp vorschwebt.

Pavlović und Bischof überzeugen

Aufgrund ihrer Leistungen gelten auch Kimmichs Münchner Vereinskollegen Aleksandar Pavlović und Tom Bischof als gesetzt, genau wie Musiala, der dann wieder einsatzbereit sein dürfte. Aber würde Klopp ihn neben Wirtz als Achter einsetzen, zusammen mit drei Stürmern und nur einem Mittelfeldspieler vor der Abwehr?

Bilanz aller Spieler aus dem XXL-Kader
Name Einsätze Minuten
Philipp Treu 3 270
Florian Wirtz 3 205
Waldemar Anton 2 180
Joshua Kimmich 2 180
Jonathan Tah 2 180
Malick Thiaw 2 180
Jonas Urbig 2 180
Aleksandar Pavlović 2 178
Nathaniel Brown 2 174
Tom Bischof 2 160
Derry Scherhant 2 160
Karim Adeyemi 2 155
Younes Ebnoutalib 2 150
Felix Nmecha 2 148
Kevin Schade 2 129
Nick Woltemade 2 104
Jonathan Burkardt 3 101
Yann Bisseck 1 90
Maximilian Mittelstädt 1 90
Alexander Nübel 1 90
David Raum 1 90
Nico Schlotterbeck 1 90
Marc-André ter Stegen 1 90
Josha Vagnoman 1 90
Bambasé Conté 3 85
Nadiem Amiri 1 80
Said El Mala 2 72
Serge Gnabry 3 70
Lennart Karl 1 63
Anton Stach 2 32
Kai Havertz 1 30
Chris Führich 1 26
Mika Baur 2 20
Yannik Engelhardt 1 10
Hennes Behrens 1 6
Vitaly Janelt 1 2
Noah Atubolu 0 0
Ridle Baku 0 0
Finn Dahmen 0 0
Finn Jeltsch 0 0
Felix Keidel 0 0
Jamal Musiala 0 0
Max Rosenfelder 0 0

Das Massencasting wirft viele Fragen nach der Besetzung des nächsten Kaders auf, zumal sich Derry Scherhant als Außenstürmer in den Vordergrund gespielt hat, es aber auch noch Karim Adeyemi und Kevin Schade gibt.

Keiner von den Dreien spielte so überragend, dass er auf jeden Fall im November dabei sein dürfte. Aber die Chancen sind intakt, genau das gilt für viele andere auch, etwa Felix Nmecha, Serge Gnabry und Said El Mala.

In beiden Kadern, aber ohne Einsatz: Torhüter Finn Dahmen

Gruda und sein Leipziger Vereinskollege Rocco Reitz sind weitere Optionen. Klopp sprach auch davon, dass er sich die U21 noch mal ganz genau ansehen werde.

Zentrale Stürmer ohne nachdrückliche Empfehlung

Dabei rückt Nicolo Tresoldi in den Blickpunkt, der in der deutschen U21 zuletzt treffsicher war, aber eben nicht sicher ist, ob er für die deutsche oder die italienische A-Nationalmannschaft spielen soll.

Die drei Tore in den vier Spielen der Nations League erzielten mit Nmecha, Bischof und Wirtz Mittelfeldspieler. Von den zentralen Stürmern im Kader empfahl sich keiner nachdrücklich als Option hinter Havertz, weder Jonathan Burkardt noch Younes Ebnoutalib noch Nick Woltemade. Das Casting auf dieser Position dürfte noch ein bisschen dauern, bis Klopp sich auf eine Rangfolge für jede Position in seinem 4-3-3 festlegt, wie er nach dem 0:0 in Griechenland ankündigte.

Die Tür sei für jeden offen, sagte der neue Bundestrainer, und folglich müsste das auch für Leroy Sané und Leon Goretzka gelten, die anders als etwa Antonio Rüdiger und Pascal Groß nach der WM noch nicht ihren Rücktritt erklärten. Aber die beiden Routiniers dürfte Klopp nicht mehr gemeint haben, als er in Thessaloniki sagte: "Das Talent läuft den Jungs aus den Ohren raus." Der Schnitt ist gemacht, es geht bei der nächsten Nominierung nur darum, wie radikal er ausfällt.