Krawallnacht in Zürich: Warum es keine Festnahmen gab
Schande von Hardplatz – Polizeiauto angezündet, Raketen auf Wohnhäuser
Kommen die Zürcher Chaoten wieder straffrei davon?
Die Krawallnacht am Zürcher Hardplatz hinterliess Chaos. Bisher gab es aber keine Festnahmen. Ex-Polizeikommandant Stephan Reinhardt erklärt, wie es dazu kommen konnte – und zeigt auf, was jetzt alles zusammenspielen muss, damit die Handschellen doch noch klicken.
Publiziert: 13.10.2026 um vor 2 Minuten
- Nach der Krawallnacht am Zürcher Hardplatz bleiben grosse Schäden zurück
- Ein Polizeiexperte erklärt, warum Festnahmen direkt vor Ort oft sehr schwierig sind
- Auch die Gesetze machen die Jagd auf die Täter zu einem zähen Geduldsspiel
Maria-Rahel CanoReporterin Blick
Ein verletzter Polizist, Totalschaden an Einsatzfahrzeugen, zertrümmerte Schaufenster und brennende Container: Die Krawallnacht am Zürcher Hardplatz hinterlässt Verwüstung und fassungslose Anwohner. Doch während der Schock tief sitzt, bleibt die bittere Ernüchterung: Vor Ort wurde keine einzige Person festgenommen. Und auch Tage danach nicht, wie die Zürcher Stadtpolizei auf Blick-Anfrage bestätigt.
Warum greift die Polizei bei solchen Krawallnächten nicht sofort durch? Stephan Reinhardt, Rechtsanwalt und ehemaliger Kommandant der Kantonspolizei Aargau, kennt die gefährliche Dynamik solcher Einsätze: «Die Eskalation findet relativ rasch und zum Teil sehr unvorhergesehen statt.»
Wenn Einsatzkräfte versuchen, ein oder zwei Störer festzunehmen, entstehe blitzschnell ein gefährlicher Gruppeneffekt. «Dann hat man es plötzlich mit 10, 15 oder 20 Randalierern zu tun, die ihrem Kumpel zu Hilfe kommen», erklärt Reinhardt. Hat man für solche Zugriffe nicht genug Personal auf Platz, müsse man sich überlegen, wie schnell Verstärkung mobilisiert werden könne.
«Im Nachhinein ist man immer schlauer»
Zwar sei die Zürcher Polizei extrem routiniert. Doch in einer volatilen Lage laufe die Zeit gegen die Behörden. «Bis die Leute auf dem Platz organisiert und ausgerüstet sind, sind die Störer oft schon wieder weg», so der Experte.
Reinhardt verweist auch auf den schmalen Grat der Lagebeurteilung: «Im Nachhinein ist man immer schlauer. Jede Party und Zusammenrottung so genau einzuschätzen, dass immer genug Leute vor Ort sind, wird nicht in jedem Fall gelingen.» Vorsorglich immer mit Grossaufgeboten aufzufahren, sei ebenfalls nicht zielführend und könne Lagen erst recht anheizen.
Wer hofft, dass die Chaoten wenigstens im Nachgang ermittelt werden, braucht jedoch Geduld. «In solchen Fällen versucht man nachträglich, noch so viele Informationen zu sammeln wie möglich», erklärt der ehemalige Polizeikommandant. Dazu werteten Spezialisten nun Spuren, Bildmaterial und Mobilfunkdaten aus. «Besonders wichtig ist die nachträgliche Auswertung der Telefondaten. Dies bedarf aber eines Beschlusses des Zwangsmassnahmengerichts.» In die Hände vieler Ermittler spielt dabei der Hang vieler Chaoten zur Selbstdarstellung auf Tiktok oder Instagram.
Im Zusammenhang mit der Krawallnacht von Samstag auf Sonntag sieht der Rechtsanwalt auch die Öffentlichkeitsfahndung als ein geeignetes Mittel. Also, wenn die polizeilichen Behörden zuerst verpixelte Bilder von mutmasslichen Tatverdächtigen publizieren und diese später entpixelt veröffentlichen.
Jedoch unterliegt auch dieses Instrument hohen juristischen Hürden: «Es braucht eine gewisse Schwere der Delikte – etwa Brandstiftung oder schwere Körperverletzung – und die Taten müssen Einzelnen konkret zugeordnet werden können», sagt der Experte. Damit nach einer Person öffentlich gefahndet werden kann, reiche es nicht aus, nur «dabei gewesen» zu sein.
So viel steht fest: Am Wochenende wurde etwa ein Einsatzfahrzeug der Polizei mutwillig in Brand gesteckt, und die Reifen wurden zerstochen, was auch auf Video festgehalten ist.
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Eine Öffentlichkeitsfahndung erfolge stets in Absprache mit der Staatsanwaltschaft. «Es kann schon ein bis zwei Monate dauern, bis es dazu kommt», erklärt Reinhardt. Die gezielte Vermummung der Täter erschwert dies zusätzlich.
Am Ende zeigt sich ein bekanntes Muster: Die Randalierer suchen den Erlebniskick und sind meist gut organisiert. Den Konflikt mit der Polizei suchten sie am Wochenende wahrscheinlich gar gezielt. Während die Polizei Jagd auf die schwersten Gewalttäter macht, schützt die Anonymität der Masse die Vielzahl der Mitläufer vor Konsequenzen.
Polizeieinsätze rund um illegale Partys sind in der Stadt Zürich keine Seltenheit. In den letzten Jahren kam es dabei bei mehreren Einsätzen zu einzelnen Verhaftungen. Die Mehrheit der Randalierer geht jedoch jeweils straffrei hervor, trotz Gewalt gegen Polizei und gegen Unbeteiligte.
Genaue Zahlen konnten bis zur Publikation weder die Zürcher Staatsanwaltschaft noch die Stadtpolizei Zürich liefern.