Krawalle in Mailand: Welche Rolle die «Maranza»-Szene dabei spielte


Aktualisiert18. Oktober 2026, 12:29

ItalienKrawalle in Mailand: Jetzt ist klar, wer dahinter steckt

Nach den Krawallen in Mailand rücken junge Randalierer in den Fokus. Viele wurden offenbar über Social Media mobilisiert, einige gehören zur «Maranza»-Szene.

Jonas Bucher

Darum gehts

Nach den schweren Ausschreitungen in Mailand wird klarer, wer an den Krawallen beteiligt war. Wie die italienische Zeitung «Corriere della Sera» berichtet, handelte es sich bei vielen Randalierern um Teenager. Unter ihnen seien zahlreiche Minderjährige gewesen. Viele hätten keinen Bezug zu politischen Parteien oder Protestbewegungen.

Die Demonstration am Samstag richtete sich ursprünglich gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Unter dem Namen «Italia in Piazza» hatten die Organisatoren bereits in anderen Städten zu Protesten aufgerufen, allerdings mit wenig Erfolg.

In Mailand kam es am Samstag zu schweren Krawallen.x

Hunderte Jugendliche über soziale Medien mobilisiert

In Mailand änderte sich das, als es zu ersten Zusammenstössen mit der Polizei kam. Laut «Corriere della Sera» strömten daraufhin Hunderte weitere Jugendliche in die Innenstadt.

Sie waren offenbar über Tiktok und andere soziale Medien auf die Proteste aufmerksam geworden. Einige seien aus Varese und anderen Teilen der Lombardei angereist. Viele waren vermummt, unter ihnen auch zahlreiche Mädchen.

Ein Teil wird der «Maranza»-Szene zugerechnet

Ein Teil der Beteiligten wird der sogenannten «Maranza»-Szene zugerechnet, die im Grossraum Mailand berüchtigt ist. Dabei handelt es sich um eine italienische Jugendsubkultur, der häufig Personen mit Migrationshintergrund, oft aus Nordafrika, angehören. Typisches Erscheinungsbild sind Marken-Trainingsanzüge und auffällige Accessoires. Der Stil erinnert an die sogenannten «Talahons» im deutschsprachigen Raum.

Der Begriff «Maranza» wird oft abwertend verwendet und mit Jugendkriminalität in Verbindung gebracht.

Jugendliche greifen Polizisten an

Die Gewalt richtete sich vor allem gegen die Polizei. Jugendliche warfen Pflastersteine auf die Einsatzkräfte. Auch Knallkörper und Rauchbomben kamen zum Einsatz. Auffällig sei gewesen, dass die gewalttätigen Gruppen keine erkennbaren Anführer gehabt hätten.

Viele Beteiligte filmten die Krawalle mit ihren Smartphones und verbreiteten die Aufnahmen anschliessend in sozialen Medien. Nach Einschätzung des «Corriere» orientierten sich einige Jugendliche an den gewaltsamen Protesten, die in Frankreich stattfinden.

Studenten distanzieren sich von Krawallen

Zu Beginn hatten laut Beobachtern auch Mitglieder studentischer Gruppen an der Demonstration teilgenommen. Als die Gewalt ausbrach, hätten sie sich jedoch zurückgezogen und sich von den Randalierern distanziert.

Eine gemeinsame politische Haltung sei bei den gewalttätigen Jugendlichen nicht erkennbar gewesen. Was sie laut «Corriere della Sera» vor allem verband, war ihre blanke Wut.

Jonas Bucher

Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.

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