Kreistag beschließt 220-seitiges Klimaanpassungskonzept


Stand: 07.10.2026, 08:01 Uhr

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Bildunterschrift: Am Edersee wurden bei Rehbach bei der regelmäßigen Wasserkontrolle Blaualgen festgestellt. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg rät gemeinsam mit der Gemeinde Edertal vom Baden in diesem Bereich ab.

Folgen von Hitze und Dürre: Im kaum noch gefüllten Edersee wurden im Sommer bei Rehbach Blaualgen festgestellt. Der längst messbare Klimawandel verschärft die Lage. Der Kreis plant deshalb Anpassungsstrategien. © Foto: Landkreis Waldeck-Frankenberg/pr

Der Kreistag hat einstimmig das 220-seitige Klimaanpassungskonzept für Waldeck-Frankenberg verabschiedet – es soll auf Unwetter, Hitze und Dürre vorbereiten und helfen, Schäden zu vermeiden.

Waldeck-Frankenberg – Einstimmig verabschiedete der Kreistag am Freitag das 220-seitige Klimaanpassungskonzept, das der Fachdienst Umwelt und Klima in den vorigen zwei Jahren ausgearbeitet hat. Die Abgeordneten folgten dem Antrag von Landrat Jürgen van der Horst, das Konzept formell zu beschließen, statt nur zur Kenntnis zu nehmen. Mit Fördergeldern soll es in den nächsten Jahren umgesetzt werden.

Der Bachlauf der Twiste wurde in Volkmarsen im Bereich des Stadtbruchs renaturiert und deutlich verbreitert. Dabei wurden Retentionsfläche für Wassermassen geschaffen, die bei Starkregenereignisse die Altstadt von Volkmarsen bedrohen. Das Projekt des Hessischen Wasserverbands Diemel wurde zu 100 Prozent mit Landesmitteln finanziert. Es dient dem Hochwasserschutz und der Verbesserung der natürlichen Lebensbedingungen von Flora und Fauna. Das Foto entstand bei einem Behördentermin zur Fertigstellung.

Vorbereiten auf Starkregen: Die Twiste wurde bei Volkmarsen renaturiert, um Wassermassen bei Unwetter zurückzuhalten und die Altstadt zu schützen. Solche Vorhaben sind auch im Klimaanpassungskonzept vorgesehen. © Elmar Schulten

Das Klimaanpassungsgesetz des Bundes und das hessische Klimagesetz definierten „verbindliche Pfade“ und forderten Strategien, um Klimaschäden vorzubeugen, sagte van der Horst. Mit dem fertigen Konzept nehme der Kreis hessenweit einen Spitzenplatz ein.

Die Stärke der kreiseigenen Klimastrategie sei, dass sie integriert gedacht sei: Sie binde die Städte und Kommunen mit ein, die Initiative „Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg“, das Domanium oder den kommunalen Versorger Energie Waldeck-Frankenberg, der bis 2040 eine Milliarde Euro in erneuerbare Energien und den Netzausbau investieren wolle. Für die 21 Kommunen gebe es individuelle Anpassungskonzepte – die ersten sind bereits verabschiedet. Auch der Kreis müsse sich in allen „Handlungsfeldern“ auf den Wandel einstellen.

Das Konzept analysiert den gegenwärtigen Stand und Betroffenheiten, benennt den Vorrang der „Handlungsfelder“ und beschreibt Vorhaben, um die Anpassung anzugehen. Ergebnisse werden mit einer Controllingstrategie überprüft.

Die Risiken:

Der Klimawandel sei schon messbar, heißt es im Konzept, es gebe Verschiebungen der Wettermuster. Schon kurzfristig steige die Jahrestemperatur, „Hitzetage“ über 30 Grad verdoppelten sich. In Tallagen und Innenstädten können sich Wärmeinseln bilden. Die Trends:

Vorhersagen:

Nach verschiedenen Wettermodellen weichen die Werte bis 2070 vom Schnitt der Jahre 1991 bis 2020 deutlich ab:

   Ein hohes Klimarisiko besteht laut Konzept für die Gesundheit der Menschen, für den Tourismus, das Gewerbe, die Wald- und Forstwirtschaft. Vorrang hätten die „Handlungsfelder“ Tourismus, Katastrophenschutz, Wald- und Forstwirtschaft, Wasser und Gesundheit.

Der Bachlauf der Twiste wurde in Volkmarsen im Bereich des Stadtbruchs renaturiert und deutlich verbreitert. Dabei wurden Retentionsfläche für Wassermassen geschaffen, die bei Starkregenereignisse die Altstadt von Volkmarsen bedrohen. Das Projekt des Hessischen Wasserverbands Diemel wurde zu 100 Prozent mit Landesmitteln finanziert. Es dient dem Hochwasserschutz und der Verbesserung der natürlichen Lebensbedingungen von Flora und Fauna. Das Foto entstand bei einem Behördentermin zur Fertigstellung.

Vorbereiten auf Starkregen: Der Bachlauf der Twiste wurde bei Volkmarsen renaturiert, um Wassermassen bei Unwettern zurückzuhalten. © Elmar Schulten

Vorhaben im Überblick:

Gesundheit:

Katastrophenschutz:

Tourismus:

Industrie und Gewerbe:

Landwirtschaft:

Naturschutz:

Wasser:

Stadtentwicklung:

Wald- und Forstwirtschaft:

Verkehr:

Klimamanagement

Die Klimaanpassung ist in der Kreisverwaltung strukturell und personell verankert durch das Klimaanpassungsmanagement im Fachdienst Umwelt. Es ist zentrale Anlaufstelle für Kommunen, Bürger und Unternehmen und wird als „Träger öffentlicher Belange“ in die Bauleitplanung eingebunden. Es kümmert sich um eine kreisweite digitale Plattform mit allen raum- und klimarelevanten Daten und um Klimabildung für Jung und Alt.