Kreistag stimmt für drei Elektrobusse bis 2030 – nur AfD dagegen


Stand: 05.10.2026, 08:00 Uhr

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Schulung des KVG-Busfahrpersonals Busfahrer für vollelektrische Busse im Linienverkehr, E-Bus, E-Busse, Elektrobus, KVG Kassel

Unter Strom: Bislang verkehren im NVV-Gebiet 16 Elektrobusse. Einer in Melsungen, drei in Eschwege und zwölf im Kasseler Stadtgebiet. © Fischer, Andreas

Der Landkreis Kassel soll bis Ende 2030 mindestens drei Linienbusse mit reinem Elektroantrieb bekommen. Geprüft wird auch, ob zusätzlich zwei Wasserstoffbusse getestet werden können.

Kreis Kassel – Bald könnten auch im Landkreis Kassel Busse mit Elektroantrieb fahren. Dafür hat sich der Kreistag mit großer Mehrheit in Vellmar ausgesprochen. Lediglich die AfD war dagegen.

Wasserstoffbusse sind am teuersten

Ein herkömmlicher Bus mit Diesel-Antrieb kostet laut NVV 300.000 bis 500.000 Euro. Weil die Hersteller künftig fast nur noch auf Elektrobusse setzten und Dieselbusse nur noch in kleineren Mengen hergestellt würden, stiegen die Preise. Die Anschaffungskosten für einen E-Bus belaufen sich auf 600.000 bis 800.000 Euro. Am teuersten sind Busse, die mit Wasserstoff fahren: 700.000 bis 1 Million Euro.

„Unser Geldbeutel leidet darunter, dass ein Präsident der Meinung ist, ein viele tausend Kilometer entferntes Land angreifen zu müssen“, sagte Malte Fehling von den parteiunabhängigen Freien Wähler Landkreis Kassel mit Blick auf den Irankrieg und die daraus resultierende Sperrung der Straße von Hormus. Um sich von den hohen Spritkosten unabhängiger zu machen, sollen spätestens bis Ende 2030 drei Linienbusse mit reinem Elektroantrieb im Kreisgebiet unterwegs sein, wenn sich das wirtschaftlich darstellen lässt. Der Strom dafür soll möglichst auf kreiseigenen Flächen mithilfe von PV-Anlagen erzeugt werden. Zudem soll der Kreisausschuss prüfen, ob bis dahin auch zwei Wasserstoffbusse getestet werden können. Fehlings Vorschlag fand bei den anderen Fraktionen Anklang. Nur bei der AfD nicht. „Derartige Vorgaben lehnen wir aus Überzeugung ab“, sagte Volker Richter.

Der NVV besitzt selbst keine Busse, sondern hat 14 Busunternehmen damit beauftragt, die Linien entlang der 5600 Bushaltestellen zwischen Willingen und Wanfried zu betreiben. Aktuell sind auf den 290 Buslinien im NVV-Gebiet mehr als 600 Busse und 30 Kleinbusse im Einsatz. „97 Prozent der Fahrzeuge sind noch mit Diesel-Antrieb unterwegs“, sagt NVV-Sprecherin Judith Féaux de Lacroix. Bislang seien 16 E-Busse im Einsatz: einer in Melsungen, drei in Eschwege und zwölf im Kasseler Stadtgebiet. Künftig werden es mehr werden, kündigt die Sprecherin an: „Den gesetzlichen Vorgaben zufolge muss der Anteil der emissionsfreien Busse deutlich erhöht werden.“

Im NVV-Gebiet betrifft dies zunächst Verträge in den Landkreisen Kassel, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg, die in den kommenden Jahren neu ausgeschrieben werden. „In diesen neuen Verkehrsverträgen wird der NVV festschreiben, wie hoch der Anteil an elektrifizierten Fahrzeugen in den Flotten der Unternehmen künftig sein soll.“

Die bisherigen Erfahrungen mit elektrifizierten Bussen fallen beim NVV positiv aus. Besonders höben die Fahrer demnach den hohen Fahrkomfort und den deutlich geringeren Lärm während der Fahrt hervor. Bei Tests habe sich gezeigt, dass auch die Reichweite trotz der anspruchsvollen nordhessischen Topografie kein Gegenargument mehr ist. „Ein Testbus fuhr mit einer Ladung bis zu viermal von Eschwege nach Kassel und zurück“, sagt die NVV‑Sprecherin. Das entspreche einer Gesamtstrecke von rund 500 Kilometern. Wasserstoffbusse gibt es hingegen keine im NVV-Gebiet. Diese seien deutlich teurer und „der für die Emissionsvorgaben erforderliche grüne Wasserstoff ist in größeren Mengen in der Region nicht verfügbar“, so Féaux de Lacroix.