Lange Nacht der Demokratie: Deutschland-Wissen auf Probe – Hätten Sie den Einbürgerungstest geschafft?
Lange Nacht der Demokratie Deutschland-Wissen auf Probe – Hätten Sie den Einbürgerungstest geschafft?
Saarbrücken · Von der ersten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland bis zum Wappen von Niedersachsen: Die Fragen für den deutschen Einbürgerungstest sind bunt gemischt. Bei der „Langen Nacht der Demokratie“ hatten Besucher die Möglichkeit zu testen, ob sie die Prüfung bestehen würden.
05.10.2026 , 08:00 Uhr
Einbürgerungstest auf Probe: Die Teilnehmenden vertiefen sich in die Fragebögen.
Foto: Sabrina Ranaldi
Setzen sich zwei Anzugträger, ein Brasilianer und eine Rothaarige an einen Tisch: Was wie der Anfang eines alten Witzes wirkt, ist in Wirklichkeit eine Veranstaltung für politische Bildung. Denn in Saarbrücken läuft die „Lange Nacht der Demokratie“. Als einer der Programmpunkte hat Gerhard Zägel eine Simulation organisiert: In einem Raum der Volkshochschule können Freiwillige einen Bogen mit 33 Fragen beantworten, die aus dem Katalog für den deutschen Einbürgerungstest stammen.
„Insgesamt gibt es 279 Fragen. Die Themen sind allgemeinpolitisch, geschichtlich oder es geht um die einzelnen Bundesländer“, erklärt Zägel. Für den echten Test würden 33 Fragen querbeet ausgewählt werden, von denen 17 richtig beantwortet werden müssten, um zum Bestehen. Normalerweise gibt der ehemalige Polizist einen Vorbereitungskurs zu der Prüfung an der Volkshochschule. „Ich gebe den Leuten immer auch die nötigen Hintergründe mit. Das heißt, das ist bei uns kein starres Auswendiglernen, sondern man lernt auch, warum etwas so ist“, erläutert der Dozent das Konzept.
Gerd Zägel war früher Polizist und ist heute Dozent bei der VHS.
Foto: Sabrina Ranaldi
Mit der Teilnahme bei der „Langen Nacht der Demokratie“ möchte er denen einen Testlauf ermöglichen, die bald die Prüfung ablegen. Aber das ist nicht die einzige Zielgruppe: „Ich möchte auch, dass diejenigen, die sich nicht trauen, den Test abzulegen, es mal versuchen können. Weil viele, die Hemmungen haben, könnten ihn mit Bravour bestehen“, findet Zägel.
Zu der Simulation ist auch Antonio Heck Del Jesus gekommen. Der 26-jährige Saarbrücker aus Brasilien möchte bald den Einbürgerungstest ablegen. „Gelernt habe ich noch nicht. Aber eigentlich habe ich ein gutes Gefühl dabei“, sagt er. Freunde leisten ihm beim Probeversuch Gesellschaft. Während sie sich entspannt im Stuhl zurücklehnen und die meisten Fragen intuitiv und schnell beantworten, denkt Antonio angestrengt nach. Er lehnt sich in seinem Stuhl nach vorne und blättert hin und wieder durch die Seiten, bis er nach einer halben Stunde den Stift aus der Hand legt.
Der Dozent hat vorab 33 Fragen ausgewählt, welche die Teilnehmenden beantworten. Ansonsten sind die Tests immer unterschiedlich.
Foto: Sabrina Ranaldi
Dann kommt der Moment der Auswertung. Im Kursraum herrscht heitere Stimmung, außer bei Antonio, der etwas angespannt auf seinen Bogen schaut. Zägel geht nacheinander die Fragen durch, während die Teilnehmer die Punkte abhaken oder anstreichen. Man fühlt sich ein wenig in die Schulzeit zurückversetzt, ähnlich wie beim Besprechen einer Klassenarbeit. Nach den ersten 17 Fragen reißt ein erster Teilnehmer die Hand in die Luft. „Bestanden!“, freut er sich. Doch obwohl in dieser Runde mit einer Ausnahme keiner außer Antonio diesen Test ernsthaft macht, hat jeder mindestens eine Frage falsch. Am häufigsten nicht richtig: „Was gehört in Deutschland nicht zur Exekutive? Die Polizei, die Gerichte, das Finanzamt oder die Ministerien?“
Trotzdem fällt in diesem Testlauf keiner durch. Antonio hätte diesen Einbürgerungstest mit 24 richtigen Antworten bestanden. Seine Freunde haben meistens 30 bis 32 richtige Antworten, außer einer Freundin, welche die gleiche Punktzahl hat.
Zägel findet, dass es mit einem Einbürgerungstest alleine nicht getan ist: „Wer hierher kommt, sollte Bescheid wissen über wichtige deutsche Gesetze und das Leben in Deutschland allgemein. Eben auch, wie man sich richtig verhält.“ Das sei nicht immer einfach: „Unter Umständen kommt jemand, der einen Einbürgerungstest macht, aus einem Kulturkreis, der anders ist. Dann eckt er bei seinen Mitbürgern an, ohne zu wissen warum“, schildert der Dozent die Problematik. Für das soziale Miteinander gibt es Integrationskurse an der Volkshochschule, die in der Regel kostenlos sind. „Hier kann man lernen, welche Umgangsformen es gibt, wie man eine Arbeit findet, aber auch welche Rechte und Pflichten ich in Deutschland habe, wenn ich arbeite“, erklärt er.
Der Einbürgerungstest ist laut Zägel unmittelbar mit der Demokratie verknüpft: „Das Wissen hilft, sich in der Demokratie zurechtzufinden. Zu erkennen, dass Demokratie notwendig ist, aber nie von Fehlern befreit.“ Besonders gut sei das Wissen angekommen, wenn man gelernt habe, es für sich und seine Mitmenschen zu nutzen: Die Demokratie so zu nutzen, dass am Ende alle zufrieden sind. Und man erkennen kann, dass man selbst, das System und andere Fehler haben, aber man trotzdem miteinander auskommt. (oli)