Waldbrand Frankreich: „Kriegsähnliches Szenario“ – Das steckt hinter der Feuerwolke


Die Lage in Südeuropa ist angespannt. Nach Frankreich und Spanien sind nun auch Waldbrände in Italien und Portugal ausgebrochen. Mehrere Hunderttausende Menschen mussten bereits vor den Flammen evakuiert werden. Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu gibt in einem aktuellen Post auf der Online-Plattform X an, dass allein in Frankreich bereits 116.085 Hektar wegen der Waldbrände verbrannt sind. Seit Januar seien im Land insgesamt 13.566 Brände verzeichnet worden. 

Eine Verbesserung der Lage ist derzeit nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der Wetterdienst warnt vor einer weiteren Hitzewelle. Dadurch dürfte sich die Trockenheit weiter zuspitzen, was die Löscharbeiten erschwert. Dabei sind die Einsatzkräfte in Frankreich ohnehin schon einer Extremsituation ausgesetzt. Der Grund: Der Großbrand hat einen sogenannten Pyrocumulonimbus hervorgerufen – auch Feuerwolke genannt.

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Feuerwolke in Frankreich: Naturphänomen erschwert Löscharbeiten

Dahinter steckt kurz gesagt eine Wolke, die ihre eigenen Winde erzeugt und Blitze mit sich bringt. Diese können wiederum weitere Brände auslösen. „Es ist ein David-gegen-Goliath-Szenario“, hat der Sprecher des französischen Feuerwehrverbands Eric Brocardi die Lage erklärt. Die Feuerwolke gilt als gigantisch und unbezähmbar. Die Einsatzkräfte würden laut Brocardi auf eine „Schwachstelle“ hoffen, an der sie ansetzen können.

Informationen der Feuerwehr zufolge ist es das erste Mal, dass eine Feuerwolke in Frankreich auftritt. Bisher ist ein solches Phänomen vor allem aus den USA und Australien bekannt, wie der „Guardian“ schreibt. Wie mehrere Medien berichten, wütete 2020 eine Feuerwolke bei den verheerenden Waldbränden in Kalifornien. Der Rauch zog damals bis nach Deutschland.

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Feuerwolken treiben Brände an und erzeugen eigene Gewitter

Pyrocumulonimbus, oder auch Cumulonimbus flammagenit, entstehen, wenn sich bodennahe Luft so stark erhitzt, dass sie schnell zusammen mit Rauch, Wasserdampf und Asche aufsteigt. Das können auch mal mehrere Kilometer bis in die Stratosphäre sein. Dort trifft das Gemisch auf kühlere Luftmassen und erzeugt ein eigenes Wettersystem mit starken Winden, die das Feuer weiter anheizen.

Oft schießen sogar Blitze aus der Wolke zu Boden und es entsteht ein grollendes Geräusch. „Ihre Blitze schlagen teilweise in über 30 Kilometern Entfernung zum ursprünglichen Brandherd ein“, heißt es in einem Fachartikel von „National Geographic“. Von der Nasa werden Feuerwolken auch als feuerspeiende Drachen bezeichnet. Im Gegensatz zu anderen Gewitterwolken sind Feuerwolken auch nicht weiß, sondern haben eine gräuliche oder braune Farbe.

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Neben der Zerstörung haben Feuerwolken oder Feuerstürme vor allem gesundheitliche Folgen als Auswirkung. Weil die schon bestehenden Feuer nochmals angefacht werden, entsteht zusätzlicher Rauch, der vor allem den Atemwegen und dem Herz-Kreislauf-System schaden kann.

In der Nähe der Halbinsel Lege-Cap-Ferret im Südwesten Frankreichs mussten Zehntausende Menschen ihre Häuser verlassen.

In der Nähe der Halbinsel Lege-Cap-Ferret im Südwesten Frankreichs mussten Zehntausende Menschen ihre Häuser verlassen. © AFP | Julien de Rosa

Feuersturm in Frankreich erschwert Einsatz

Wie Eric Brocardi erklärt, sei der in Frankreich entstandene Feuersturm auch nicht unter Kontrolle zu bringen. Grund dafür sei, dass die Winde, die in der Feuerwolke entstehen, immer wieder ihre Richtung wechseln. „Die Folge ist, dass es sich in alle Richtungen ausbreitet und mehrere Feuerfronten bildet, was die Lage völlig unberechenbar macht.“

„National Geographic“ beschreibt, dass sich aus Feuerwolken sogar sogenannte Feuertornados entwickeln können. Diese kämen zwar selten vor, seien aber umso gefährlicher. Daher wird ein solcher Tornado auch als Feuerteufel bezeichnet. Dahinter stecken laut „Spektrum der Wissenschaft“ kilometerhohe brennende Säulen mit der Windstärke eines Tornados. Ein großes Problem sei, dass Feuertornados praktisch nicht vorhersehbar seien.

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Für Frankreich gibt es laut Eric Brocardi derzeit zwei mögliche Szenarien, wie es mit den Waldbränden und der Feuerwolke weitergehen könnte. Entweder es kommt Regen auf, „wobei es drei Tage lang heftig schütten müsste“. Oder „wir finden einen Weg, das Feuer an einen Ort zu lenken, an dem es von selbst erlischt – zum Beispiel am Meer“. Vor allem Ersteres scheint mit Blick auf die angekündigte Hitzewelle aber unwahrscheinlich. Regen ist für die kommenden Tage keiner angesagt.

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Bei der Feuerwolke im Südwesten Frankreichs könnten sich die Feuerwehrleute daher nur noch zurückziehen, sagt Brocardi. „Wir müssen anerkennen, dass sich diese Naturgewalt unserer Kontrolle entzieht. Es ist ein kriegsähnliches Szenario, bei dem wir ständig unter Beschuss sind und uns alle in Sicherheit bringen müssen.“ Dann helfe nur „Stoizismus“, erklärt Brocardi. Außerdem könne die Feuerwehr neben der direkten Brandbekämpfung viel tun – etwa strategisch wichtige Punkte verteidigen und Tiere vor den Flammen in Sicherheit bringen.

mit dpa und AFP