Kultusminister kommt nach Brief über Ehrenamt ans WEG nach Büdingen


Stand: 29.08.2026, 07:00 Uhr

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Lehrerin Vanessa Grün und die Demokratiewerkstatt des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums Büdingen.

Lehrerin Vanessa Grün und die Demokratie-Werkstatt des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums Büdingen. © Matthias Boll

Das Wolfgang-Ernst-Gymnasium hat dem Kultusminister einen Brief geschrieben – über fest etablierte Ehrenamt-Projekte statt Aktionstag. Armin Schwarz kam daraufhin im Rahmen seiner „Wertvoll-Tour" persönlich vorbei.

Büdingen – Am 23. Mai feierte Deutschland erstmals den „Ehrentag“, einen bundesweiten Mitmachtag zum Geburtstag des Grundgesetzes. Das Kultusministerium hatte Schulen dazu aufgerufen, sich daran zu beteiligen. Am Wolfgang-Ernst-Gymnasium (WEG) stieß diese Idee jedoch auf wenig Gegenliebe – aus einem einfachen Grund: „Bei uns ist das Ehrenamt kein einmaliger Aktionstag, sondern ein fester Bestandteil unseres Schulalltags“, betonte Lehrerin Vanessa Grün am Donnerstag.

Kultusminister Armin Schwarz und Schulleiter Oliver Eissing

Schulleiter Oliver Eissing (rechts) begrüßt Kultusminister Armin Schwarz. © Matthias Boll

Deshalb hatten Jan Eckhardt, der zusammen mit Annika Grubbe die Demokratie-Werkstatt leitet, und Schulleiter Oliver Eissing die Idee, dem Kultusminister einen Brief zu schreiben. Darin zeigte die Schule auf, welche fest etablierten Projekte zum Thema Ehrenamt es bereits am WEG gibt. Das fand der Minister offenbar so bemerkenswert, dass er mit einem Besuch im Rahmen seiner „Wertvoll-Tour“ seine Wertschätzung zeigen wollte.

Ehrenamt und Schule

„Das Ehrenamt ist mir sehr wichtig“, betont Malin Ungermann, die im Sommer ihr Abitur am WEG gemacht hat, im Gespräch mit dieser Zeitung. Da sie sich bereits im Bereich des Kinderturnens und der Leichtathletik, in der Kinder- und Jugendarbeit der Kirchengemeinde sowie im Kirchenvorstand engagierte, bedurfte es zunächst der Überredungskunst einer Freundin, sich vor rund zwei Jahren auch noch der Demokratie-Werkstatt anzuschließen. „Es ist ein spannendes und wichtiges Thema, deshalb bin ich auch dabeigeblieben.“ Sicherlich sei es manchmal herausfordernd gewesen, Schule und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen. „Aber wenn man es wirklich will, schafft man das auch“, so die Schülerin. Mia Harris, Schülerin der E-Phase, ist seit mehr als einem Jahr Teil der Demokratie-Werkstatt. Sie ist durch den Unterricht auf das Projekt aufmerksam geworden – und geblieben, weil das Konzept sie überzeugt. „Mitbestimmung ist in der Demokratie sehr wichtig – und genau das macht auch die Demokratie-Werkstatt aus“, erklärt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Unverzichtbarer Einsatz fürs Freibad

Wie tief verankert das Ehrenamt am Büdinger Gymnasium ist, wurde Schwarz anhand von vier Beispielen aus der Schulgemeinschaft eindrucksvoll vor Augen geführt. Jüngste Säule ist das neue Wahlfach „Feuerwehr, Katastrophen- und Zivilschutz“ für die Jahrgangsstufen 9 und 10, das in Kooperation mit der Akademie der Feuerwehr Frankfurt und der Freiwilligen Feuerwehr Büdingen angeboten wird. „Über 40 Schülerinnen und Schüler haben sich gleich zu Beginn dafür eingeschrieben – ein voller Erfolg“, freute sich Grün. Der Leitgedanke: Katastrophenschutz beginne damit, dass die Menschen wüssten, was in einem solchen Fall zu tun sei. „Wir bereiten auf das echte Leben vor – das liegt uns ganz besonders am Herzen.“

Seit dem Schuljahr 2022/2023 bildet das WEG in Kooperation mit der DLRG Schüler zu Rettungsschwimmern aus – in unzähligen Zusatzstunden, oft spätabends und am Wochenende, mit Unterstützung der DLRG-Ortsgruppe Gelnhausen. „Ohne unsere ausgebildeten jungen Retterinnen und Retter könnte das Freibad Büdingen seinen Betrieb kaum aufrechterhalten“, betonte Eckhardt in Vertretung des verhinderten Kollegen Fabian King. Manche der Schüler würden sogar eine Woche lang Verantwortung im Zentralen Wasserrettungsdienst an der Ostseeküste übernehmen – eine wertvolle Erfahrung, wie der Kultusminister aus eigener Erfahrung später berichten konnte.

Bereits vor mehr als neun Jahren wurde die Demokratie-Werkstatt eröffnet. Sie bietet Schülern die Möglichkeit, sich mit politischer Bildung zu beschäftigen. Erst im Januar hatten Schüler ehrenamtlich engagierte Menschen aus der Region eingeladen, in einem Workshop über den Bau von Spielplätzen, die Renovierung eines Jugendraums oder die Gestaltung des Backhauses als neuen Dorfplatz zu berichten. Zuletzt organisierten die 20 Schüler in Kooperation mit dem Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt zum „Ehrentag“ am 23. Mai einen Vortrag über das Grundgesetz und das Ehrenamt.

Im Arbeitskreis der „Blue Community“ der Stadt Büdingen sind Schüler und Lehrkräfte ehrenamtlich aktiv. „Wir sind weltweit die erste Blue-Community-Schule, weil wir uns entschieden haben, das Menschenrecht auf sauberes Wasser und den Zugang zu sanitären Anlagen in unser Grundgesetz des WEGs aufzunehmen“, sagte Eckhardt. Der Zusammenhang zur Demokratie-Bildung und vielen weiteren Schulfächern sei dabei ein wesentlicher Aspekt.

Demokratie-Werkstatt, Blue Community, DLRG und Feuerwehr – diese ganz unterschiedlichen Bereiche bildeten einen gemeinsamen Kern. „Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler bewusst mit der realen Welt in Verbindung bringen und ihnen zeigen, wie wichtig Engagement für die Gemeinschaft ist – und zwar mit echter Verantwortung und nicht nur als Simulation“, sagte Eckhardt. Der Besuch des Ministers sei daher ein Signal, das „ehrenamtlichen Einsatz an Schulen sichtbar“ mache und zugleich zeige, „dass wir auf dem richtigen Weg sind“.

Jan Eckhardt.

Jan Eckhardt stellt die Demokratie-Werkstatt vor. © Matthias Boll

Ehrenamt als Kitt der Gesellschaft

Zuvor hatte Armin Schwarz in seinem Grußwort die Bedeutung des Ehrenamts als „Kitt der Gesellschaft“ betont, ohne den Städte und Landkreise nicht funktionieren würden. Umso bedeutender sei die wertvolle Arbeit des WEGs zur Vermittlung von Werten und zur Stabilisierung der Demokratie. „Es ist wichtig, dass Ehrenamt schon in der Schulzeit beginnt und nicht erst danach“, betonte der Kultusminister.

Zu Beginn hatte Schulleiter Eissing nach einer musikalischen Einstimmung durch den Mittelstufenchor den Minister und die weiteren Gäste begrüßt. Den Abschluss bildete ein Rundgang durch das Gymnasium inklusive der Vorstellung des neuen Unterrichtskonzepts „Selma“ (selbst gesteuertes Lernen) für die Fünftklässler.