Kürzere Ferien? „Neun Wochen Auszeit vom Schulwahnsinn tun allen gut“
Wirtschaftskammer-Präsidentin Martha Schultz fordert sechs statt neun Wochen Sommerferien, Bildungsminister und Lehrergewerkschaft lehnen das ab. Das Kleine-Zeitung-Forum ist gespalten. Was denken Sie?
Neun Wochen Sommerferien liegen hinter uns – am Montag geht es auch für Schülerinnen und Schüler im Westen und Süden Österreichs zurück ins Klassenzimmer. Wirtschaftskammer-Präsidentin Martha Schultz (ÖVP) hat mit ihrer Forderung, die Sommerferien von neun auf sechs Wochen zu verkürzen, eine häufig geführte Diskussion erneut angestoßen. Sie sehe darin vor allem eine „Verbesserung für die Frauen“ und „diejenigen, die Kinder haben und Betreuungspflichten übernehmen müssen“, erklärte Schultz in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) erteilte dem Vorschlag prompt eine Absage: „Kinder und Jugendliche brauchen ausreichend Zeit im Sommer, um Kraft und Energie für das neue Schuljahr zu tanken“, teilte er der APA mit. Durch die Sommerschule und Sommercamps könne man die Betreuung für Erziehungsberechtigte erleichtern. Laut der Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer sei „bis heute kein wissenschaftlich belegtes Konzept bekannt, das pädagogische Vorteile für unsere Kinder und Jugendlichen“ durch eine Verkürzung der Sommerferien bringen würde.
Schüler haben mehr Ferien als Eltern Urlaub
In der Frage, ob kürzere Ferien im Sommer sinnvoll sind, ist auch das Kleine-Zeitung-Forum uneins. „Steirerbua2020“ unterstützt den Vorschlag der WK-Präsidentin: „Gerade für Alleinerziehende ist die derzeitige Ferienregelung beinahe unmachbar. Bei gerade mal fünf Wochen Urlaub müssen Großeltern, Bekannte und vor allem die Sommerbetreuung aushelfen, dass sich das ausgeht. (...) Mehr Tage Anwesenheit in der Klasse und dann sollte es auch mit der PISA-Studie wieder aufwärts gehen…“
Es wird vorausgesetzt, dass Großeltern Zeit haben und uns Eck wohnen, oder wie?
— User „smotron1“
Auch „smotron1“ sieht hier ein Ungleichgewicht: „16 oder wie viele Wochen frei haben Kinder im Jahr? Fünf Wochen Urlaub haben Erwachsene pro Jahr. Muss halt dann auch jemand erklären, wie das zusammengehen soll. Es wird vorausgesetzt, dass Großeltern Zeit haben und uns Eck wohnen, oder wie?“ „Jeder arbeitende Mensch mit schulpflichtigem Nachwuchs sollte eigentlich jubeln“, schreibt „theissue“.
„Wir erleben Ferienwahnsinn“
„Selbst wenn sich Mütter und Väter die Betreuung 50:50 aufteilen, gibt es noch immer Wochen, die keiner betreuen kann, weil es mehr Schulferien gibt, als die Eltern an Urlaub zur Verfügung haben“, kommentiert auch „SagServus“. Eigene Erfahrungen schildert „ChristianSoell“: „Wir in unserer Familie zum Beispiel erleben einen Ferienwahnsinn. Auch die Kinder, die einfach irgendwohin geschoben werden müssen, Hauptsache, sie werden betreut. Da dann lieber mehr Zeit für Unterricht – damit verteilt sich der ‚Schulwahnsinn‘ immerhin auf mehr Wochen.“
Schule müsse wieder als positiver Ort gesehen werden, erklärt „Vox“: „Natürlich brauchen Kinder freie Zeit und Erholung. Aber wochenlange Ferien sind nicht automatisch mehr Freiheit, besonders wenn beide Eltern arbeiten und Betreuung zum Problem wird. Eine moderne Gesellschaft sollte deshalb beides ermöglichen: echte Ferien und attraktive, freiwillige Betreuungsangebote.“
„Ferienzeit ist Konsumzeit“
Ganz anders sehen das User wie „Olioli“: „Primär geht‘s noch immer um die Schüler und uns Eltern – also nicht um Lehrer. Die neun Wochen Auszeit vom Schulwahnsinn tun allen gut. Ich sehe es in unserer Familie.“ „Ferien sind durchaus zeitgemäß, um nicht zu sagen unabdingbar. Ich vernahm schon Klagen von der Tourismusindustrie, die der Kürzung sehr kritisch gegenübersteht. Ferienzeit ist Konsumzeit!“, kommentiert „Ronin“.
Ja, es ist schwierig zu organisieren. Aber schaffbar.
— User „chrissichris“
„Peso“ befürchtet ebenfalls, dass sich eine Kürzung der Sommerferien negativ auf den Tourismus auswirkt: „Dann verkürzt sich die Urlaubsreisezeit mit Kindern gleich einmal um drei Wochen, d. h., es schoppt sich dann ein wenig in den verbleibenden 6 Wochen und der Tourismuswirtschaft fehlen aber diese Wochen dann. Herrlich, so wird von der Wirtschaftskammer Wirtschaft betrieben.“
Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung lässt „chrissichris“ nicht als Argument gelten: „Ja, es ist schwierig zu organisieren. Aber schaffbar. Tatsächlich sind es sieben Wochen Ferien – die Sommerschule ist flächendeckend und gratis, in ganz Österreich. Und lassen Sie doch unseren Kindern das kleine bisschen Freiheit, das sie wirklich haben. (...) Und wir alle haben die Ferien schon genießen dürfen.“
Es wird immer heißer und die WKÖ-Chefin will die Sommerferien verkürzen
— User „Georgkury“
Wie umgehen mit der Hitze?
Nach einem Sommer mit Rekordtemperaturen führt „Georgkury“ die Hitze ins Treffen: „Es wird immer heißer und die WKÖ-Chefin will die Sommerferien verkürzen, damit die Kinder dann bei 40 Grad im Klassenzimmer sitzen müssen. Die Erderhitzung ist in den Köpfen der Kammer-Funktionäre noch nicht angekommen.“
Hier schlägt „Osttirol2016“ eine Verschiebung statt einer Verkürzung vor: „Ich selbst kann einfach nicht nachvollziehen, warum die Ferien nicht wenigstens zwei Wochen vorverlegt werden können. Ich sehe das bei meinen Kindern bzw. deren Lehrern, die Ende Juni, Anfang Juli bei größter Hitze und geöffneten Schwimmbädern nicht mehr wissen, wie sie die Zeit nutzen sollen bzw. welche Alibitätigkeiten sie anwenden sollen.“