Lachsfänge in Russland brechen ein – roter Kaviar könnte bis Neujahr 471 Prozent teurer werden
Stand: 08.10.2026, 14:06 Uhr
Kommentare

Im russischen Fernen Osten fällt die Lachssaison so schlecht aus wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wärmere Meere, veränderte Fischwanderungen und neue Raubfische belasten die Bestände.
Moskau – In Russland droht ein drastischer Preisanstieg bei rotem Kaviar. Bis zum Jahreswechsel könnte ein Kilogramm roter Kaviar zwischen 30.000 und 40.000 Rubel kosten, umgerechnet etwa 314 bis 418 Euro. Ende des vergangenen Jahres lag der Preis noch bei rund 7.000 Rubel, umgerechnet etwa 73 Euro. Im teuersten Fall wäre das ein Anstieg um rund 471 Prozent. Das berichtet Moskva 24.
Hintergrund ist eine außergewöhnlich schwache Lachssaison im Fernen Osten Russlands. Gleichzeitig verändern steigende Meerestemperaturen und neue Raubfische die Bedingungen in den traditionellen Fanggebieten.
Schlechteste Saison seit Jahrzehnten
Bis Anfang Oktober fingen Fischer im russischen Fernen Osten rund 100.000 Tonnen Lachs. Das entspricht nur etwa einem Drittel der Vorjahresmenge. Nach Angaben der Zeitung Moskovskaya Pravda ist es die schlechteste Saison seit 30 bis 40 Jahren. Besonders stark betroffen ist der Buckellachs. An der Kolyma erreichten die Fänge lediglich 13 Prozent der ursprünglich erwarteten Menge. In der Region Magadan wurde erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen mehr Ketalachs als Buckellachs gefangen.
Auch die Größe der Fische fällt ungewöhnlich aus. Die Biologin Olga Maznikova vom Allrussischen Forschungsinstitut für Fischerei und Ozeanografie (VNIRO) berichtete, dass zahlreiche Lachse mit einem Gewicht von nur 800 bis 900 Gramm zurückkehrten. Zudem gerieten ungewöhnlich viele junge Buckellachse zu Beginn ihrer Wanderung in die Fischernetze, statt in den offenen Ozean zu ziehen.
Wärmere Meere verändern Fischbestände
Wissenschaftler sehen in den steigenden Meerestemperaturen eine wichtige Ursache für die Veränderungen. Die durch El Niño beeinflusste Erwärmung könnte die Wanderungen der Lachse verschieben und ihre Bestände verringern.
Ein weiteres Problem ist der schwächere Auftrieb von nährstoffreichem Tiefenwasser. Dadurch gelangen weniger Nährstoffe in die oberen Wasserschichten, was die Entwicklung von Plankton beeinträchtigen kann. Plankton bildet eine wichtige Nahrungsgrundlage für Lachse. Besonders im zweiten Lebensjahr benötigen die Fische ausreichend Nahrung, um schnell an Gewicht zuzulegen.
Gleichzeitig treten neue Raubfische in nördlicheren Gewässern auf. Nach Angaben von Maznikova wurden Blauflossenthunfische erstmals in den Gewässern der Regionen Chabarowsk und Kamtschatka gefangen. Auch ein ungewöhnlich starkes Auftreten von Haien in traditionellen Lachsfanggebieten wurde gemeldet. Weitere Quellen: Sibirskiy Delovoy Portal, Moskovskaya Pravda.