Lage im Südlibanon: Am wahrscheinlichsten scheinen Dauerpräsenz oder Bürgerkrieg


Obwohl Israel und der Libanon sprechen, scheint ein Verhandlungserfolg unwahrscheinlich. Unabhängig vom Ausgang ist der Südlibanon der Leidträger.

D ie israelische Armee gräbt sich im Südlibanon ein – und zerstört die Lebensgrundlagen der Menschen dort auf Dauer. Es verwundert, wie mager die internationalen Reaktionen darauf ausfallen.

Denn das Ganze findet nicht im Geheimen statt. Israels Verteidigungsminister Israel Katz nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er über den Libanon spricht. Im israelischen Fernsehsender Channel 14 erklärte er, dass seine Armee 700 Quadratkilometer Territorium erobert habe.

Das Problem ist nicht nur, wie viel libanesischen Boden die israelische Armee im Libanon besetzt, sondern auch, was sie sonst dort anrichtet. Stolz verkündete Katz, dass dort 24 Dörfer dem Erdboden gleichgemacht wurden. Dort stünde nichts mehr, keine Häuser, hatte der Verteidigungsminister schon im Juni erklärt, wohin die 200.000 Libanesen zurückkehren könnten. Außerdem habe er die Armee angewiesen, im Südlibanon so viele Militärbasen wie nötig zu bauen, um „wenn es sein muss, 50 Jahre dort zu bleiben“.

Die israelische Tageszeitung Ha’aretz hat sich die israelische Präsenz im Libanon genauer angesehen. Sie spricht von sieben israelischen Militärbasen und Dutzenden Kilometern für die Armeelogistik, unter anderem für neue Straßen, die dort gebaut wurden.

Israel zweifelt am Verhandlungserfolg

So geht keine Armee vor, die vorhat, sich zeitnah wieder zurückzuziehen. Es scheint, als würde die israelische Regierung nicht wirklich an einen Erfolg der Verhandlungen glauben, die sie derzeit mit dem Libanon führt.

Das eigentliche Ziel dieser Verhandlungen ist, dass sich die israelische Armee aus besetzten Teilen des Libanon zurückzieht. Im Gegenzug sollte dort statt der Hisbollah die libanesische Armee die Kontrolle übernehmen. Das alles sollte scheibchenweise in kleineren Pilotzonen ausprobiert werden.

Die Hisbollah selbst verurteilte die Verhandlungen als „Schande, Demütigung, Enttäuschung und konstante Zugeständnisse“. Auch ist unklar, ob die Hisbollah dadurch tatsächlich geschwächt würde, denn sie verlöre zwar Teile ihres Aufmarschgebietes im Süden, könnte aber weiter unter den 200.000 Libanesen rekrutieren, die ihre Häuser im Süden verloren haben.

Es ist zudem unwahrscheinlich, dass die Hisbollah ihre Position als „Staat im Staat“ widerstandslos aufgeben wird. Daher gibt es eigentlich nur zwei Szenarien für die libanesische Zukunft. Erstens, und am wahrscheinlichsten: Dem libanesischen Staat gelingt es nicht, die Macht der Hisbollah wirklich und nachhaltig zu schwächen. Dann hätte die israelische Armee einen Vorwand, um lange Zeit im Südlibanon zu bleiben.

Zweitens: Der libanesische Staat unternimmt doch einen Versuch, ernsthaft gegen die Hisbollah vorzugehen – und sie zu entwaffnen. Das hätte wahrscheinlich einen innerlibanesischen Bürgerkrieg zur Folge. In beiden Szenarien – ob eine israelische Dauerpräsenz im Südlibanon oder ein Bürgerkrieg – wären die Libanesen die Verlierer.

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