Landschaftspflege mit Biss


Stand: 12.07.2026, 19:17 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Schäfer im Moor

Schäfer Heiner Hehmsoth spricht mit Interessierten über seine Arbeit und Herausforderungen. © Leipold

Die Schafe und Ziegen von Schäfer Heiner Hehmsoth gehen im Quelkhorner Moor Pfeifengras und Birken an die Wurzel, die dem renaturierten Moor das Wasser entziehen.

Quelkhorn – Mit einem kurzen Bellen treiben Border Collie Ina und Collie-Pudel-Mix Kalle die Schafe und Ziegen über den Weg auf die andere Seite im Quelkhorner Moor. Gemütlich weiden sie im Schatten der Bäume weiter. Das Pfeifengras steht hoch und ist ein Leckerbissen für die Tiere. 300 grau gehörnte Heidschnucken und 60 Ziegen werden zwei Wochen lang die Landschaft pflegen, sie von den sprießenden Birken und Kiefern befreien, damit die Heidesamen freie Flächen finden.

Heidschnucken weiden im Quelkhorner Moor

300 Heidschnucken weiden zwei Wochen lang im Quelkhorner Moor. © Leipold

Heiner Hehmsoth ist jedes Jahr mit seiner Herde in den Landkreisen Verden und Rotenburg sowie in Stade auf Naturschutzflächen und Deichen unterwegs. Eine Tätigkeit, die viel abverlangt und viel Leidenschaft benötigt, wie sich im Gespräch des Schäfers mit Interessierten zeigt. Der Verein für Klimaschutz (Ikeo), der das wiedervernässte Quelkhorner Moor pflegt, hat zu der Begegnung eingeladen.

„Bis jetzt hatten wir keine Berührungspunkte mit dem Wolf“, beantwortet Hehmsoth eine erste Frage. „Vermutlich ist das Glückssache.“ Um das Glück nicht herauszufordern, sind die Schafe im Nachtpferch auf der Fläche eines Landwirts gut gesichert. Erstmals sind auch zwei Herdenschutzhunde dort mit ihnen untergebracht. Ihr Bellen ist immer wieder zu hören. Ein Nachbar habe weniger Glück, vier Übergriffe in einem Jahr musste dieser verzeichnen.

Die Rudel seien unterschiedlich, das eine lasse die Tiere in Ruhe, das andere probiere alles Mögliche, um an die Tiere heranzukommen. „Es gibt Neugierige, die nach einer Lücke suchen.“ Eine Lösung für schafhaltende Betriebe sehe er darin, „wenn alles, was Probleme macht, entnommen wird und unproblematische Wölfe in Ruhe gelassen werden“.

Sieben bis acht Stunden weiden die Tiere im Moor, je nach Temperatur schon ab 5 Uhr morgens, damit sie ab der Mittagshitze gesättigt in ihren Pferch zurückkönnen. Für Hehmsoth geht die Arbeit weiter, Wasser muss unter anderem zu den Herden gebracht werden. Gut 600 Liter benötigen die rund 360 Tiere im Quelkhorner Moor. Bei solch hohen Temperaturen besteht zudem die Gefahr, dass die Schafe sich auf den Rücken legen, um sich zu kratzen. Doch oft können sie sich nicht zurückdrehen, was lebensbedrohliche Folgen haben kann. Deshalb werden die Herden mehrmals am Tag angefahren, um sie umzudrehen.

Insgesamt 1600 Heidschnucken und rund 120 Ziegen umfasst sein Bestand. Rund 80 Stunden pro Woche ist er auf den Beinen – seit zwei Jahren. Es sei schwer, Menschen zu finden, die der körperlichen und stressigen Arbeit gewachsen sind. Auch die Bezahlung von rund 15 bis 16 Euro die Stunde sei für die meisten nicht darstellbar, berichtet Hehmsoth.

50 bis 60 Prozent der betrieblichen Einnahmen stammen in seinem Fall aus EU-Fördergeldern, da auch extensive Bewirtschaftung und Artenschutz mitfinanziert würden. Deichverbände und die Untere Naturschutzbehörde zählen zu seinen Auftraggebern. Die Gelder dafür müssen jedoch jedes Jahr neu beantragt werden. „Es fließen Gelder, aber keiner weiß, in welcher Höhe und wann“, beschreibt er die aktuelle Situation. „Wir dürfen schon hüten, aber die Rechnung erst stellen, wenn das Geld da ist.“ Je nach Agrarpolitik seien die Landwirte die Gewinner oder Verlierer.

Geld, von dem die Schäferei immer mehr benötigt, vor allem aufgrund des Klimawandels. Im Moor zeige sich dieser an den Torfstichen, die so trocken sind, dass Birken und Kiefern sprießen und die Schafe dort mühelos weiden können. Die Ziegen schälen an jungen Bäumen die Rinde ab, sodass diese austrocknen. „Eine nachhaltige Methode, um die Bäume in den Griff zu bekommen.“

Doch die Tiere haben inzwischen vermehrt mit der Blauzungenkrankheit zu kämpfen. Allein 20.000 Euro musste Hehmsoth für die Impfstoffe gegen zwei Arten der Krankheit investieren, die Arbeit noch nicht eingerechnet. Kosten, die er vor zwei Jahren noch nicht gehabt habe. Der lange Winter erforderte zudem ein Verfüttern von 1200 Rundballen Heu im vergangenen Jahr, erklärt er. „Das wird sich vermutlich durch den Klimawandel erledigen.“ Nicht die Winterphasen, eher die Hitze werde zum Problem werden: „Der Klimawandel ist der größte Gegner von uns.“