Sachsen-Anhalt eine Woche vor der Wahl: Umfrage sieht AfD weiter klar vor CDU – aber ohne absolute Mehrheit
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD laut einer repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag von Tagesspiegel und ZDF weiterhin deutlich vor der CDU. Demnach kommt die AfD auf 40 Prozent, die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze liegen bei 23 Prozent.
Es folgen die Linke mit 13 Prozent, die SPD mit 9 Prozent und die Grünen mit 6 Prozent. Das BSW und die FDP würden mit jeweils 3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Die übrigen Parteien kämen zusammen auf 3 Prozent.
So viele Wähler sind noch unentschlossen
Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD laut Forschungsgruppe Wahlen ihr Ziel einer Alleinregierung verpassen. Je mehr Parteien den Sprung ins Parlament in Magdeburg schaffen, desto unwahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit für die AfD, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden ist. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt.
Koalitionen mit der AfD schließen die anderen Parteien aus. Denkbar ist eine von der Linken geduldete Minderheitsregierung aus CDU, SPD und Grünen.
Auch andere Institute sehen die AfD vorne
Der deutliche Vorsprung der AfD vor der CDU in der Umfrage deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. In einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD war die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zuletzt auf 42 Prozent gekommen. Die CDU lag dort bei 22 Prozent. Auch im Landtag gesehen wurden die Linke mit elf Prozent, die SPD mit acht Prozent und die Grünen mit sechs Prozent, FDP und BSW nicht.
Bei der Landtagswahl von 2021 in Sachsen-Anhalt kam die CDU auf 37,1 Prozent vor der AfD mit 20,8 Prozent. Die Linke erreichte 11,0 Prozent und die SPD 8,4 Prozent. Ebenfalls in den Landtag schafften es die FDP mit 6,4 Prozent und die Grünen mit 5,9 Prozent. Alle anderen Parteien erzielten zusammen 10,4 Prozent. In Magdeburg regiert seither eine Koalition aus CDU, SPD und FDP.
Hälfte wünscht sich CDU-Ministerpräsident
Bei der Frage, welche Partei die nächste Landesregierung anführen sollte, sprechen sich laut „Politbarometer“ 50 Prozent für die CDU und 35 Prozent für die AfD aus. Die bisherige Regierungsarbeit der CDU wird auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf mit einem leicht negativen Durchschnittswert von minus 0,6 bewertet, die Oppositionsarbeit der AfD mit minus 0,9.
Im Direktvergleich der Spitzenkandidaten käme Ministerpräsident Schulze bei einer hypothetischen Direktwahl auf 48 Prozent, für AfD-Herausforderer Siegmund würden sich 32 Prozent entscheiden. Eine Alleinregierung der AfD fänden 54 Prozent der Befragten schlecht und 30 Prozent gut. Allerdings glauben 48 Prozent an eine absolute AfD‑Mehrheit – 44 Prozent gehen nicht davon aus.
Die Forschungsgruppe Wahlen befragte für das „Politbarometer“ vom 25. bis zum 27. August insgesamt 1053 Wahlberechtigte. Demnach wissen 31 Prozent der Befragten noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen.
Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. (dpa/AFP)