„Längst in Niedersachsen angekommen“: Gefährliches Virus breitet sich aus – Es lauert in der Natur


Stand: 17.07.2026, 06:02 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Waldweg

Auch in Wäldern lauert die Gefahr, sich mit dem FSME-Virus anzustecken. (Symbolbild) © IMAGO/Wolfilser

FSME ist eine gefährliche Krankheit in Deutschland. Auch in Niedersachsen breitet sich der von Zecken übertragene Erreger weiter aus. Experten sind alarmiert.

Niedersachsens Landesgesundheitsamt schlägt Alarm: Die durch Zeckenstiche ausgelöste Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) breitet sich zunehmend im Norden Deutschlands aus. Besonders beunruhigend: Menschen stecken sich nachweislich vor der eigenen Haustür an – und nicht etwa im Urlaub.

FSME in Niedersachsen: Virologe warnt vor Ausbreitung nach Norden

„Das Virus ist längst in Niedersachsen angekommen“, sagte Masyar Monazahian, Virologe des Landesgesundheitsamts, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Zwar lägen die registrierten Erkrankungen weiterhin auf einem niedrigen Niveau, doch der Trend zeige nach oben. „Wir sehen seit Jahren, dass FSME sich immer weiter in Richtung Norden verbreitet“, betonte er.

Besonders alarmierend sei dabei die Tatsache, dass sogenannte autochthone Fälle auftreten – also Ansteckungen, die eindeutig innerhalb Niedersachsens passiert sind. „Entscheidend ist: Wir haben sogenannte autochthone Fälle – also Menschen, die sich nachweislich hier infiziert haben und nicht im Urlaub oder in anderen Risikogebieten.“ Viele Zecken sind bereits wieder in Niedersachsen aktiv.

Hirnhautentzündung ist die gefährlichste Folge einer FSME-Infektion

Als bekannteste Komplikation einer FSME-Erkrankung gilt die Hirnhautentzündung. Doch auch Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Magen-Darm-Probleme können auf eine Ansteckung hinweisen. Bei besonders schweren Krankheitsverläufen drohen Schäden am Nervensystem. Gleichzeitig verlaufen allerdings rund 80 bis 90 Prozent aller Infektionen ohne spürbare Beschwerden.

Der Experte appellierte an die Bevölkerung, sich aktiv zu schützen – „durch Kleidung, Absuchen und je nach Risiko auch durch eine Impfung“. Bei der Durchimpfungsrate gebe es allerdings „Luft nach oben. Viele unterschätzen ihr Risiko oder denken, eine einmalige Impfung reicht. Dabei muss der Schutz regelmäßig aufgefrischt werden“, mahnte Monazahian. Zusätzlich zu FSME übertragen Zecken auch die Borreliose – gegen diese Erkrankung existiert bislang keine Schutzimpfung.

Infektionen in ganz Niedersachsen verteilt – von Gifhorn bis Cuxhaven

Nicht jeder gemeldete FSME-Fall geht tatsächlich auf eine Ansteckung innerhalb Niedersachsens zurück. „Wenn man das herausrechnet, bleiben jedes Jahr einige wenige Fälle übrig – aber die sind über das ganze Land verteilt. Wir sehen Infektionen etwa in Gifhorn, Osnabrück, Cuxhaven oder auch im Ammerland.“ Es handle sich zwar um Einzelfälle, diese beschränkten sich jedoch keineswegs auf bestimmte Regionen.

Wird ein Infektionsfall bekannt, gehen die Fachleute dem Ansteckungsweg nach: Sie ermitteln die Aufenthaltsorte der betroffenen Person, prüfen mögliche Reiseaktivitäten – und sammeln bei lokal erworbenen Infektionen vor Ort Zecken ein. Diese werden anschließend im Labor analysiert, um einen möglichen Virusbefall festzustellen.

Zeckengefahr lauert im eigenen Garten – nicht nur im Wald

Monazahian räumte mit einem weitverbreiteten Irrglauben auf: „Zecken finden Sie im direkten Lebensumfeld, also direkt vor der Haustür oder im Park – nicht nur tief im Wald. Viele stecken sich im eigenen Garten an.“ Die Spinnentiere seien praktisch überall in Niedersachsen anzutreffen. „Der Kontakt passiert im Alltag – nicht nur bei Ausflügen.“

Auch der Klimawandel spielt laut dem Virologen eine wachsende Rolle. „Mildere Winter sorgen dafür, dass Zecken und ihre Wirtstiere besser überleben“, warnte er. Die Folge: eine zunehmende Verbreitung der Parasiten. „Zecken sind heute oft schon früh im Jahr – und auch teilweise ganzjährig – aktiv.“ Auch eine neue Zeckenart bereitet den Experten dabei Sorge. (Quelle: dpa) (jr)