Lebensmittel werden wieder teurer: Diese drei Märkte treiben die Preise
Stand: 07.09.2026, 13:23 Uhr
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Zucker explodiert, Getreide und Öl ziehen nach. Dabei gibt es weltweit genug Vorräte. Was hinter der neuen Unruhe an den Agrarmärkten steckt.
Die Weltmärkte für Lebensmittel hatten sich gerade beruhigt. Jetzt dreht der FAO-Lebensmittelpreisindex wieder nach oben: Im August steigt der globale Preisindikator für wichtige Agrarrohstoffe um 1,9 Prozent auf 133,3 Punkte. Vor allem Zucker, Getreide und Pflanzenöl werden teurer. Hitze und Trockenheit treffen die Ernten, zugleich geraten Handels- und Exportrouten unter Druck. Für Lebensmittelhersteller, Händler und Importeure bedeutet das: Beschaffungskosten und Preisrisiken steigen wieder – obwohl weltweit noch kein akuter Mangel droht.
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Zucker schießt um 11,9 Prozent hoch – und das ist erst der Anfang
Elf Komma neun Prozent. So stark ist der Zuckerpreis im August gestiegen – der größte Monatssprung aller Warengruppen im FAO-Index und der höchste Stand seit Juni 2025. Der Grund: Hitze und Trockenheit lassen die Zuckerrübenernte in der EU schrumpfen, während El-Niño-Wetter die Produktion in wichtigen asiatischen Anbauländern bremst. Auch Brasiliens Zentrum-Süden, die größte Zuckerregion der Welt, liefert weniger. Indien goss zusätzlich Öl ins Feuer: Die Ankündigung zollfreier Rohzuckerimporte trieb die internationalen Notierungen weiter nach oben.

Wenn Häfen und Hitze gleichzeitig zuschlagen
Auch Getreide wird teurer: Der Cerealien-Index kletterte um 2,2 Prozent auf den höchsten Stand seit Mai 2024. Weizen legte 2,6 Prozent zu und liegt 15 Prozent über Vorjahr – gebremst werden die Exporte am Schwarzen Meer, während Hitze in Teilen Europas die Ernte schmälert. Mais verteuerte sich um 2,5 Prozent, belastet durch schwächere Ernteaussichten in den USA und der EU sowie durch die Sperrung der Straße von Hormus, die Lieferketten für Betriebsmittel stört. FAO-Chefökonom Maximo Torero: Klimaschocks, geopolitische Spannungen und gestörte Handelswege lassen die Risikoprämie an den Lebensmittelmärkten zurückkehren.
Fleisch, Milch und die stille Verschiebung
Der Milchindex sprang um 2,3 Prozent – der erste Anstieg seit vier Monaten, ausgelöst durch schrumpfende Milchmengen in der EU. Beim Fleisch zeigt sich ein geteiltes Bild: Geflügel-, Schweine- und Schaffleisch wurden teurer, Rindfleisch dagegen billiger. Der Grund ist bürokratisch, aber folgenreich: Brasiliens Ausfuhrquote für Rindfleisch nach China ist fast ausgeschöpft, Australien hat seine Quoten bereits erreicht. Beide Länder drängen nun verstärkt auf andere Märkte – und drücken dort die Preise.
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Das Paradox: Die Preise steigen, obwohl genug Getreide da ist
Trotz der Preissprünge bleibt die globale Versorgung laut FAO grundsätzlich stabil. Die Weltgetreideproduktion 2026 wird auf 2.980 Millionen Tonnen geschätzt, zwar 2 Prozent weniger als 2025, aber die zweithöchste Ernte aller Zeiten. Die Lagerbestände sollen bis Ende 2027 auf 947,2 Millionen Tonnen steigen, auch weil Russland und die Ukraine wegen eingeschränkter Exportrouten mehr Weizen zurückhalten. Das Verhältnis von Lagerbeständen zum Verbrauch sinkt dennoch leicht von 31,9 auf 31,6 Prozent – ein Signal, dass der Puffer kleiner wird, selbst wenn akuter Mangel nicht droht.
Die eigentliche Warnung steckt deshalb nicht in leeren Silos, sondern in vollen. Selbst bei der zweithöchsten Getreideernte aller Zeiten reichen Hitze, blockierte Handelswege und geopolitische Spannungen, um die Preise wieder nach oben zu treiben. Für Unternehmen heißt das: Versorgungssicherheit allein schützt nicht mehr vor Preisschocks.
Wer Lebensmittel, Agrarrohstoffe oder Vorprodukte einkauft, sollte deshalb nicht nur auf Erntemengen schauen, sondern auf Routen, Wetter und politische Risiken. Die nächste Lebensmittelkrise könnte beginnen, lange bevor tatsächlich Lebensmittel fehlen.