Dramatischer Bericht vom letzten Gletscher in Allgäuer Alpen – „sieht schon sehr traurig aus“


Letzter Gletscher der Allgäuer Alpen stirbt: „Man kann kaum mehr von Gletscher sprechen“

Stand: 13.10.2026, 20:01 Uhr

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Über Eis: Der Schwarzmilzferner ist der letzte Allgäuer Gletscher. Foto: Florian Sanktjohanser

Der Schwarzmilzferner ist der letzte Allgäuer Gletscher. Doch er verliert immer mehr Eis – und das unwiederbringlich. (Archivbild) © Florian Sanktjohanser

Bayerns letzter Gletscher stirbt: Der Schwarzmilzferner hat über die Hälfte seiner Eisdicke verloren. Forscher erwarten das Ende 2027.

Schwarzmilzferner – Auf der Tiroler Seite der Allgäuer Alpen, unterhalb von Mädelegabel und Hochfrottspitze, liegt der Schwarzmilzferner. Er gilt als der letzte Gletscher der Allgäuer Alpen. Nun ist davon kaum mehr etwas übrig, wie die Herbstvermessung auf 2400 Meter Höhe zeigt.

Letzter Gletscher in den Allgäuer Alpen verschwindet

Entstehen konnte der Gletscher überhaupt nur, weil der Wind aus den umliegenden Graten viel Schnee in die Mulde auf der Hochfrottspitze bläst, dem höchsten Berg im Allgäu. Doch selbst nach schneereichen Wintern, so die Forscher, werde der Gletscher nicht mehr richtig an Masse gewinnen. „Man kann kaum mehr von Gletscher sprechen“, sagt Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften bei br.de. Seine Kollegin Astrid Lambrecht fasst den Eindruck knapp zusammen: „Sieht schon sehr traurig aus der Schwarzmilzferner.“ Die beiden Glaziologen vermessen den Gletscher seit über 25 Jahren zweimal pro Jahr.

Laut br.de ist der Gletscher im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel geschrumpft. Noch dramatischer fällt der Rückgang bei der Eisdicke aus: Über die Hälfte hat der Gletscher innerhalb eines Jahres eingebüßt. Zudem ist das Eis inzwischen in einzelne Teile zerbrochen.

Auch der langfristige Vergleich ist eindeutig. Mitte des vergangenen Jahrhunderts sei der Schwarzmilzferner laut Mayer noch etwa 27 Hektar groß gewesen, heute seien es rund ein Hektar. Über 35 Meter an Höhe habe er verloren, berichtet er br.de. Das Eis ist nach Angaben der Forscher nur noch etwa drei Meter dick. Mayer rechnet damit, dass diese Reste im kommenden Jahr vollständig abschmelzen. „Dann wird der Schwarzmilzferner Geschichte sein. Das Ende einer Ära.“ Als Hauptursache nennt er den Klimawandel mit heißen und trockenen Sommern, den er als „Treiber des Gletscherverschwindens“ bezeichnet. Lambrecht spricht von einem „niederschmetternden Sommer“ für Gletscher.

Ein verheerendes Jahr für die Alpen – auch in Österreich und der Schweiz

Der Schwarzmilzferner ist kein Einzelfall. Laut dem Schweizerischen Gletschermessnetz Glamos sind in der Schweiz in diesem Jahr rund 5,5 Prozent des Eisvolumens geschmolzen. Die Organisation bezeichnet das Jahr als verheerend. Ursache sind der Schneemangel im vergangenen Winter und die große Hitze im Sommer. Im Winterhalbjahr 2025/26 fiel in allen Höhenlagen deutlich weniger Schnee als im langjährigen Mittel, die Nullgradgrenze lag an 76 Tagen über 4000 Metern, so häufig wie nie zuvor. Glamos schreibt: „Alpengletscher haben unter solchen Bedingungen langfristig keine Überlebenschance.“

In Österreich dokumentieren derzeit Freiwillige des Alpenvereins (ÖAV) die Gletscher. Die Teams seien mit „massivem Längen- und Massenschwund“ konfrontiert, sagt ÖAV-Experte Andreas Kellerer-Pirklbauer der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Auf der Pasterze am Fuße des Großglockners, Österreichs größtem Gletscher, zeichne sich ein möglicher Rekord-Eisverlust ab. Schmelzwasser höhle das Eis zusätzlich von innen aus: „Wie ein Schweizer Käse durch eine Maus.“ Laut dem jüngsten Gletscherinventar, das im September veröffentlicht wurde und sich auf das Jahr 2023 bezieht, ist das Eis in Österreichs Bergen innerhalb von zwei Jahrzehnten um 31 Prozent auf 285 Quadratkilometer geschrumpft. Die Arbeit der Forscher wird zudem gefährlicher: Bröckelndes Gestein durch tauenden Permafrost und mehr Spalten im schmelzenden Eis erhöhen das Risiko, so Kellerer-Pirklbauer.

Die letzten Gletscher in Deutschland schwinden

Die vier verbliebenen deutschen Gletscher haben laut dpa innerhalb von nur zwei Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fläche verloren. Eine Vermessung des Geografen Wilfried Hagg (Hochschule München) und des Glaziologen Christoph Mayer (BAdW) ergab einen Verlust von rund einer Million Kubikmetern Eis. Vom Blaueisgletscher und Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen gebe es nur noch klägliche Reste. Am Nördlichen Schneeferner an der Zugspitze könnte bis Ende des Jahrzehnts der Gletscherstatus verloren gehen. Dem Höllentalferner gaben die Wissenschaftler zuletzt maximal zehn Jahre. Dann hätte Deutschland keinen einzigen Gletscher mehr. Der Schwarzmilzferner ist damit Teil eines traurigen Trends, der die gesamten Alpen erfasst.