Die DFB-Frauen sind auf dem richtigen Weg: Taktische Identität gefunden, internationale Topteams geschlagen
Klara Bühl fackelte nicht lange. Sie nahm den Ball kurz an und zog direkt mit links ab. Der Ball schlug unhaltbar im rechten Eck ein und die deutsche Nationalspielerin ließ sich für ihren Treffer zum 2:1 (1:1)-Sieg ausgiebig von den rund 27.000 Fans im Weserstadion feiern. Es war ein Konter, wie er im Lehrbuch steht, und der Bundestrainer Christian Wück nicht nur aus dem offensichtlichen Grund jubeln ließ.
Zwar dürfte sich Wück auch über den Sieg gefreut haben, vielleicht aber noch mehr darüber, dass sein Matchplan an diesem Abend in Bremen perfekt aufging. Denn es ist einer, den er auch bei der Weltmeisterschaft in Brasilien in rund acht Monaten gegen die absoluten Topnationen einplanen dürfte. Er beruht darauf, dem Gegner zunächst den Ball zu überlassen und auf Konter zu lauern.
Vor einer Woche hatte der Bundestrainer gesagt, dass Deutschland mittlerweile eine Umschaltmannschaft sei. Und weil er zugleich Japans Spielweise mit der von Spanien verglich, die auf technisch feinem Ballbesitz beruht, konnte er seine favorisierte Herangehensweise im zweiten Testspiel dieser Länderspielphase gleich mal auf die Probe stellen.
Sein Fazit dürfte positiv ausfallen. Denn das deutsche Team erspielte sich auf diese Weise nicht nur mehrere gute Chancen und das zweite Tor, sondern behielt auch über weite Phasen des Spiels trotz weniger Ballbesitz die Spielkontrolle.
Umgekehrt heißt das nicht, dass Deutschland nichts mit dem Ball anfangen kann. Es gab mehrere Angriffe, bei denen Deutschland die perfekte Mischung aus kurzen und langen Bällen fand. Den besten davon nutzte Bühl nicht in der ersten Hälfte, machte das mit dem 2:1 später aber wett. Auch mit mehr Spielanteilen nach der Pause kam das DFB-Team zu Möglichkeiten.
Es ist nur so, dass sich das deutsche Team noch zu viele leichte Ballverluste erlaubt und bei Gegenkontern nicht fehlerlos agiert. Die geringere Gefahr liegt also darin, sich erstmal auf die eigene Verteidigung zu konzentrieren. Zumal man da weiterhin Luft nach oben hat. Denn trotz der sehr defensiven Ausrichtung taten sich immer wieder Lücken auf, wenn Japan entweder lange Bälle spielte oder sich blitzschnell durchkombinierte.
Mit Australien und Japan hat das DFB-Team nun zwei Gegner von internationalem Topniveau geschlagen. Dabei war eine Spielidee klar ersichtlich und noch viel wichtiger: Sie war erfolgreich. Und das stimmt mit Blick auf die WM erstmal optimistisch.