400 Beschäftigte betroffen: Aus für Leuna Polyamid steht fest
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Gewissheit für Domo-Nachfolger
Leuna Polyamid schließt endgültig im Oktober
Stand: 10.09.2026 18:26 Uhr
Monatelang gab es Hoffnung auf einen Investor, nun steht das Ende fest. Nach der Insolvenz von Leuna Polyamid wird der Chemiebetrieb im Oktober schließen. Weil die Anlagen als besonders komplex gelten, soll das Herunterfahren über mehrere Wochen hinweg kontrolliert und unter strengen Sicherheitsvorgaben erfolgen.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Für die rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Leuna Polyamid gibt es nun Klarheit. Nachdem kein neuer Investor gefunden wurde, wird der Betrieb des Domo-Nachfolgers im Oktober endgültig eingestellt. Die Produktion soll nach Unternehmensangaben noch bis Ende September weiterlaufen.
Das Landesverwaltungsamt hat deshalb eine sogenannte Nachsorgeanordnung erlassen. Demnach muss das Unternehmen einen detaillierten Plan für das sichere Herunterfahren der Anlagen vorlegen.
Anlagen können nicht einfach abgeschaltet werden
Nach Angaben der Behörde handelt es sich in Leuna um einen hochkomplexen Anlagenverbund, in dem unter anderem Caprolactam, Phenol, Cyclohexanon, Schwefelsäure und Polyamide hergestellt werden. Zudem gibt es Lageranlagen für Ammoniak. Ein ungeordnetes Abschalten könnte Risiken für Beschäftigte, Anwohner und die Umwelt mit sich bringen.
Deshalb soll das Herunterfahren der Produktionsanlagen für technische Kunststoffe schrittweise erfolgen. Das Landesverwaltungsamt betont, dass zahlreiche Anlagenteile technisch miteinander verbunden sind und nur unter festgelegten Bedingungen außer Betrieb genommen werden können. Der Prozess wird sich über mehrere Wochen erstrecken.
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Zweite Insolvenz innerhalb eines Jahres
Leuna Polyamid war Anfang April aus Teilen der insolventen Domo-Gruppe hervorgegangen. Zuvor hatte das Land mit 80 Millionen Euro den Weiterbetrieb des Werkes aus technischen Gründen gesichert. Mehr als 430 Arbeitsplätze konnten damals zunächst gerettet werden. Doch bereits im Juni beantragte das Unternehmen erneut Insolvenz in Eigenverwaltung. Als Gründe wurden schwierige Marktbedingungen, hohe Rohstoffkosten und ein zunehmender Wettbewerbsdruck genannt.
Ein erneuter Investorenprozess blieb ohne Erfolg. Nun wird der Standort stillgelegt. Das Landesverwaltungsamt kündigte an, den gesamten Prozess eng zu begleiten, um Gefahren für Mensch und Umwelt zu verhindern.
Folgen für den Chemiestandort
Nach Einschätzung der InfraLeuna GmbH wird die Schließung von Leuna Polyamid weit über das Unternehmen hinaus spürbar sein. Die Anlagen seien ein wichtiger Bestandteil des Stoff- und Energieverbundes am Standort. Mit dem Produktionsende entfielen bestehende Liefer- und Abnehmerbeziehungen, zudem müsse sich eine Reihe von Unternehmen neue Bezugsquellen oder Absatzwege suchen.
Auch InfraLeuna selbst rechnet mit Umsatzeinbußen, weil Leuna Polyamid zu den größeren Abnehmern von Infrastrukturleistungen wie Dampf, Energie und Logistik gehört. Die Betreibergesellschaft betont jedoch, den Standort gemeinsam mit den ansässigen Unternehmen weiter wettbewerbsfähig halten zu wollen.
MDR (Susanne Liermann)